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Eggerts Ostwind – Queres Querdenken

In den 1990ern, kurz nach der deutschen Wiedervereinigung, konnte es einem schnell passieren, als undankbarer DDR-Betonkopf einsortiert zu werden, wenn man Kritik am Weg ins neue Deutschland äußerte. Dem Schriftsteller Stefan Heym beispielsweise erging das so. Ihm, dem einst von den Nazis vertriebenen Juden, der bis dato als allseits anerkannter Kritiker der realsozialistischen Verhältnisse galt, drehten 1994 Unionsparlamentarier 20 Minuten lang verachtungsvoll den Rücken zu, als er, nun PDS-Abgeordneter und Alterspräsident, den 13. Bundestag eröffnete. Eine peinliche Szene. Klar wurde schon damals: Mit der gepriesenen Debattenkultur ist es hierzulande nicht weit her.

Und das gilt bis heute: Da sieht sich beinahe jeder, der die aktuelle »Flüchtlingspolitik« kritisiert, locker als »Rechter« oder gar als Rassist bezeichnet. Und kritisiert einer diese Kritik, dann wieder gilt er als mindestens törichter »Gutmensch«, wenn nicht als »Volksverräter«. Überprüfung von Argumenten auf Stichhaltigkeit? Fehlanzeige.

Quer zu denken – das gilt zwar seit den alten Griechen als Tugend derer, die nach Wahrheit suchen. Aber derzeit ist wohl eher zustimmendes Nicken gefragt. Und wehe, es kommt uns wirklich mal ein Querdenker in die Quere.

Ihr Hans Eggert

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