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Eggerts Ostwind – Weltpolizist

Sicher hat mancher aufgeatmet, als Donald Trump einen Truppenabzug aus Syrien verkündete und überdies erklärte, die USA seien nicht mehr gewillt, den Weltpolizisten zu spielen. Allerdings: Derzeit ist aus Washington viel zu hören, was besser mehrfach hinterfragt werden sollte. Die Weltpolizisten-Rolle jedenfalls scheint noch nicht abgehakt.

Beispielsweise schrieb Richard Grenell, der US-Botschafter in Deutschland, jüngst an deutsche Firmen Neujahrsgrüße der besonderen Art – eine Warnung. Und zwar eine, die ohne diplomatische Floskeln daherkam: Sollten sich die Briefempfänger weiter am Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 beteiligen, drohe ihnen ein »erhebliches Sanktionsrisiko«. Da staunt der Zeitgenosse: US-Sanktionen wegen einer Gasleitung aus Russland, einem Handelspartner auch der USA?

Des Rätsels Lösung: Der Botschafter sieht für Deutschlands Sicherheit schwarz, sollte das Gas strömen. Weshalb Trump zuvor schon die Europäische Union wissen ließ, er verfüge über viele Instrumente, »die das Projekt ernsthaft ... stoppen könnten«. Da dürfen wir gespannt sein, was er noch im Köcher hat. Eines konnten wir schon lernen: Die Weltpolizisten-Rolle lässt sich offenbar nicht einfach im Archiv des Weißen Hauses ablegen.

Ihr Hans Eggert

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