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Hoteliers müssen genauer hinschauen

Radeberg. Die kurzfristig erlassenen Beherbergungsverbote machen auch den Hotels und Pensionen im Rödertal zu schaffen.

Als Maria und Josef auf Herbergssuche waren, gab es noch kein booking.com. Wer heute eine Unterkunft sucht, lässt sich nicht mehr von einem Himmelsstern, sondern von Bewertungssternen leiten, die in Coronazeiten gewaltig an Stellenwert verlieren.

Rote Karte für Reisende aus Risikogebieten

Denn angesichts der in diesem Herbst steigenden Infektionen in Deutschland, der rapiden Zunahme von Großstädten als Corona-Hotspots, gelten mittlerweile in vielen Bundesländern Beherbergungsverbote für Reisende aus den betroffenen Regionen. Wer aus einem innerdeutschen Risikogebiet in Sachsen, etwa im Rödertal, einen Urlaub verbringen will, der hat schlechte Karten, dem zeigen die hiesigen Hoteliers die Rote Karte. Es sei denn, man kann einen negativen Test vorlegen, der nicht älter als zwei Tage ist.

So musste der Ottendorfer Sebastian Dietrich jüngst Gästen den Roten Karton zeigen und ihnen mitteilen, dass er sie nicht in seinem kleinen Hotel »Zwei Linden« beherbergen darf. Der Grund: Sie kamen aus einem innerdeutschen Risikogebiet. Und deren Reaktion? »Man zeigte sich verständnisvoll«, so Dietrich weiter. Der auch Gäste hatte, die ihm einen negativen Corona-Test vorlegten.

Der vor Monaten vielen noch völlig unbekannte Inzidenzwert (dieser beschreibt die Neuerkrankungsrate einer bestimmten Krankheit) wird in den kommenden Monaten auch in den hiesigen gastronomischen Betrieben, in den Hotels und Pensionen im Rödertal am gewohnten Leben zerren und rütteln.

Noch flexibler handeln und reagieren

Beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Sachsen hat man reagiert und für die über 2.500 Mitglieder eine Hotline eingerichtet. »Da ploppen frühmorgens auf unserer Webseite die Postleitzahlen der Regionen auf, die von den Behörden als Risikogebiet eingestuft werden«, so Axel Klein. Der Hauptgeschäftsführer und Regionalbereichsleiter des sächsischen Verbandes spricht davon, dass Betreiber von Hotels und Pensionen in diesen Zeiten noch flexibler handeln und reagieren müssen als bisher. Man nun genau schauen müsse, wer wann und woher anreise.

Der Wachauer Torsten Göpner, dem in Wachau das Erbgericht gehört, spricht angesichts der kommenden Monate von einer »sehr ernsten Lage« für die Branche.

Jeder Tag sei derzeit völlig anders, beschreibt es ein Pensionsbesitzer aus Langebrück. Die sich derzeit ständig verändernden Vorschriften, die Einschränkungen, das alles sorge nicht nur für eine beträchtliche Unsicherheit, sondern zerre vor allem an den Nerven, so der Inhaber, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen will - »will keinen Ärger haben, Corona reicht mir«.

Auch im Radeberger Hotel »Sportwelt« dreht sich alles um die Corona-Infektionszahlen, die täglich vom Robert-Koch-Institut durchgegeben werden. »Wir informieren uns, wo die Risikogebiete liegen«, so Geschäftsführer Jens Richter. Wer von ihm wissen will, wie man sich als Inhaber eines Hotels in dieser Pandemie fühlt, erfährt, dass »wir es so nehmen, wie es kommt. Wohl dem, der in diesen pandemischen Zeiten über eine solch buddhistisch-anmutende Gelassenheit verfügt.

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