as

Neues vom Wolf

Sachsen. Dresdner Heide, Stolpen, Moritzburg – der Wolf ist längst bei uns angekommen. Aktuelle Zahlen sprechen von 22 Rudeln, vier Paaren und einem Einzeltier in Sachsen. Gegenüber der letzten Erhebung ist die Population damit gestiegen. Das führt auch zu Problemen.

Seit wenigen Wochen ist eine neue Stelle für das Wolfsmanagement in Sachsen zuständig – eine kleine, sechs Mitarbeiter starke Abteilung, angesiedelt im Landesamt für Umwelt und Geologie. Die Fachstelle »Wolf« mit Sitz in Nossen legte nun erstmals Zahlen vor, wie es um den Wolf in Sachsen steht.

Aktuell 22 Rudel in Sachsen bestätigt

Demnach ist der Wolfsbestand im Freistaat gegenüber dem Monitoringjahr 2017/2018 um weitere sechs Territorien auf insgesamt 27 gewachsen. Neu hinzugekommen sind die Dresdner Heide, Mulkwitz, Neiße, Neusorge, die Lausnitzer Heide und Elstra. In Summe weißt der aktuelle Bericht 22 Rudel, vier Paare und ein Einzeltier (2017/2018: 18 Rudel / 4 Paare / 1 Einzeltier) aus. »Das Monitoringjahr ist allerdings nicht identisch mit dem Kalenderjahr, sondern entspricht dem biologischen Rhythmus des Wolfs, läuft also vom 1. Mai bis 30. April«, erklärte Vanessa Ludwig von der Fachstelle »Wolf«. Eine absolute Zahl, wie viele Wölfe sich in Sachsen herumtreiben, gibt es nicht.

Schwerpunkt ist die Lausitz

Für die Wolfsexperten ist es ohnehin schon schwer den Überblick zu behalten. Hinweise gibt es nämlich ziemlich viele, konkret 5.384 im Monitoringjahr 2018/2019. Nicht jede Mitteilung entpuppt sich als handfester Beweis. Fotos von Wildkameras (z.B. in der Dresdner Heide), nachgewiesene Risse, Kotablagerungen sind deutliche Indizien. Bei Sichtungen durch Spaziergänger ist man vorsichtiger. Die Einordnung erfolgt deshalb in drei Kategorien (Nachweise, bestätigte und unbestätigte Hinweise). Das hat zur Folge, dass manch Gebiet den Status »unklar« bekommt, wie Moritzburg. Hier wurde zwar Wolfskot gefunden. »Ob die Tiere sesshaft oder nur durchgezogen sind, wissen wir nicht. Dazu müsste man weitere Belege finden, beispielsweise Kot von genetisch verwandten Wölfen in dem Gebiet«, sagte Ilka Reinhardt vom Lupus Institut. Aus den ganzen Daten ergibt sich dann eine Landkarte mit den Wolfsterritorien. »Schwerpunkt bleibt die Lausitz. Vermehrte Ansiedlung gibt es in Nordsachsen«, erklärte Ilka Reinhardt. Ganz anders die Situation westlich der Elbe, vor allem im Gebirge. Warum der Wolf Höhenlagen meidet, können sich Experten bislang nicht erklären. In Sachen Nachwuchs spricht die aktuelle Erhebung von mindestens 85 Welpen.

17 tote Wölfe

Es gibt aber auch Verluste zu beklagen. So wurden im Kalenderjahr 2019 bereits 17 tote Wölfe gefunden. 13 starben bei Unfällen, drei auf natürlichem Wege. Bei einem Tier konnte die Todesursache nicht mehr festgestellt werden, da die Überreste zu stark verwest waren.  Das Nieskyer Rudel (seit 2011 ansässig) ist inzwischen verschwunden, der Rüde ins benachbarte Revier Nochten gewechselt.

Schadensfälle gestiegen

Wo der Wolf auftaucht, dort gibt es aber auch Probleme.  Konnten im Jahr 2018 insgesamt 98 Fälle (338 verletzte / tote Nutztiere) mit dem Wolf in Verbindung gebracht werden, waren es bis Ende Oktober 2019 bereits 110 Fälle (473 Tiere). Besonders Ziegen und Schafe gab es zu beklagen. Matthias Rau, Leiter der Fachstelle »Wolf«, appellierte an die Halter für ausreichend Sicherheit zu sorgen. In 52 Prozent der Fälle sei das nicht der Fall gewesen. Um Entschädigung für gerissene Tiere zu bekommen, muss ein Mindestschutz vorhanden sein.  Schaf- und Ziegenhalter, sowie Betreiber von Wildgattern haben im Freistaat Sachsen die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen, wie z.B. die Anschaffung von Elektrozäunen fördern zu lassen. Dies gilt sowohl für Hobbyhalter als auch für Tierhalter im landwirtschaftlichen Haupt- oder Nebenerwerb. Der Fördersatz liegt bei 100 Prozent. Rund 1.000 dieser Anträge sind dieses Jahr bereits eingegangen.

GPS-Wölfe

Unterdessen wurde auch wieder begonnen, Wolfe zu »besonden«, wie es in der Fachsprache heißt. Zwei Tiere (»Lotta« und »Juli«) bekamen im Juli ein GPS-Halsband und wurden auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz ausgesetzt. Die Fachstelle Wolf erhofft sich daraus Erkenntnisse über das Abwanderungs- und Ausbreitungsverhalten der Tiere.  Ersten Daten zufolge ist der Aktionsradius eines Wolfes bis zu 200 Quadratkilometer groß. »Wir wissen auch, dass der Wolf oft nach dem Prinzip Versuch und Irrtum agiert«, sagte Ilka Reinhardt mit Blick auf das Bewegungsschema. So hatte »Juli« mehrere Anläufe gebraucht, um auf die andere Seite der A15 zu gelangen und schließlich eine Unterführung südöstlich von Cottbus gefunden.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.