gb

Eggerts Ostwind – Sommer-Erlebnis

Der Mann, offensichtlich ein Rentner in guten Verhältnissen, hatte mich wohl beobachtet, als ich am Dresdner Neumarkt eine dieser, nun ja, ziemlich kühnen Fassaden-Kombinationen – Beton und dunkles Glas, daneben barocke Nachempfindung – fotografierte. »Nicht toll, was?!«, sagte er mit einem Anflug von Groll.

Ich beschloss, meine Meinung zurückzuhalten, um zu hören, was Dresden-Touristen so alles zu hören bekommen. Über Dresden. Von Dresdnern. Während wir die Frauenkirche umrundeten, hörte ich zunächst, dass »die Dresdner« um die »alte Anmutung« des Neumarktes gekämpft haben, dass sich aber – typisch Osten – immer wieder auch »Westdeutsche« durchgesetzt hätten, wie überhaupt sich ständig Leute »von woanders« in die Angelegenheiten der Stadt einmischen, Leute, die keine Ahnung haben von »unserer Seele«. Und obwohl er »nicht hin« gehe – wundern müsse man sich nicht, dass da montags immer gegen »das Fremde« demonstriert wird.

»Mmmm«, ließ ich mich nun doch vernehmen, »was ist denn das – ‚unsere Seele’?« Die Antwort kam umgehend: »Wissen sie, der Wiener hat den Walzer im Blut, der geborene Dresdner den Barock.« Sagte es und zeigte auf die Kunstakademie. Ein Lipsius-Bau. Nicht eben barock, aber gewaltig.

Ihr Hans Eggert

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.