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Eggerts Ostwind – Goldenes Kalb

Die Autobahn von R. nach B. befahre ich häufig. Weshalb meine Beobachtungen einen gewissen Gültigkeitswert erreicht haben: Die erste Hälfte der Strecke, 120 Kilometer, bietet nur zwei und obendrein kurze Tempobegrenzungen. Die zwei Fahrstreifen je Richtung sind zu jeder Tageszeit und an allen Wochentagen mäßig befahren, die Überholstreifen weitgehend frei – doch nur selten nutzt die ein Tempoliebhaber zum Tiefflug. Entspanntes Fahren bei Tempo 130 bis 150 also. Kaum weniger, selten mehr.

Die zweite Hälfte bietet nach einer Autobahneinmündung dichten Verkehr. Regelmäßig wird in Kolonne gefahren, die erlaubten »130« werden so gut wie nie erreicht, dafür aber geht’s nicht selten nur im Schritt-Tempo vorwärts. Die 130-Schilder jedenfalls braucht keiner. Doch sie stehen möglicherweise schon für die Zeit, da »130« generell gilt.

Das Hin und Her, das Dafür und Dagegen wogt derzeit wieder heftig, wobei die 130-Freunde unter anderem ins Feld führen, der Verkehr würde flüssiger. Das kann ich, siehe oben, so nicht bestätigen. Denn sicher ist: Ob 130 oder 200 – an der Zahl der Autos ändert das nichts. Wie überhaupt die Debatte auf den Beobachter eher wie ein alter, gut eingeübter Tanz wirkt – ums goldene Kalb der Deutschen.

Ihr Hans Eggert

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