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Lieber Kopfkino erzeugen als nackt im Playboy

Dresden. Die Grand Dame des deutschen Chansons meldet sich zurück. Mit gefühlvollen Liedern ihres aktuellen Albums »Kleine große Liebe« will Annett Louisan (42), die zierliche Frau mit der einzigartigen Stimme, am 21./22. Oktober Dresdner Fans verzücken.

Sie starten im Dresdner Kulturpalast zu Ihrer großen Herbsttournee mit 24 Konzerten in Deutschland und Österreich. Wie groß ist Ihre Vorfreude?

Riesig, denn die bisherigen Konzerte in Dresden waren immer Highlights auf meinen Touren. Die Menschen hier sind besonders liebenswert und waren mir immer sehr zugetan. Unvergesslich bleibt für mich mein Auftritt am 1. April 2017, als ich hochschwanger auf der Bühne im Alten Schlachthof stand.

Sie überraschen Ihre Fans aber nicht nur mit musikalischem Nachwuchs?

Ja, ich werde wohl meine Tochter mitbringen. Sie ist erst zwei Jahre alt, aber ich möchte ihr die Frauenkirche zeigen und mit ihr einen Spaziergang durch den Zoo machen. Vielleicht bleibt sogar noch etwas Zeit für eine Dampferfahrt auf der Elbe.

Die Elbe weckt in Ihnen Gedanken sicherlich ganz besondere Erinnerungen?

Das stimmt. Als Kind der ehemaligen DDR bin ich im östlich der Elbe gelegenen Schönhausen, einer idyllisch gelegenen 2.100-Seelen-Gemeinde in Sachsen-Anhalt, aufgewachsen.

Haben Sie eine liebste Erinnerung an Ihre Kindheit?

Noch ganz viele. Die romanische Dorfkirche, der barocke Park, das weite flache Land, die im Sommer blühenden Elbwiesen, die duftenden Kiefernwälder oder das kleine, aus Lehm gebaute Fachwerkhaus meiner Großeltern. In Bismarcks Bibliothek an der alten Dorfstraße bin ich damals zur Schule gegangen.

Ihre Mutter zog nach dem Mauerfall mit Ihnen nach Hamburg, da waren Sie Zwölf. Der plötzliche Wechsel aus der dörflichen Idylle in die hektische Großstadt – wie kamen Sie damit klar?

Das war natürlich nicht leicht, besonders meine Oma Louise vermisste ich sehr.

Mit bürgerlichen Namen heißen Sie Annett Päge, Sie haben aber Ihren Künstlernamen und den Ihres Kindes an den Vornamen Ihrer Großmutter angelehnt. Warum?

Was meine Oma betrifft, so spielt da die Erinnerung eine große Rolle. Sie hieß Emmy Louise. Und zusammen mit Marcus Brosch, meinem Ehemann, habe ich mich entschieden, unser süßes Mädchen Emmylou Rose zu nennen.

Sie waren 17, als Sie an der Kunstakademie Hamburg anfingen, Malerei zu studieren. Haben Sie als eine der erfolgreichsten Sängerinnen in Deutschland überhaupt noch Zeit für die Staffelei?

Schon lange nicht mehr. Um mein Studium zu finanzieren, war ich anfangs bis spätabends als Studiomusikerin und Sängerin von Werbejingles für TV- oder Radiosender beschäftigt. Da blieb einfach keine Zeit mehr für die Malerei. Dafür knüpfte ich dann Kontakte mit Musikern, die mir dabei halfen, mein erstes eigenes Demoband zu produzieren.

Gleich Ihre erste, 2004 veröffentlichte Single »Das Spiel« erreichte Platz fünf in den Charts. Was haben Sie sich von der Gage gekauft?

Ich habe alle meine offenen Telefonrechnungen beglichen und vom Rest des Geldes noch einen 1.000 Euro teuren Kaffee-Vollautomaten gegönnt.

Sie sagten einmal, Ihre Lieder ähneln gemalten Bildern. Trifft das auch auf Ihr aktuelles Doppel-Album zu?

Ja. Meine Texte, die ich übrigens alle mitgeschrieben habe, veranschaulichen nahezu bildhaft alle Facetten des Alltags. Egal, ob es um private Erlebnisse, das erste Kribbeln im Bauch, Eifersucht oder Episoden aus der Kindheit geht. Ich denke, »Kleine große Liebe« ist meine bisher wohl persönlichste Platte, die diesmal nicht wie vorhergehende mehr vom Chanson beeinflusst, sondern von einem perfekten Mix aus Pop, Jazz, elektrischen Elementen und einem gehörigen Schuss Koketterie geprägt ist.

Hans Jancke

https://www.annettlouisan.de/kleine-grosse-liebe.html

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