Silke Richter

Ein Leben in Quarantäne

Hoyerswerda. Bisher sind im Landkreis 48 Menschen an COVID-19 erkrankt. 470 Personen sind derzeit in Quarantäne (Stand 19. März). Keine leichte Zeit für die Betroffenen, die in Isolation leben müssen, um die Ansteckungsgefahr einzudämmen. Wir haben mit einer jungen Frau per Mail Kontakt aufnehmen können, die sich derzeit in Quarantäne befindet.

Wir nennen sie Paula Weber, denn sie möchte anonym bleiben. Name und Anschrift der Hoyerswerdaerin sind der Redaktion bekannt.

Warum sind Sie in Quarantäne?

Ich war bei einem Seminar, bei dem sich anscheinend eine Person befand, die mit dem Coronavirus infiziert ist. Das Seminar wurde daraufhin unterbrochen. Ich wurde darüber informiert und gebeten, mich beim Gesundheitsamt zu melden und vorsorglich in Quarantäne zu gehen. Am darauffolgenden Mittwoch war ich dann nach Bautzen in die Außenstelle des Gesundheitsamtes zum Abstrich bestellt. An dem Tag bekam ich direkt den Bescheid vom Landratsamt in die Hand, der mich offiziell für 14 Tage seit dem letzten Kontakt zu einer infizierten Person in Quarantäne versetzte.

Welche Gedanken kreisten in Ihrem Kopf als sie den Bescheid vom Gesundheitsamt bekamen?

Man ist schon ziemlich beunruhigt. Vor ein paar Wochen schien das Ganze noch so fern und nun ist man selbst betroffen. Vor allem wenn man selbst eventuell in die Risikogruppe zählt, macht man sich Gedanken, ob man sich wirklich angesteckt hat und mit wem man die letzten Tage in Kontakt stand. Der Gang zum Gesundheitsamt war ziemlich beklemmend. An dem Haus wird man direkt am Eingang vom Sicherheitsdienst empfangen, welcher einem den Weg weist. Im Gebäude selbst ist alles so abgesperrt, dass man sich nicht verirrt, und es steigt einem der stechende Geruch von Desinfektionsmittel in die Nase. Im Wartebereich und in den Behandlungsräumen trugen alle einen Mundschutz und eine Schwester kam direkt auf mich zu und gab mir ebenfalls einen Mundschutz. Nachdem ich ausgiebig zur eigenen Person und zum Umfeld befragt und belehrt wurde, kam ich dann zum Abstrich in ein gesondertes Zimmer. Dort waren die Ärzte so verhüllt, dass man sie kaum erkennen konnte. Der Boden war mit Folie abgeklebt und die Räume nur mit dem Notwendigsten ausgestattet. Noch schlimmer ist aber die Zeit, die man auf den Befund warten muss. Da kann man sich schon verrückt machen, vor allem, weil auch Familie, Freunde und die Kollegen wissen wollten, wie der Befund ausgefallen ist und ob sie selbst auch diese Prozedur durchmachen müssen.

Können Sie ein paar Beispiele für Auflagen geben, die bei Quarantäne erfüllt werden müssen?
Natürlich muss man sich daran halten das Haus nicht zu verlassen. Dazu kann man laut Bescheid auch gezwungen werden beziehungsweise Geldstrafen bei Missachtung erhalten. Des Weiteren ist man dazu angehalten, zweimal täglich Fieber zu messen und dies in einer Art Tagebuch zu dokumentieren. Außerdem bekam ich anfangs täglich, mittlerweile aufgrund der Überlastung nur noch einmal in der Woche, einen Anruf vom Gesundheitsamt. Die nette Dame am Telefon fragte mich immer, wie ich mich fühle und ob ich irgendwelche Symptome habe. Vor allem fragte sie mich, ob ich versorgt werde. Das gibt mir immer das Gefühl, nicht alleine gelassen zu werden.

Wer versorgt Sie und wer kümmert sich um Ihre Haustiere?
Glücklicherweise war mein Kühlschrank schon gut gefüllt, denn mein Seminar sollte ja weitergehen. Die restlichen Einkäufe erledigten Familie und Freunde für mich. Haustiere, die man nicht ausführen muss, lassen sich problemlos weiter versorgen. Die freuen sich übrigens sehr über so viel Aufmerksamkeit. Wer Hunde hat, kommt schon etwas in die Bredouille, wenn er in einem Mehrparteienhaus wohnt und den Hund nicht mal eben in den Garten lassen kann, damit er seine Notdurft verrichten kann. Dann sind Familie, Freunde oder Bekannte gefragt.

Hatten Sie zu Hause auch Ängste?
Ich glaube am meisten Angst hatte ich immer vor dem Ergebnis des Abstrichs. Man weiß aktuell noch nicht so viel über die Krankheit, daher war ich froh, als man mir sagte, ich bin negativ getestet. Als die Entwarnung dann kam, konnte ich die freie Zeit doch ganz gut genießen. Nur habe ich ein wenig Bedenken, wenn ich in die Zukunft schaue. Bleiben Familie und Freunde weiterhin gesund? Viele arbeiten selbst im Gesundheitssystem oder zählen zur Risikogruppe. Auch mache ich mir Gedanken, wie es vor allem wirtschaftlich weitergehen wird. Ob mein Arbeitsplatz in dieser Zeit sicher ist, ob ich demnächst befreit werde oder in Kurzarbeit gehen muss. Da hat man schon ein wenig Bedenken und Existenzängste.

Was sagen Sie zu Hamsterkäufen?
Das finde ich absolut egoistisch. Niemand benötigt im Notfall für zwei Wochen fünf Packungen Nudeln oder Klopapier. Wer in Quarantäne muss, wird erstmal nur von 14 Tagen ausgehen müssen. Wer positiv getestet wird, natürlich etwas länger. Aber auch das ist kein Grund für ausladende Einkäufe, denn man hat Familie oder Freunde, die einen unterstützen können oder auch liebe Nachbarn. Ich weiß auch von Freunden, die sich in der Nachbarschaft anbieten und Einkäufe übernehmen möchten. Ich denke auch das Gesundheitsamt wird einen unterstützen, wenn wirklich niemand aus dem näheren Umfeld helfen kann. Und selbst wenn man in Quarantäne geht, kann man sich reichhaltig eindecken lassen. Es müssen nicht nur Konserven oder Nudeln sein – und vor allem nicht Unmengen von Klopapier.

Was raten Sie den Menschen für die bevorstehende Zeit?

Je besser wir uns an die Vorgaben der Bundesregierung halten, umso schneller können wir dabei helfen den Virus zu verlangsamen oder bestenfalls zu stoppen. Vor allem schützen wir uns damit selbst, die Kranken und Schwachen sowie die ältere Generation, unsere Familien und Freunde. Bleibt bitte Zuhause, dort kann man die freie Zeit auch mal für Dinge nutzen, die liegengeblieben sind!

Info
Kontakt: Corona-Bürgertelefon des Gesundheitsamts: Mo.-Fr. 9-17 Uhr03591/ 5251 12121
Aktuelle Lage im Kreis: www.landkreis-bautzen.de/corona

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.

Denken braucht Bewegung.

Dresden. Denken braucht Bewegung. Unter diesem Motto begleitet der Hochschulsport des Universitätssportzentrums (USZ) jährlich über 25.000 Studierende, Beschäftigte und Familien innerhalb der TU Dresden mit einem attraktiven Angebot aus über 800 verschiedenen Sportkursen und Veranstaltungen. Egal, ob man richtig schwitzen will oder es lieber ruhiger angehen lassen möchte, die neun hauptamtlichen Mitarbeiter sorgen mit ihren über 500 Kursleiter für eine sportliche Abwechslung zum Uni-Alltag und erhielten erstmalig für ihr Angebot 2012 den Preis für die familienfreundlichste Einrichtung der TU Dresden. Aufgrund der Corona-Krise halten aber die TU Dresden und somit auch das USZ mit seinen Sportstätten die Pforten bis mindestens 4. Mai geschlossen. Auch der Start des Sommersemesters wurde bis dahin verschoben. Um dieser schwierigen Zeit etwas entfliehen zu können und den Mitarbeitern und Studierenden im Homeoffice dennoch ein sportliches Angebot unterbreiten zu können, bietet das USZ gemeinsam mit seinen Kursleitern ab April für vier Wochen kostenfreie Online-Sportkurse mit wöchentlich stattfindenden Live-Kursen sowie Sportprogramme zum Download als „Empfehlungen der Woche“ an. Die Einschreibung beginnt am 2. April, 14 Uhr. http://www.tu-dresden.de/uszDenken braucht Bewegung. Unter diesem Motto begleitet der Hochschulsport des Universitätssportzentrums (USZ) jährlich über 25.000 Studierende, Beschäftigte und Familien innerhalb der TU Dresden mit einem attraktiven Angebot aus über 800 verschiedenen…

weiterlesen