Grit Büttner

Ostwind ? Der Wolf geht um

Dresden. Gastkommentar von Hans Eggert

Der Wolf, scheint es, beschäftigt uns derzeit mehr als jedes andere Tier. Die Wildschweine etwa pflügen längst städtische Gärten um, inspizieren Müll- und Biotonnen, breiten, wenn was Fressbares gefunden ist, den Inhalt derselben des Überblicks wegen vor den Häusern aus. Oder die Füchse. Sie bevölkern Parks und Wohngebiete, spazieren schon mal seelenruhig über großstädtische Straßen und ernähren sich aus Abfalltonnen. Aber auch Geflügelhalter melden Probleme mit ihnen.

Zudem gibt es kaum noch Gegenden, in denen keine Rehe vorbeischauen. Oder Waschbären, die zwar nicht in unsere Landschaft gehören, dennoch gern Schornsteine bewohnen und so beim Anwerfen modischer Holzöfen zuweilen für Rauchentwicklungen in den guten Stuben sorgen. Über all das wird ab und an geredet, richtig diskutiert aber wird über den Wolf. Und zwar, seit der aus der Niederlausitz nach Brandenburg und Mittelsachsen, also aus dem tiefen Osten in den Westen marschiert, sich nachts Schafe zum Mahle holt und dazu schaurig jault.

Auch wenn sogleich ein "Wolfs-Management" ins Leben gerufen worden ist, die Halter gerissener Schafe aus der Landeskasse Schadenersatz erhalten - die Unruhe wächst. Schließlich könnte das Raubtier ausgerechnet dann auftauchen, wenn wir im Walde spazieren gehen. Und mancher Jäger befürchtet zudem, der Wolf würde all die schönen Rehe und Hirsche fressen, die eigentlich ihm zum Abschuss zustehen. Wolfshüter wiederum sagen, der Wolf mache einen großen Bogen um Spaziergänger und habe überhaupt ziemlichen Respekt vor uns.

Zu seinem schlimmen Image sei er nur durch "Rotkäppchen" und "Der Wolf und die sieben Geißlein" gekommen. Doch wieso eigentlich? In beiden Märchen frisst er sich zwar zunächst an Rotkäppchen, Großmutter und sechs Geißlein satt, doch dann endet das dämliche Tier jämmerlich. Mit Wackersteinen im Bauch.

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