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Eggerts Ostwind – Lahme Ente

Zunächst startete Horst Seehofer als brüllender Löwe in eine von ihm angezettelte Auseinandersetzung mit der Bundeskanzlerin um die Flüchtlingspolitik. Er drohte mit Scheidung und mit seinem Rücktritt – und erreichte schließlich einen Kompromiss. Was es ihm nach seiner Meinung ermöglichte, doch im Amt zu bleiben. Doch der Kompromiss erwies sich beim näheren Hinsehen eher als Watteberg, um die Seehofer-Landung als Bettvorleger abzufedern.

Seither wird der Mann vom Koalitionspartner SPD, auch von den eigenen Leuten und vor allem von Verhandlungsgegnern in anderen europäischen Hauptstädten nicht mehr ernst genommen. In Wien etwa. Dort sollte Seehofer im Auftrag der Kanzlerin den deutschen Wunsch durchsetzen, Österreich möge Flüchtlinge zurücknehmen, die anderswo bereits registriert sind. Das Ergebnis: Die Wiener Herren ließen Seehofer abtreten und ihn obendrein erklären, vollstes Verständnis für ihre Haltung zu haben.

»Lame Duck«, deutsch »lahme Ente« – so wurde ursprünglich ein US-Präsident bezeichnet, dessen Nachfolger bereits feststeht: Er verwaltet nur noch. Mittlerweile hat sich dieser Begriff für verlorene Durchsetzungskraft auch außerhalb der USA verbreitet. Jüngstes Beispiel: eben der deutsche Innenminister.

Ihr Hans Eggert

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