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Ob man den wirklich essen kann?

Sachsen. Derzeit herrscht Hochsaison im Wald und bei den Pilzberatern, denn mancher Fund kann Leben kosten.

 Sie sind lecker, kalorienarm und enthalten Mineralstoffe und Vitamine, also sind sie auch noch gesund. Und vor allem: Sie kosten nichts, wachsen quasi vor der Haustür. Was also könnte es in diesen Tagen besseres geben, als mit Korb und Taschenmesser in hiesigen Wäldern auf Pilzsuche zu gehen?

Panther- oder Perlpilz, Amanita pantherina oder Amanita rubescens – das ist hier die Frage. Beide gehören zur Gattung der Knollenblätterpilze, der eine schmeckt köstlich, der andere nur einmal, weil tödlich. Wohl dem, der genau weiß, was er da gesammelt hat.

„Grundsätzlich sollte man nur die Pilze mitnehmen, die man kennt", rät Wolfgang Neubert, geprüfter Pilzsachverständiger seit 1978 und einer der bekanntesten Pilzkenner in Dresden. Wer also weiß, wie Maronen (auch Braunkappen genannt), Steinpilze, Hallimasch, Rotkappen, Birken- und Butterpilze oder Pfifferlinge aussehen, kann in diesen Tagen frohen Mutes zur Ernte in den Wald ausrücken. Bei Wiesenchampignons hebt Wolfgang Neubert schon warnend den Zeigefinger: „Der essbare echte ist so gut wie verschwunden, dafür gibt es jede Menge Giftchampignons", weiß er aus eigener Erfahrung. „In dieser Saison hatten alle Sammler, die bisher bei mir Rat suchten, die giftige Variante im Korb."

Vielfalt

Rund 10.000 Pilze gibt es im Mitteleuropäischen Raum, in Deutschland sind es 5.000 bis 6.000. Als essbar gelten laut Pilzberater Neubert 200 Arten (Deutschland bis 100), als giftig 100, davon zehn mit garantiert tödlicher Wirkung. Dazu gehört zum Beispiel der Grüne Knollenblätterpilz, der gern mit Champignons oder dem Grünen Täubling verwechselt wird. Viel Fachwissen ist auch nötig, um das Stockschwämmchen (essbar) vom Nadelholzhäubling (stehen lassen) unterscheiden zu können. Doch wo nimmt der einmal im Wald in Fahrt gekommene Sammler dieses Wissen her? Wer es je ausprobiert hat weiß, dass ein Pilzbuch nur bedingt hilfreich ist und auch die moderne Variante entsprechender Apps auf dem Smartphone bewahrt nicht vor unfreiwilligem Krankenhausaufenthalt.

Pilzberater

Am besten ist es also, jemanden zu fragen, der sich damit auskennt. Pilzberater zum Beispiel. Neben Wolfgang Neubert gibt es in Dresden noch fünf weitere Experten auf dem Gebiet der Mykologie (Pilzkunde).

Wer bei ihnen Rat sucht, sollte am besten die gesamte Ausbeute aus dem Wald mitbringen, „vorgereinigt und vollständig", wie Wolfgang Neubert betont. Zwischen drei und fünf solcher gut gefüllter Pilzkörbe untersucht der Experte derzeit täglich. Was sich, wie am Beispiel der Wiesen-/Giftchampignon-Funde als durchaus ratsam erweist.

Pilzmuseum

Eine wahre Schatzkammer ist das Pilzmuseum in Reinhardsgrimma, rund 20 Kilometer südlich von Dresden, zwischen Dippoldiswalde, Glashütte und Kreischa. Mit über 3.500 naturgetreuen Pilzmodell-Kunstwerken in 700 Arten, hunderten Pilzpräparaten. tausenden Fotos, Lehranschauungen und einer umfassenden Sonderschau über Heilpilze gehört diese Dauerausstellung zu den besten ihrer Art in Europa. Die detailgetreuen Pilzmodelle baut Reiner Helwig (57), ein gebürtiger Dresdner und seit vielen Jahren Sachverständiger für allgemeine Mykologie, seine Arbeiten zählen zu den besten in Europa. Geöffnet hat das Pilzmuseum von Anfang April bis Ende November jeden Sonn- und Feiertag von 10 bis 17 Uhr, außerhalb der Öffnungszeiten und in den Wintermonaten können Besichtigungen vereinbart werden (035053/48868, 0162/8890648). Betreiber der Museums sind Gerhard und Ulla Falz, zu den Öffnungszeiten klärt Reiner Helwig über Panther- und Perlpilz auf. C. Pönisch

Pilzberater

* Gudrun Herbich 0351/8806585

* Christine und Joachim Kießling, Hermanstädter Straße 55

* Martin Müller 0351/4122045

* Stefan Zinke 0160/3045977

* Kerstin Aretz (Schönborn), 03528/487344

* Wolfgang Neubert 0351/ 2015304

Infos auch hier: www.pilze-in-dresden.de

* Pilzmuseum Reinhardsgrimma (bei Glashütte), Grimmsche Hauptstraße 44, www.pilzmuseum.erbgericht.org

* Giftnotrufzentrale 0361-730730 (Erfurt, für Sachsen, Thüringen, Sachsen-A.

 

 

 

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