Grit Büttner

Geklickt, gepackt, geschickt

Dresden. Online einkaufen ist beliebt. Wie halten Dresdner Einzelhändler mit im Kampf um Kunden und Umsatz?

Gedränge durch rappelvolle Läden? Das war gestern. Heute wird geklickt und online bestellt. Doch wie kann der "kleine Einzelhändler" ums Eck diesem Trend standhalten, wenn selbst Filialisten wie Weltbild und Thalia unter dem wachsenden Onlinehandel stöhnen? Und muss jeder Laden wirklich online verkaufen?

Es ist bequem, keine Frage: Stundenlang zu Hause mit dem Rechner auf den Knien auf digitalen Wühltischen krabbeln, Schnäppchen ergattern oder die neuesten Trends ordern macht einfach Spaß, strengt nicht an und ist oft preiswerter als das gleiche oder ein ähnliches Produkt im Laden um die Ecke. Mit ihrem brachialem Expansionsdrang und ihrer ständigen Verfügbarkeit haben Amazon, Zalando, ebay und Co. unser Einkaufsverhalten bereits radikal verändert. Shoppen gehen heißt nicht mehr, in die City fahren, einen Parkplatz suchen, sich durch volle Läden quälen oder in enge Umkleidekabinen quetschen. "Klickst du schon oder kaufst du noch" heißt das Motto in Abwandlung einer bekannten Werbung eines noch bekannteren Möbelhauses.

Wie gewaltig das Potenzial des Onlinehandels ist, zeigen die Umsatzzahlen der Branchenriesen. Zum Beispiel Zalando: Als Schuhhändler 2008 gestartet, bietet die Plattform längst die gesamte Bekleidungspalette nebst Schmuck, Taschen, Gürtel bis hin zu Wohnaccessoires an. Setzte das Berliner Unternehmen 2012 rund 1,15 Milliarden Euro um, werden es nach Schätzungen von Experten in diesem Jahr um die zwei Milliarden sein. Amazon hat seinen Umsatz allein in Deutschland zuletzt um 21 Prozent auf 6,8 Milliarden vergrößert - und bietet neben Büchern und anderen Medien längst alles, was der Mensch zum Leben (scheinbar) braucht. Dass diese Entwicklung Folgen für den lokalen Einzelhandel hat, steht außer Frage.

Online mitspielen

Wenn schon große Buchhändler wie Weltbild und Thalia unter Amazon leiden, wie mag es da erst dem Buchhändler ums Eck gehen? Kann er überleben oder ist sein Ende nur noch eine Frage der Zeit? Dr. Thorsten Tonndorf, Inhaber von "Dresden Buch", hat sich diese Frage schon vor sechs Jahren gestellt. Seit Juli 2007 betreibt er neben seinem Geschäft im Quartier Frauenkirche eine Homepage. Dort sind all seine Bücher auch per Mauseklick zu haben, doch das besondere ist die Spezialisierung. Denn Tonndorf bietet so ziemlich alles an Literatur, was von und über Dresden geschrieben wurde. "Obwohl die meisten Kunden lieber erst durch ein Buch blättern, ehe sie es kaufen, merke ich, dass der Onlineumsatz steigt." Zu sehen an seinen Zugriffszahlen, die mittlerweile bei knapp 3,6 Millionen liegen.

Doch dafür bedarf es eben auch einer gut gemachten (und nicht nur gut gemeinten) Website, für die ein Einzelhändler erst einmal Geld in die Hand nehmen muss, um professionell mitspielen zu können. Wie Tilo Pilz, der im Elbepark die "Potterie" betreibt, ein kleines, aber feines Geschäft für ausgesuchte Haushaltwaren. "Wir haben parallel dazu vor zwei Jahren mit dem Onlinehandel begonnen und verkaufen darüber so gut, dass wir im Frühjahr mit unserem Lager von Heidenau nach Dresden umziehen, weil wir mehr Platz brauchen." Von "nebenbei mal ein Paket verschicken" könne schon lange keine Rede mehr sein.

Das gilt auch für viele Bäcker, die jetzt in der Vorweihnachtszeit ihre Stollen in alle Welt senden. Wie das Familienunternehmen Wippler. "Damit haben wir schon 1995 begonnen und haben heute rund 3.000 Kunden in den USA, Frankreich, Spanien, Italien und im gesamten deutschsprachigen Raum", so Seniorchef Michael Wippler. Nicht zuletzt die Post profitiert vom bequemen Couch-Shopping. Rund acht Millionen Pakete pro Tag erwartet Brief-Chef Jürgen Gerdes in diesem Weihnachtsgeschäft. Das sind 62 Sonderzüge für die Deutsche Bahn und 10.000 zusätzliche Arbeitsplätze.

Im Bild: Allein im Weihnachtsgeschäft rechnet der Handelsverband Deutschland mit 8,5 Milliarden Euro Umsatz im Onlinehandel. 2013 werden es innsgesamt 33 Milliarden sein. (Fotolia)

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