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Eggerts Ostwind – Bestechend

Die größte deutsche Bank galt lange als Inbegriff deutscher Wirtschaftsleistung und als Leitstand der sogenannten Deutschland AG: kraftvoll, solide, sicher. Während andere Banken in der Weltfinanzkrise schwankten und/oder mit Steuergeldern gerettet werden mussten, teilte der damalige Chef dieser Bank mit großer Geste mit, keine Hilfe zu brauchen. Die Bundeskanzlerin war begeistert und spendierte dem Mann ein Essen.

Das ist ein Jahrzehnt her. Heute dürfte Angela Merkel ihren Koch zu solchem Zweck nicht mehr an den Herd stellen – die Bank kämpft mit den Folgen jahrelanger Misswirtschaft. Und meldete folglich zum dritten Mal in Folge einen satten Jahresverlust. Was ihre Aktionäre kaum glücklich gemacht haben wird. Richtig in Rage aber dürften die geraten sein, als die Bankoberen in schönster Managerlyrik nicht nur den Verlust erklärten, sondern auch noch verkündeten, eine Milliarde Euro für Boni auszugeben. Empfänger dieser angemessen bescheidenen Jahresend-Prämie: die angeblich besten Köpfe der Bank. Die, so die Begründung, könnten sonst zur Konkurrenz abwandern. Ein in mehrfacher Hinsicht bestechendes Argument.

Wobei: Wie hoch wäre eigentlich der Verlust, wenn diese tollen Köpfe tatsächlich abwandern würden?

Ihr Hans Eggert

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