Katja Starke

Neu: WLAN im östlichen Alaunpark

Neustadt. Die Piraten Dresden haben den Testbetrieb für freies WLAN im östlichen Alaunpark gestartet. WochenKurier sprach darüber mit Vorstandsmitglied Susann Dietzschold.

Frei zugängliches Internet für alle. Warum?

Internet ist heutzutage eine Grundvoraussetzung für das private, das soziale und das berufliche Leben. Gerade an öffentlichen Orten wie Parks und Plätzen muss ein frei zugängliches Internet Standard sein. In vielen anderen Städten ist dies längst der Fall.

 

Wie ist das Feedback?

Toll! Wir hatten sogar schon Touristen, die extra um Danke zu sagen in unsere Landesgeschäftstelle gekommen sind. Die Nutzer sind allgemein hocherfreut, dass es möglich ist, ohne Barrieren einfach so online gehen zu können.

 

Können Sie kurz für die Laien erklären, weshalb wir ohne Probleme einen "fremden" Anschluss benutzen dürfen?

Wenn Lieschen Müller ihr privates WLAN ohne Passwort für jeden zugänglich macht, soll sie nach vorherrschender Rechtsauffassung in Deutschland persönlich haften, wenn irgendwer Unfug darüber anstellt. Dabei hat sie selbst gegen kein Gesetz verstoßen. Das nennt sich WLAN-Störerhaftung und gehört abgeschafft. Es trifft auch Betreiber von Restaurants, Kultureinrichtungen und ähnliches. Die Internetprovider wie die Telekom oder sorglosinternet.de haften im Gegensatz nicht für die Handlungen ihrer Nutzer.

 

Für das WLAN im Alaunpark nutzen wir den Breitband-Anschluss eines Anwohners am Alaunpark mit. Allerdings haben wir einen verschlüsselten Tunnel zu unserem Netzanbieter aufgebaut. Über den wird die Verbindung mit dem Internet für die Nutzer des freien WLANs herstellt. Damit müssen wir uns keine Gedanken mehr über die WLAN-Störerhaftung machen. Der Datenverkehr kommt dann mit hunderten anderen freien WLANs irgendwo auf einem Server in einem deutschen Rechenzentrum raus und ist nicht mehr auf einen Nutzer zuordenbar. Und falls uns diese Freiheit in Deutschland eines Tages genommen wird, dann leiten wir den Datenverkehr zwischenzeitlich woanders ins Internet und erobern uns die Freiheit dafür auf politischem Weg zurück.

 

Gibt es wirklich keinen "versteckten" Haken?

Nein, Benutzer müssen sich nicht registrieren, wir speichern keine Daten und haben somit nichts was wir herausgeben könnten oder was gehackt werden könnte. Wir bitten allerdings um zweckgebundene Spenden, um die laufenden Kosten zu decken und um weitere Standorte in der Stadt aufzubauen.

 

Nutzen kann die Verbindung jeder. Sie hoffen, alle halten sich an die Regeln. Wie sieht es nach dem ersten Monat aus? Irgendwelche Vorkommnisse?

Die WLAN Hotspots stehen jedem offen. Einfach nach "Piraten Freifunk" suchen und mit einem Klick verbinden. Was genau über das WLAN läuft wissen wir nicht. Vom Provider haben wir keine negativen Meldungen erhalten.

 

Was ist eigentlich Freifunk?

Wer eigenständig ein für jeden frei zugängliches WLAN aufbauen will, hat zwei Alternativen. Erstens das deutschlandweite Gemeinschaftsprojekt Freifunk.net, welches in Dresden unter ddmesh.de erreichbar ist. Oder über die kommerzielle Alternative sorglosinternet.de, die wir derzeit nutzen. Langfristig werden wir das Freifunk-Netz zusätzlich mit einbinden. Derzeit haben wir Freifunk im WLAN Namen mit aufgeführt, um auf den Freifunk in Dresden aufmerksam zu machen. Der könnte noch viele neue Standorte vertragen.

 

Noch ist die Nutzung nur im östlichen Teil des Alaunparks möglich, der weitere Ausbau geplant. Gibt es zeitliche Pläne?

Es haben sich bereits weitere Anwohner gemeldet, die uns beim WLAN für den westlichen Teil unterstützen würden. Wir müssen dort aber noch technische Voraussetzungen prüfen. Auch gibt es eine Anfrage für einen Standortaufbau in Strehlen. Wir geben unser Bestes, aber einen genauen Zeitplan können wir nicht bieten.

 

Wie hoch sind die Kosten und wie werden diese gedeckt?

Für den ersten Standort haben wir über Spenden etwa 400 EUR erhalten, was die einmaligen Kosten für die Technik in einer minimalen Ausbauvariante abdeckt, sowie einige Monatsgebüren für den verschlüsselten Tunnel zum Internetanbieter.

Ganz grob kann ein neuer Standort schnell um die 500 EUR Technikkosten verursachen. Nach oben sind da keine Grenzen gesetzt. Für Betreiber kleinster Standorte, etwa ein Straßencafe, können aber auch schon 50 bis 100 EUR für einen WLAN-Router genügen.

 

Es fragte Katja Starke.

 

Foto: bartjez

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