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Eggerts Ostwind – Lahme Ente

Zunächst startete Horst Seehofer als brüllender Löwe in eine von ihm angezettelte Auseinandersetzung mit der Bundeskanzlerin um die Flüchtlingspolitik. Er drohte mit Scheidung und mit seinem Rücktritt – und erreichte schließlich einen Kompromiss. Was es ihm nach seiner Meinung ermöglichte, doch im Amt zu bleiben. Doch der Kompromiss erwies sich beim näheren Hinsehen eher als Watteberg, um die Seehofer-Landung als Bettvorleger abzufedern.

Seither wird der Mann vom Koalitionspartner SPD, auch von den eigenen Leuten und vor allem von Verhandlungsgegnern in anderen europäischen Hauptstädten nicht mehr ernst genommen. In Wien etwa. Dort sollte Seehofer im Auftrag der Kanzlerin den deutschen Wunsch durchsetzen, Österreich möge Flüchtlinge zurücknehmen, die anderswo bereits registriert sind. Das Ergebnis: Die Wiener Herren ließen Seehofer abtreten und ihn obendrein erklären, vollstes Verständnis für ihre Haltung zu haben.

»Lame Duck«, deutsch »lahme Ente« – so wurde ursprünglich ein US-Präsident bezeichnet, dessen Nachfolger bereits feststeht: Er verwaltet nur noch. Mittlerweile hat sich dieser Begriff für verlorene Durchsetzungskraft auch außerhalb der USA verbreitet. Jüngstes Beispiel: eben der deutsche Innenminister.

Ihr Hans Eggert

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Eggerts Ostwind- Im Gespräch

Sachsen. Staatsbesuche in Berlin, vielleicht mit Ausnahme des US- oder des russi­schen Präsidenten, finden gemeinhin wenig Be­achtung in der deutschen Öf­fentlichkeit. Es gibt die Bilder vom Abschrei­ten der Ehren­kompanie, vom Händeschütteln, dazu eine kurze Inhaltsangabe über das, was mit dem Gast zu besprechen war, wobei das Publikum ge­witzt genug ist, anzuneh­men, nicht nur darüber sei geredet worden. Der Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Erdogan wirbelte da schon mehr Staub auf. Nicht nur, dass es diverse Proteste dagegen gab, ein Erdogan-kritischer Journalist aus einer Pres­sekonferenz mit der Bun­deskanzlerin abgeführt wurde, dass Erdogan-Begleiter bei anderer Gelegenheit Journalisten nach ihren Fragen fragten – auch das Staatsbankett geriet leicht aus dem Ruder, weil es Erdogan gefiel, seine Gastgeber zu verdächtigen, Heerscharen von Terroristen zu beherbergen. Na gut, we­nigstens hat der Mann die Bundesrepublik nicht wieder als Naziland beschimpft, wird mancher sagen. Doch das ist noch keine Antwort auf die Fra­ge, warum Erdogan über­haupt mit allem Staats­pomp empfangen wurde. Dass es wichtig sei, im Gespräch zu bleiben? Das wussten wir schon. Nicht wussten wir allerdings: Es gab deutschen Sauerbra­ten beim Gespräch.Staatsbesuche in Berlin, vielleicht mit Ausnahme des US- oder des russi­schen Präsidenten, finden gemeinhin wenig Be­achtung in der deutschen Öf­fentlichkeit. Es gibt die Bilder vom Abschrei­ten der Ehren­kompanie, vom Händeschütteln, dazu eine kurze…

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