Carola Pönisch

Erstes Dresdner Hospiz am St. Joseph Stift

Dresden. Im Maria Merkert-Haus wurde jetzt das erste Dresdner Hospiz eröffnet. Der Neubau verfügt über zwölf Plätze. Rund 160 Menschen können hier pro Jahr ihre letzte verbleibende Lebenszeit verbringen.

Alles hier in diesem Haus in der vierten Etage ist hell und freundlich und in warme Farben getaucht. Viel Licht, große Balkone, die den Blick über die Stadt freigeben, ein Innenhof mit einem Strandkorb, ein großer Gemeinschafts(wohn)raum, das Klavier auf Rädern, das überall stehen kann, das großzügige Bad mit seinem bunten Wandbild, die weiche, geblümte Bettwäsche... Es wird gut auszuhalten sein hier im neuen Haus und doch wird es für alle Gäste die letzte Station ihres Lebens sein. Denn sie werden im Hospiz (das Wort kommt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt »Herberge«) ihre letzten Tage, Wochen, Monate verbringen. Sie werden hier sterben.

Gutes Leben auch im Sterben ermöglichen

Wenn Heilung nicht mehr möglich ist, wünschen sich die meisten Menschen, zuhause in gewohnter Umgebung zu sterben. Doch das ist leider nicht immer möglich – entweder weil es keine pflegenden Angehörigen mehr gibt oder sie zu weit entfernt leben oder weil die medizinisch-pflegerische Versorgung in den eigenen vier Wänden einfach nicht möglich ist. Deshalb braucht es Orte wie Palliativstationen oder eben Hospize, in denen totkranke Menschen ihre Lebenszeit würdevoll und in liebevoller, professioneller Begleitung beenden können. 

Mit dem neuen Hospiz des St. Joseph Stiftes, dem sogenannten Marien-Hospiz, wurde zudem eine Lücke geschlossen. Denn bisher war Dresden die einzige Landeshauptstadt in Deutschland ohne ein stationäres Hospiz. Das nächstgelegene befindet sich in Radebeul im Landkreis Meißen. Damit konnte der Bedarf an Hospizbetten schon seit vielen Jahren nicht adäquat gedeckt werden, wie eine im Auftrag des sächsischen Gesundheitsministeriums erstellte Studie ergab.

Johannes Bittner, Leiter des Marien-Hospizes, wünscht sich für das neue, insgesamt zwölf Einzelzimmer fassende Haus, vor allem eins: »Hier darf gelacht und gelebt, aber auch gestorben und getrauert werden. Umfassende Zuwendung und Geborgenheit, das möchten wir unseren Gästen zuteilwerden lassen.« 

Gäste, nicht Patienten. Umsorgt werden sie von einem Team aus 30 ausgebildeten Fachkräften, darunter Pflegefachkräfte, Hauswirtschafter, Seelsorger, eine Sozialarbeiterin und zukünftig auch Ehrenamtliche. Das neue Haus, in dem sich u.a. das Hospiz befindet,  ist übrigens nach Maria Merkert benannt, eine der vier Gründerschwestern der Schwestern von der heiligen Elisabeth, die vor 125 Jahren das Krankenhaus St. Joseph-Stift in der Dresdner Johannstadt gründeten.

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