Carola Pönisch 2 Kommentare

S81: Radfahren lebensgefährlich

Dresden. Wer als Radfahrer auf der S 81 zwischen Dresden und Weinböhla unterwegs ist braucht schon eine gehörige Portion Mut. Auf dieser gut ausgebauten Piste gibt es keinen Radweg. In einer Petition wird jetzt ein solcher gefordert.

Die vorhersehbare Katastrophe ereignete sich vor rund sechs Wochen: Am Abend des 27. November befuhr Falk Schmidtgen, Leiter des Dresdner Schulverwaltungsamtes, mit seinem Fahrrad die Staatsstraße 81 zwischen Friedewald und Auer, nordwestlich von Dresden. Ein Kleintransporter rammte ihn mit hoher Geschwindigkeit und schleuderte ihn durch die Luft. Falk Schmitgen hatte keine Chance, er verstarb noch am Unfallort an den Folgen des Aufpralls.

Wäre der Unfall vermeidbar gewesen, wenn der 42-Jährige Unfallverursacher nicht betrunken am Steuer gesessen hätte? Vielleicht. Doch Fakt ist: Auf der erst 2011 gut ausgebauten S 81 gibt es keinen Radweg. Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, sieht deshalb ein klares strukturelles Versagen: »Beim Ausbau der Straße 2011 hat der Freistaat einen Radweg für entbehrlich gehalten.« Der Meißner Niederlassung des Landesamts für Straßenbau und Verkehr wirft er Untätigkeit beim Radwegebau vor. Noch im April habe nach Krauses Aussage dessen Amtsleiter betont, dass Radwege für ihn keine Priorität hätten.

»Diese lässige Haltung gegenüber der Sicherheit nichtmotorisierter Verkehrsteilnehmer trifft aus unserer Sicht eine klare Mitschuld an dem Unfall.

Petition gestartet für einen Radweg entlang der S 81

Schon lange beklagen Anwohner und Pendler, die auf der Strecke mit dem Rad zur Arbeit nach Dresden unterwegs sind, die unhaltbare Situation an der S 81. An der Staatsstraße existiert für den Abschnitt zwischen Weinböhla und Reichenberg weder eine sinnvolle Parallelroute noch ein baulich getrennter Radweg.

Die Kurvenradien der Staatsstraße sind zudem sehr großzügig gestaltet und vermitteln Autofahrern ein hohes Maß an Sicherheit. Das ist in den Augen des ADFC-Vorsitzenden geradezu eine Einladung zum Rasen. »Trotz der offensichtlichen Gefährdungslage hat das LASuV auf dem stark befahrenen Abschnitt bisher keine Geschwindigkeitsbegrenzung angeordnet«, kritisiert Konrad Krause.

Schlimmer: Die S 81 wird in der Radverkehrskonzeption des Landes Sachsen seit 2014 mit der höchsten Prioritätsstufe A geführt. Das bedeutet, dass der Freistaat im Abschnitt zwischen Weinböhla und Reichenberg dringenden Handlungsbedarf zur Verbesserung der Sicherheit des Radverkehrs sieht. Dennoch hat das LaSuV Meißen seit 2014 nicht einen Meter Radweg gebaut

Hintergrund 

* Über 2.000 Personen haben seit 10. Dezember (Stand 7. Januar) bereits die Petition unterzeichnet, die noch bis zum 9. Februar 2019 läuft.

Zu finden unter: https://openpetition.de/!wpcrs

* Sollte man Radfahren auf S-Straßen ohne Radweg verbieten? Auf der S 173 von Kesselsdorf nach Dresden (Gorbitz Tangente) ist das zum Beispiel der Fall, kenntlich gemacht mittels Verbotszeichen. Oder sollten generell alle S-Straßen mit Radwegen ergänzt werden?

Schreiben Sie Ihre Meinung an: carolapoenisch@wochenkurier.info

 

 

 

 

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Kommentar von Schmidtgen
Ich lade sie gern zu einer Fahrt mit dem Fahrrad quer durch den Wald in der Dunkelheit ein. Wer soll für sie den Klimaschutz realisieren? Wie egoistisch sind sie? Ein Autofahrer benötigt für 10 km 6 mln, ein Radfahrer ca 30 mln und nun soll ich sie bedauern weil sie bei angemessener Fahrweise 30sek Verzögerung haben, irre.
Kommentar von Anne Bormann
So schlimm dieser Unfall ist, aber auf der S81 Radfahren ist ein NoGo für mich. Ich sehe öfter Radfahrer auf dieser Straße fahren, wo Autos mit 100 Km/h unterwegs sind. Meiner Meinung nach, ist Radfahren auf einer Strasse dieser Art verboten. Die Radfahrer sind gefährdet und eine Gefahr, zumal ja heute Radfahren ohne Licht in ist. Meines Erachtens ist ein Radweg eine Fahrbahneinschränkung und macht die Straße enger, heisst der Verkehr kann nicht zügig fließen. Deshalb ist ein generelles Fahrradverbot die bessere Alternative. Auf Autobahnen ist Radfahren ja auch verboten! Die Alternative zur S81 wäre sicherheitshalber der Waldweg.
Schilder an allen Auffahrten zur S81 wären ein Anfang, wobei ich nicht überzeugt bin, dass das von den Radfahrern akzeptiert ist. Radfahrer sind desöfteren der Meinung, ihnen allein gehören die Strassen. Leider für mich jeden Tag Alltag, wenn ich unterwegs bin.

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