Katrin Kunath

Kuriosen Namen auf der Spur - Folge 3

Kamenz. Der WochenKurier stellt in diesem Jahr Monat für Monat ungewöhnliche oder längst vergessene Wegenamen und Ortsbezeichnungen vor. Norbert Portmann hat nachgeforscht, wie Straßen, Gassen oder Höhen zu ihren Namen kamen.

Die Feuerpforte

wurde so genannt, da der Weg als Fluchtstrecke bei Bränden vom Anger ins Herrental vorgesehen war. Er wurde auch als Treppenweg bezeichnet. Es war eine ehemalige Pforte in der einstigen Kamenzer Stadtmauer. Der Weg verläuft heute noch vom Mittelanger ins Herrental.

Der Eulenfelsen

liegt unmittelbar am Bautzener Berg, und von diesem Massiv ergibt sich ein herrlicher Blick auf die Stadt, die Breite Straße sowie die Bautzener Straße. Unterhalb des Felsens befand sich einst die Elsterfurt. Der Ursprung des Namens "Eulenfelsen" lässt sich zurzeit nicht klären. Historisch gesehen liegt der Eulenfelsen in der zuerst gegründeten Siedlung von Kamenz vor dem Jahre 1225. Für die Fuhrleute, Wanderer und Pilger befanden sich vermutlich drei Kretschams am Fuße des Felsens, die den Menschen und Tieren Rast und Unterkunft boten. Einst gehörten die Eulenfelsen zum Dorf Spittel. Am 1. Februar 1842 gründete sich im Haus des Administrator Pörschel, später dem Spediteur Berger gehörend, der "Gesangsverein im Eulenberge". Mit noch anderen Kamenzer Gesangsvereinen wurde am 12. Februar 1850 der "Kamenzer Sängerbund" gegründet. Der "Gesangsverein im Eulenberge", später dann der "Sängerbund", pflegte über Jahrzehnte hinaus die Tradition des Ostersingens am 1. Osterfeiertag. Stätte des Auftrittes war der Eulenfelsen.

Der Galgenberg

liegt hinter dem Bahnhofsgelände. Der Name hat nicht nur etwas mit dem Galgen zu tun, sondern lässt sich auch von dem Wort "Golgs" ableiten, was so viel bedeutet wie Sumpf, über dem sich eine Anhöhe befindet. Einst war auf dem Berg eine Richtstätte von Kamenz. Um 1900 wurde ein Teil des Galgenberges durch die Königl. Sächs. Bahnverwaltung für die Schotterherstellung genutzt, nach 1920 durch die Firma Carl Halbach.

Der Gickelsberg

ist eine Kamenzer Anhöhe. Das bebaute Gebiet wurde einst "Olympiasiedlung" genannt, da es 1936, dem Jahr der Olympischen Spiele in Deutschland, errichtet wurde. Gickelsberg wurde von dem Wort "gucken" abgeleitet. Dies scheint nicht ganz abwegig zu sein, denn Bönisch sprach in seinem Buch davon, dass u. a. auf "?Gückelsberg? Lughäuschen und Wehrtürme?" errichtet wurden. Für Bönischs Behauptung gibt es leider keine Hinweise mehr. Doch aus dem Wort Guckberg wurde Gickelsberg.

 

Foto: Vermutlich war dies das Gründungshaus des Gesangsvereins. Im Hintergrund ist der Eulenfelsen erkennbar. (Archiv/np)

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