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SachsenWind – Skandal

Stanislaw Tillich war bis Ende 2017 sächsischer Ministerpräsident. Seither ist von ihm wenig zu hören gewesen – allein als erwähnenswert erwies sich: Als einer der Chefs der sogenannten Kohlekommission der Bundesregierung beteiligte sich Tillich daran, das Ende der Braunkohleförderung im Jahr 2038 auszuhandeln. Nun, seit Ende September, hat Tillich einen neuen Job – Aufsichtsratsvorsitzender des Braunkohle-Förderers Mibrag mit Sitz in Zeitz.

Die oppositionellen Reaktionen auf diese Nachricht sind, wie sie stets sind, wenn Politiker auf (zugegeben gut dotierte) Posten in die Wirtschaft wechseln: Mangelndes politisches Gespür! Und überhaupt: Erst habe Tillich »wirksamen Klimaschutz« torpediert, indem er in der Kohlekommission »für die Interessen der Kohlelobby« stritt, nun lasse er sich »den Kompromiss auszahlen«. Skandal!
So simpel stellt sich das den grünen und linken Tillich-Kritikern dar. Kein Gedanke daran, dass der Kohleausstieg nach neuen wirtschaftlichen Strukturen verlangt, kein Gedanke daran, dass für Zehntausende neue Lebensperspektiven her müssen. Und dass das erstens Geld und zweitens vor allem Zeit kostet. Darüber lauthals hinweg zu schimpfen – mit Verlaub, dass ist der eigentliche Skandal an der Sache.

Ihr Hans Eggert

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