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Eggerts SachsenWind – Vom Chor-Singen

Sachsen. Die wöchentliche Kolumne von Hans Eggert

Wissen Sie, was eine »gewohnheitsrechtliche Diskriminierungserlaubnis« ist? Nun ja, vermutlich ist der Kreis derer ziemlich übersichtlich, die damit etwas anzufangen wissen. Eine Berliner Rechtsanwältin zeigt sich deshalb entschlossen, Leuten ohne juristische Seminar-Erfahrung nahe zu bringen, was es bedeutet, wenn gewohnheitsmäßig diskriminiert wird: Sie ist angetreten, für ihre Tochter das Mitsingerecht in Knabenchören einzuklagen – etwa bei den Thomanern oder den Kruzianern.

Beide Chöre, in aller Welt als Botschafter sächsischer Musiktradition gerühmt, sind nach Meinung der Rechtsanwalts-Mutter geradezu Ausbund jahrhundertelanger Diskriminierung, welchselbige heutzutage so keinesfalls hingenommen werden könne: Dass da nur Jungs und junge Männer singen dürfen.
Immerhin: Ein Verwaltungsgericht zeigte zumindest Ansatzweise Verständnis für das Ansinnen der Frau Mama. Worauf die Leipziger Kulturverwaltung deren Tochter zum Vorsingen zuließ. Möglicherweise in der Annahme, das arme Kind werde rein musikalisch vor dem Thomaskantor nicht bestehen – ein Knabenchor-Klang ist schließlich ein besonderer. Was wohl schon ein früherer Thomaskantor so sah. Doch bitte: Johann Sebastian Bach ist seit knapp 270 Jahren tot...

Ihr Hans Eggert

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