Sandro Paufler

Kein Bismarck-Denkmal auf dem Czorneboh

Bautzen. Auf dem Czorneboh wird kein neues Bismarck-Denkmal errichtet. Das entschied der Bautzener Stadtrat nach einer langen Debatte. Die Entscheidung interessierte auch französische Pressevertreter, die zur Stadtratssitzung mit anwesend waren.

Wer hätte gedacht, dass ein einfaches Denkmal für so viel Aufmerksamkeit sorgen kann. In der gestrigen Stadtratssitzung waren neben den örtlichen Pressevertretern der Region auch Journalisten aus Frankreich zu Gast.

Zerstörtes Denkmal wieder neu aufbauen

Hintergrund: Der Bautzener Liedertafelverein wollte der Stadt Bautzen ein Bismarck-Denkmal schenken und es originalgetreu auf dem Czorneboh errichten lassen. Genau auf der Fläche, wo die Stadt Bautzen einen Stadtwald auf dem Berg unterhält. Bereits in der Vergangenheit hatte es an der gleichen Stelle ein Bismarck-Denkmal gegeben. Dies wurde allerdings im Jahre 1950 zerstört.

Bismarck-Denkmal ist für das sorbische Volk eine Beleidigung

Im Oktober dieses Jahres beschäftigte sich der Haupausschuss mit dem Thema und gab grünes Licht für die Neuerrichtung des Bismarck-Denkmals. Doch als öffentlich wurde, dass der Bautzener Liedertafelverein ein historisches Bismarck-Denkmal wieder errichten möchte, hagelte es Kritik. So lehnten der Landesfrauenrat sowie zahlreiche sorbische Institutionen die Errichtung des Bismarck-Denkmals ab.  Die sorbische Minderheit sei unter Bismarck ständigen Repressalien ausgesetzt gewesen, heißt es von Seiten der Sorben.

Grüne und Linke wollen Entscheidung revidieren

In einer gemeinsamen Beschlussfassung der Grünen und der Linken wollten die beiden Fraktionen ihre Entscheidung zur Errichtung des Bismarck-Denkmals wieder zurücknehmen. Sollte der Stadtrat zustimmen, würde demnach der Beschluss wieder aufgehoben werden.

Bismarck-Denkmal zur Feier des Deutschen Kaiserreichs

Zur Stadtratssitzung geladen waren auch Vertreter des Bautzener Liedertafelvereins. Der Verein wollte das Bismarck-Denkmal errichten lassen aus dem Anlass heraus, die 150-jährige deutsche Einheit zu feiern – wohlgemerkt die Einheit des Deutschen Reiches. Mit dem Denkmal wollte der Verein an die Bismarck-Zeiten erinnern: „Denkmäler sind nichts anderes als historische Gedächtnisspeicher“, erklärte das Vereinsmitglied Peter Schulze den anwesenden Stadträten die Beweggründe.

Kein Bismarck-Denkmal auf den Czorneboh

In einer langen Debatte diskutierten die Stadträte über Für und Wider des Denkmals. Schlussendlich wurde der Beschluss mit 12 Ja-Stimmen, 9 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen beschlossen. Auf den Czorneboh wird kein Bismarck-Denkmal errichtet.

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Pulver der Königin – einst gepriesen, heute verpönt

Doberlug-Kirchhain. Zwei Nichtraucher huldigen noch bis Anfang Januar den Raucherutensilien im Weißgerber-Museum in Doberlug-Kirchhain. Museumsleiter Dr. Andreas Hanslok und der Doberluger Sammler Frank Mende haben mit der Sonderausstellung »Der blaue Dunst – Entstehen und Vergehen des Tabakrauchs« ein sozialgeschichtliches Phänomen der Menschheit in die Museumsräume gebracht. Natürlich musste die Ausstellung wegen der Corona-Auflagen ohne offizielle Eröffnung vor einigen Wochen starten. Bis zum Ausstellungsschluss erhofft sich der Museumschef entsprechend der jeweiligen Zugangsregelung interessierte Besucher. Verliebt in Rauchverzehrer Seit geraumer Zeit treibt den Nichtraucher Andreas Hanslok die Idee für diese Ausstellung um. Mit dem Doberluger Sammler Frank Mende, ebenfalls passionierter Nichtraucher, hat er einen engagierten Partner bei der Gestaltung dieser Schau gefunden. Frank Mende ist glücklich, dass er durch die Ausstellung seine Sammlungsbestände, die bei ihm zu Hause zumeist in Schränken, Kisten und Schachteln aufbewahrt sind, für Besucher präsentieren konnte. »Ich habe meine Sammlungsgegenstände hier neu kennengelernt.« Das betrifft vor allem die vielen so genannten Rauchverzehrer in den unterschiedlichsten Dekors und Gestaltungen vom bellenden Hund bis zum Porzellanliebespärchen. »Irgendwann habe ich mich in die Rauchverzehrer verliebt, die über Jahrzehnte in ziemlich jeder bürgerlichen Familie als Schmuckaccessoires die Wohnzimmer schmückten.« Dazu haben sich im Laufe der Jahre viele andere Utensilien zum Rauchen sowie Werbematerial aller Art für das Rauchen zu seiner Sammlung gesellt. „Es war nicht leicht, die richtige Auswahl von besonderen Gegenständen vom Streichholz bis zum Instrumentarium für das Pfeifenrauchern auszuwählen. »Dafür hatte ich Dr. Hanslok an meiner Seite.« Seit 45 Jahren ist Frank Mende von der Sammelleidenschaft infiziert. Für ihn ist das Sammeln Lebensinhalt und lässt ihn seine seit Jahrzehnten vorhandene Lungenkrankheit besser bewältigen. Die habe nichts mit dem Rauchen zu tun, denn er habe nie im Leben geraucht. Allerdings werden in der Ausstellung zahlreiche Besucher an die eigene Leidenschaft des Rauchens erinnert, die bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts sozial akzeptiert war und zum gesellschaftlichen Leben dazu gehörte und durch Werbung der Tabak- und Zigarettenproduzenten zum Style hochgejubelt wurde. »Natürlich wollen wir mit der Ausstellung keine Werbung für das Rauchen machen, zumal es inzwischen weitestgehend aus dem offiziellen öffentlichen Leben verschwunden ist«, betont Andreas Hanslok. Aber als sozialgeschichtliches Phänomen habe es die gesamte Welt über Jahrhundert geprägt. So führen Texte und Bilder in der Ausstellung durch einen Teil der Kulturgeschichte von den Anfängen in indianischen Kulturen Amerikas über die Griechen, Römer und Germanen. Kolumbus wird zugeschrieben, dass er den Tabak mit nach Europa gebracht habe. Den Siegeszug des Tabaks in Europa beförderte mit der französischen Regentin Katharina von Medici (1519 – 1589) eine Frau, die liebend gern Tabak als »Pulver der Königin« schnupfte. Später wird das Zigarrenrauchen zum Symbol für Reichtum aber auch für Revolution. Für den Schriftsteller Erich Kästner war »Kreativität ohne Rauch nicht denkbar«. Die Tabakpfeife sorgte noch besser dafür, den blauen Dunst lange dampfen zu lassen. Das Rauchen, erfahren Ausstellungsbesucher, war bis ins 20. Jahrhundert Domäne der Männer, erst dann verstanden Frauen wie Marlene Dietrich es als Mittel der Emanzipation. Auch Belege für die Zigarrenproduktion in Doberlug-Kirchhain fehlen in der Ausstellung nicht. Natürlich zeigt die Schau auch die Schädlichkeit des Rauchens und wie sich das Bewusstsein in der Gesellschaft zum Thema Rauchen verändert hat.Zwei Nichtraucher huldigen noch bis Anfang Januar den Raucherutensilien im Weißgerber-Museum in Doberlug-Kirchhain. Museumsleiter Dr. Andreas Hanslok und der Doberluger Sammler Frank Mende haben mit der Sonderausstellung »Der blaue Dunst – Entstehen…

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