Sandro Paufler

Fitness-Studios vermissen ihre Mitglieder

Bautzen. Wie nutzte das clever fit Fitness-Studio in Bautzen die Zeit während des Lockdowns und mit welchen Herausforderungen hatte man dort zu kämpfen? Geschäftsführer Stefan Lasch und Studioleiterin Christina Freier geben einen Einblick in die schwierige Zeit.

In den modernen Räumlichkeiten an der Neusalzaer Straße wirkt es gespenstisch leer. Dort, wo sonst zahlreiche Menschen an Geräten und Hanteln Gewichte stemmen oder am Laufband die eigene Kondition stärken, ist keine Menschenseele zu sehen. Seit nun mehr als einem Jahr sind deutschlandweit Fitnessstudios geschlossen.

Mitarbeiter wurden in Weiterbildungen geschult

Stefan Lasch betreut drei clever fit Standorte, darunter einen in Bautzen. Doch einfach tatenlos zusehen, das kam für den Unternehmer nicht in Frage. Während der Zeit, als keine Mitglieder betreut werden durften, nutzte der Geschäftsführer die freien Kapazitäten, um die Sanitärbereiche zu modernisieren und kleinere Reparaturarbeiten in Bautzen durchführen zu lassen. Für die Mitglieder wurde ein neues Trainingsgerät angeschafft und das Personal konnte in Weiterbildungen geschult werden. Mit Onlinekursen konnten sich die Fitnessbegeisterten auch von zu Hause aus fit halten.

Existenzbedrohende Zeiten

Genau drei Monate wurden die Mitgliedsbeiträge abgebucht. Danach verzichtete das Unternehmen darauf, obwohl laufende Kosten wie Abschlagszahlungen, Miete, Strom und Versicherungen in voller Höhe zu Buche schlugen. Die erhofften Novemberhilfen von der Regierung kamen viel zu spät. Für die drei Inhabergeführten Standorte von Stefan Lasch in Dresden, Bautzen und Mühlhausen (Thüringen) sind 25 Prozent mehr Kündigungen eingegangen. Keine einfache Zeit für den Geschäftsführer: »Man sieht eigentlich monatlich seine Existenz dahinschwinden«, so der Unternehmer.

Christina Freier ist Studioleiterin in Bautzen. Die Zeit war für sie und das Personal nicht einfach gewesen. Es gab viele Kundenanliegen und Kündigungen, die beantwortet werden mussten, sogar Beschimpfungen erreichten das Team.

Personal vermisst die Mitglieder

Aber am schlimmsten war für die clever fit Mitarbeiter die Zeit, in der sie nicht mit den Mitgliedern arbeiten durften: »Uns allen hat der Berufsalltag gefehlt. Wir wollten einfach unserer Berufung nachgehen und unsere Mitglieder bestmöglich betreuen«, so die Studioleiterin. Geschäftsführer Stefan Lasch treibt eine Sorge um: »Ich fürchte, die Zeit nach der Schließung wird noch härter werden. Denn dann wird es keine finanzielle Unterstützung mehr geben, die Mitgliedszahlen sind dann rapide gesunken und die eigenen Reserven aufgebraucht.«

Fitnessbranche wird sich verändern

Auch generell werden sich die Dinge in der Branche ändern, weil sich die Ansprüche und Bedürfnisse der Kunden geändert haben. In Zukunft werden die Mitgliedsbeiträge günstiger werden, der Trend geht hin zu flexibleren, kürzeren Verträgen und der persönliche Kontakt wird noch mehr geschätzt, lässt der Geschäftsführer Stefan Lasch für die Fitnessbranche vermuten und hofft, bald wieder für seine Mitglieder öffnen zu dürfen.

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