Silke Richter

Mehr als nur Theater

Hoyerswerda. Bis vor kurzem war nicht klar, ob das Schülertheaterprojekt zum Abschluss gebracht werden kann. Doch aufgeben war keine Option.

 Die Schürze ist verkehrt herum angezogen, die (lebende) Uhr fehlt auch noch und Praktikant Mario bittet einige Kinder darum, hinter dem Bühnenvorhang nicht Verstecke zu spielen.  Völlig normal. Denn die Mädchen und Jungen sind aufgeregt, können es kaum erwarten, dass die Proben nach der langen Schulpause neu beginnen.

Es ist endlich wieder Theaterzeit im Saal der Kulturfabrik. Denn die Corona-Krise hat dem Schülerprojekt monatelang einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Projektleiterin Ina Züchner hat für das Theaterstück die Rahmenhandlung geschrieben. Mittelpunkt der Erzählung sind zwei Kinder, die keinen Spaß mehr am Lesen finden und stattdessen lieber mit modernen Medien spielen. Auf die beiden Protagonisten und die anderen Darsteller warten jede Menge Abenteuer.

Über sich selbst hinaus wachsen

Die neun Viertklässler aus der Grundschule »Am Park« hatten sich innerhalb der Ganztagsangebote für das Theaterprojekt entschieden. Mit Hilfe von Praktikantin Steffi wurden Kostüme geschneidert und Requisiten für die Kulissen gebastelt. Natürlich war auch Zeit und Raum, um die eigenen Ideen und Vorschläge der Kinder mit zu integrieren. Und wenn man sich die Entwicklung der Nachwuchsschauspieler etwas genauer anschaut, stellt man schnell fest, dass innerhalb des Projektes nicht nur viel Spaß »mitspielt«.  Es sind Dinge wie Fleiß, Zusammenhalt, Teamarbeit sowie das Erkennen von eigenen Schwächen und Stärken, um diese zu fördern, in die richtigen Bahnen zu lenken und so über sich selbst hinaus wachsen zu können.  Ein Mädchen war anfangs sehr zurückhaltend und schüchtern. Jetzt steht die Schülerin selbstbewusst auf der Bühne und singt sogar allein. Live.

Andere Kinder lernten, sich etwas mehr zurück zu nehmen, zuzuhören und zu erkennen, dass die Gruppe nur zusammen stark sein kann. »Es ist erstaunlich, wie sich die Jungen und Mädchen weiterentwickelt haben. Beim ersten Treffen waren die Schüler sehr wuselig und mitunter auch unruhig.  Jetzt sind sie in das Projekt hineingewachsen und sehr motiviert dabei, sobald sie auf der Bühne stehen und ihre Rollen spielen«, meint Ina Züchner begeistert.

Die richtige Entscheidung

Jetzt erklärt sich auch der Name dieser Theatergruppe, die sich kurz und knapp die »Bühnenwoozles« nennen.  Natürlich wird bei den Proben viel gelacht. Auch ein bisschen dazwischengeredet, gekichert und außerplanmäßig umdisponiert. Aber das ist völlig normal, wenn neun Kinder Theater spielen wollen. Ina Züchner findet mit den Jungen und Mädchen schnell zum roten Faden zurück. Die 49-Jährige ist froh darüber, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. War doch wegen Corona längere Zeit nicht klar, ob das Projekt überhaupt weiterlaufen würde. Trotz mangelnder Probentermine und einigen Stimmen von außen, die Ina Züchner dazu rieten, das Vorhaben doch einfach einschlafen zu lassen, ließ sie sich nicht entmutigen. Und wenn man die Kinder auf der Bühne beobachtet, dann war ihre Entscheidung goldrichtig.
Nicht umsonst haben die Jungen und Mädchen auch in der schulfreien Corona-Zeit ihre Rollentexte fleißig weiter einstudiert und sich viele Gedanken gemacht. War doch der gemeinsame Gruppenkontakt für Monate unterbrochen.

Ende Juni soll das Theaterstück »Fantasia und der böse Hexo Digitalo« im kleinen Rahmen unter Einhaltung der vorgeschriebenen Hygiene-Regeln in der Kufa aufgeführt werden. Eine zauberhafte Geschichte, die aber letztlich sehr viel mehr ist.

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