Katja Starke

Der Baron lebt in seinen Werken...

Dresden. Von Ardenne Anlagentechnik: Schwarze Zahlen, Weltmarktführer und Umsatz auf Rekordniveau

Der Name Manfred von Ardenne ist mit Dresden sehr eng verbunden. Seit 1955 bis zu seinem Tod 1997 hatte der große Forscher hier am Weißen Hirsch seinen Firmensitz. Geforscht wird heute im Unternehmen immer noch und außerdem ist die Firma Weltmarktführer beim Bau von Anlagen zur Beschichtung von Architekturglas.

Roter Baron vom Weißen Hirsch, genialer Forscher, Erfinder der Mehrsystem-Elektronenröhre (und damit Wegbereiter für die serielle Radioproduktion), erstes Rasterelektronenmikroskop, Krebsforschung, Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie ? all das fällt uns ein beim Namen Manfred von Ardenne. Vielleicht auch, dass er es schaffte, sein privates Forschungsinstitut,  innerhalb der sozialistischen Staatengemeinschaft einzigartig in seiner Art, geschickt vor der Verstaatlichung zu bewahren, dass er sicher auch Privilegien genoss, dass er andererseits für die kleine DDR ein großes Aushängeschild war. Doch was ist aus seinem (Lebens)Werk eigentlich geworden? Was geschieht auf dem Weißen Hirsch, was am  Standort im Gewerbegebiet Weißig, wo die Von Ardenne Anlagentechnik (1991 aus dem Forschungsinstitut herausgelöst, aber nach wie vor in Familienbesitz) seit 1996 produziert? "Wir haben 2012 den höchsten Umsatz in der Firmengeschichte erzielt", erklärte Robin Schild, Präsident  und Chief Exekutive Officer (CEO) kürzlich ziemlich unaufgeregt, aber stolz auf einem der sehr seltenen Pressetermine des Unternehmens. 260 Millionen Euro Umsatz wurden erwirtschaftet, fast 70 Millionen mehr als 2011 und fast doppelt so viel wie vor vier Jahren. Als weltweiter Verkaufsschlager erweisen sich seit Jahren die im Unternehmen selbst entwickelten und gebauten Maschinen, mit denen nano- bis mikrometerdünne Funktionsschichten auf Glas, Metallband oder Folie aufgebracht werden können. Mit diesen zum Teil riesigen Anlagen werden zum Beispiel Smartphone-Displays und Touchscreens, Wärmeschutzfolien für Autoglas und Solarzellen sowie Architekturglas beschichtet. "Im Bereich Architekturglas  sind wir Weltmarktführer", sagt Hans-Christian Hecht, Geschäftsführer für den Technischen Bereich, "mit unseren Maschinen werden riesige Glasscheiben mit bis zu 16 hauchdünnen Schichten überzogen. Solches Glas hat mittlerweile die wärmedämmende Qualität von Ziegelwänden." Namen nennt die Geschäftsführung nicht, lässt aber durchblicken, dass alle großen Glashersteller in Europa, China und Asien Maschinen "Made in Weißig" nutzen. Dass das so ist, trotz großer Konkurrenz aus Japan und USA, sei vor allem der Schnelligkeit zu danken, mit der die Dresdner Firma auf ständig neue technische Kundenanforderungen reagieren kann."Dafür fließt auch viel Geld in Forschung und Entwicklung". Und genau deshalb baut die Von Ardenne Anlagentechnik jetzt in Weißig noch ein hochmodernes Entwicklungszentrum, in dem einerseits junge innovative Köpfe neue Lösungen suchen und finden, andererseits Kunden aus der ganzen Welt an den hochspezialisierten Maschinen geschult werden sollen. Die sieben Millionen dafür investiert die Firma übrigens ohne Hilfe der Banken, denn "wir schreiben seit 22 Jahren ordentliche schwarze Zahlen", wie Finanz-Geschäftsführer Tino Hammer verkündet.Der Baron vom Weißen Hirsch, der geniale Forscher, hätte heute also allen Grund, stolz zu sein auf seine Erben. Schon allein deshalb, weil viele seiner Verfahren heute Standard und viele Vorhersagen Realität sind, zum Beispiel Mikrochips oder die Nutzung der OLEDs (organic light emitting diodes). Von letzteren sprach er bereits 1962. In "seinem" Werk Weißig sind diese OLEDs heute eines der aktuellen Forschungsthemen. Sie sollen der Beleuchtungsindustrie in naher Zukunft mittels großflächiger Lichtquellen ein neues Licht aufgehen lassen.     

Mandy Kupka führt einen Datenabgleich durch an der Maschinenkomponente, an der Robert Rönsch (im Hintergrund) gerade baut.Die Von Ardenne Anlagentechnik zählt derzeit 650 Mitarbeiter, weitere 50 sollen in diesem Jahr eingestellt werden.                 Foto: Pönisch         

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