Katja Starke

Kleine Tafel für riesiges (botanisches) Wunder

Neustadt. Größte deutsche Schindel-Eiche steht auf Dresdner St. Pauli-Friedhof

Mit der Meschwitz-Eiche steht auf dem Dresdner St. Pauli-Friedhof, Hechtstraße 78, ein kleines forstbotanisches Wunder.

Am 18. Oktober ? zum 125. Todestag des Dresdner Forstmeisters Friedrich Wilhelm Meschwitz ? erhielt sie eine Tafel, die dies nun auch öffentlich kundtut: Vor 133 Jahren auf dem bis 1960 bestehenden Familiengrab der Familie Meschwitz gepflanzt, gehört die sogenannte Schindel-Eiche (Quercus imbricaria) aus Nordamerika mit ihren 370 cm Stammumfang heute zum größten Baum dieser Art in Deutschland.  

 

Beim Anbringen der Tafel war neben Friedhofsverwalter Wolfgang Mehmke auch Jürgen Lambrecht vor Ort. Der von der Stadt Dresden ehrenamtlich Beauftragte für Denkmalpflege hat den Hintergrund über die Meschwitz-Eiche recherchiert.  

Seit einem Jahr steht die Meschwitz-Eiche im Baumkataster der Stadt als besonders wertvoller und schöner Baum. Bereits im Jahr 2011 wurde der Baum von der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft in die deutsche "champion-trees (Rekordbaum)-Liste" aufgenommen. Der deutsche Name "Schindel-Eiche" leitet sich ab vom Verwendungszweck ihres Holzes, nämlich als Dachschindeln.  

Hintergrund: Der Dresdner Forstmeister Friedrich Wilhelm Meschwitz (geb. 1815 im Erzgebirgischen Bockau, gest. 1888 in Laubegast b. Dresden) pflanzte die Eiche acht Jahre vor seinem eigenen Tod auf dem Familiengrab. Meschwitz leistete Großes bei der forstlichen Betreuung der Dresdner Albertstadt sowie beim Wegebau und der Forstverbessserung in der Dresdner Heide. Jürgen Lambrecht schreibt in seinen "Erinnerungen an Forstmeister Friedrich Wilhelm Meschwitz" (Dresden, 2012, S. 4): "Meschwitz hat die Eiche nach der Bestattung seines 19jährig verstorbenen Sohnes Wilhelm in einer Situation großer persönlicher Enttäuschung gepflanzt: kein Nachfolger im Beruf unter den drei Söhnen [?]. Ihm muss bewusst gewesen sein, dass die relativ schnell wachsende Eiche das Familiengrab ?in sich aufnehmen' wird. So steht die Eiche ? wohlbedacht ausgewählt und in ihrer typischen Astausbildung das natürliche Muster eines Stammbaumes ? für den unerfüllt gebliebenen Wunsch nach Generationen überdauernder familiärer Förstertradition."  

Der Friedhof: Der St.-Pauli-Friedhof ist ein naturnaher Friedhof mit reichem Baumbestand. Die gesamte Anlage steht unter Denkmalschutz und ist terrassenförmig zwischen Hechtstraße und Stauffenbergallee angelegt. Der Friedhof bietet Platz für ca. 30.000 Gräber. Begraben sind dort u. a. auch die Eltern von Erich Kästner.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.