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Von der Baustelle zum Kunsttreff

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Bildhauer Joachim Zehme kümmert sich um die Reparatur des beschädigten Marktbrunnens in Lommatzsch. Ein schlichtes und normales Baugerüst kam für den Künstler dabei nicht in Frage.

Bildhauer Joachim Zehme kümmert sich um die Reparatur des beschädigten Marktbrunnens in Lommatzsch. Ein schlichtes und normales Baugerüst kam für den Künstler dabei nicht in Frage.

Foto: Farrar

Lommatzsch. Die Sanierung des zerstörten Marktbrunnens in Lommatzsch zieht mit einer besonders kreativen Baustellenabsperrung die Neugier der Passanten auf sich - und das zu recht.

Zu einem echten, spontanen Bürgertreff hat sich in den vergangenen Tagen die Brunnenbaustelle auf dem Markt in Lommatzsch entwickelt. Dort muss der Brunnen repariert und saniert werden. Bildhauer und Steinkünstler Joachim Zehme hat mit einer eher auffälligen und durchaus kunstvollen Baustelleneinrichtung die Neugier bei den Bürgern und Passanten geweckt und kommt regelmäßig am selbst ernannten »Speakers Corner« mit ihnen ins Gespräch. »Ich sehe die Baustelle auch als Ort des analogen Austausches und hoffe auf viele Fragen den Lommatzscher«, erklärt der Bildhauer. Auch findet er, dass aktuell viele Leute sehr froh über den direkten und ungezwungenen Austausch über »Gott und die Welt« seien, schließlich gebe es täglich in den Nachrichten Themen, die hilflose Angst hinterlassen. So hat sich ganz spontan ein offener Ort für allerlei Gespräche entwickelt und auch der Brunnenschaden ist dabei immer wieder ein Thema.

Im Prinzip ist das ungewöhnliche Kunstobjekt aus der Not entstanden. Nach einem Böller-Attentat in der Silvesternacht auf den Marktbrunnen wurde dieser schwer beschädigt. Ganze Sandsteinelemente wurden abgesprengt und der Brunnen muss sich jetzt zusätzlich einer aufwändigen Entsalzung unterziehen, weil

Chemikalien der aggressiven und nicht zugelassenen Böller - vermutlich aus dem osteuropäischen Ausland - in den Sandstein eingedrungen sind. Dafür musste das Sandsteinkunstwerk eingepackt werden, weil es wettergeschützt sein muss, und bekommt regelmäßig Kompressen.

 

Bunte Schulkunst für den Ort der Zerstörung

Ein schlichtes Baugerüst kam dafür nicht in Frage, bunte Schulkunst sollte den Ort der einstigen Zerstörung jetzt quasi aufhellen. Die Idee kam dem lokalen Künstler bei der Arbeit mit den Jugendlichen der Jugendbauhütte Naundorf, die er leitet. »Die Jugendlichen sind sehr kreativ und lernen in dem Handwerksprojekt den Umgang mit Baustoffen und Fertigkeiten in der Holzbearbeitung, der Arbeit mit Farbe oder Steinen«, fügt er an. Sie fertigten vier schmale bunt gestaltete Häuschen, die jetzt gemeinsam eine Art schützenden Pavillon um den eingewickelten Brunnen bilden. Das Material dafür wurde gespendet.

 

Einen wichtigen Teil zur Wiederherstellung des Brunnens hat die Versicherung übernommen, dennoch werden Spenden benötigt. So wird es am 26. August und am 29. Oktober zwei musikalische Benefizveranstaltungen für den Wiederaufbau des Marktbrunnens in der Kirche und im Schützenhaus geben (siehe HIER). Auch soll der Brunnen künftig zum Jahreswechsel eingehaust werden, so vor Witterungseinflüssen, aber auch vor Böllerbeschuss geschützter zu stehen.

 

Übrigens, die nötigen Sandsteinnachbildungen der abgesprengten Teile, die nicht wiederverwendet werden können, werden von der Firma Witschel in Großenhain hergestellt. Künstler und Brunnenerschaffer Joachim Zehme wird die künstlerischen Arbeiten übernehmen und weiter für alle tiefgründigen und spontanen Fragen, die die Lommatzscher bewegen, gern zur Verfügung stehen. Auch Ideen für künftige Projekte sind willkommen.