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Gefahr in Verzug: Was muss noch passieren?

Nur noch Taten zählen - Gemeinsame Begehung zur Verkehrssituation in der Meißner Plossenkurve findet leider ohne Wirtschaftsminister Dulig statt.
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Es dauert nicht lange, bis man in der Haarnadelkurve auf dem Plossenberg weit auf die Gegenfahrbahn ausschwenkende LKW sieht, deren Reifen besonders bei schlechter Witterung auf dem Kopfsteinpflaster rutschen. Man hört quasi die Ursache für die gefährlich zerfahrene Böschung der Innenkurve bevor man sie sieht. Diese Szene bot sich auch Bundestagsabgeordneten Dr. André Hahn, Landtagsabgeordneten Sebastian Scheel sowie Stadt- und Kreisrat Andreas Graff (alle Linkspartei), die beiden Letztgenannten hatten nach zahlreichen Unmutsbekundungen der Anwohner gemeinsam zur Begehung des Plossens eingeladen. Wirtschaftsminister Dulig erschien nicht, dass der Termin von offizieller Seite dennoch erstgenommen wurde, zeigte das Erscheinen von Meißens zweiten Bürgermeister Markus Renner, dem Niederlassungsleiter Meißen des Landesamts für Straßenbau und Verkehr Holger Wohsmann, Tilo Hellmann vom Ortsverband der Linkspartei sowie Manfred Puhlmann, Büroleiter der Meißner SPD-Bundestagsabgeordneten Susann Rüthrich. Die schwierige Verkehrssituation auf dem Plossen ist bekannt: Die gegenwärtige Ausbaubreite der Haarnadelkurve erlaubt es nicht, dass zwei Langfahrzeuge gleichzeitig die Kurve durchfahren. Dadurch kommt es zu Behinderungen und Verkehrsstaus, die sowohl die Autofahrer als auch die Anwohner als große Belastung und Sicherheitsrisiko empfinden. „Ein kleiner Erfolg ist ja schon das kürzlich verhängte Fahrverbot für Gefahrguttransporte in beide Richtungen oder das Aufstellen der großen Hinweistafel“, bemerkt Stadtrat Graff. Wieviele Petitionen, Strafanzeigen, Eingaben, Kleine Anfragen im Landtag oder Offene Briefe an die Stadtverwaltung dafür nötig waren, zeigt Graffs 45-seitiges Dossier zum Thema „Verkehrssicherheit im Bereich Plossen S 177“. Die Lösung der komplizierten Angelegenheit kann man sich vielleicht wie ein auf Dominosteinen liegendes Mikado vorstellen: Man zieht ein Stäbchen vorteilhaft heraus, bewegt damit aber alle anderen nachteilig und ist kurz davor, einen Dominoeffekt auszulösen, der die gemeinsame Basis zerstört. Die Folge ist zwangsläufig, dass zunächst kaum etwas geschieht und die tatsächlich komplizierten Zuständigkeiten zwischen Stadt und Land hin- und hergeschoben werden. Dabei ist nach Aussage des für die Staatsstraße verantwortlichen Landesamtes die Sache klar: „Der erforderliche Ausbau der Plossenkurve stellt keine besondere bautechnische Herausforderung dar, sobald das Baurecht vorliegt, kann es losgehen“, so Holger Wohsmann. Viel schwieriger sei die Frage der möglichen Umgehungsrouten während der Bauzeit zu beantworten, da sich gelegentliche Vollsperrungen nicht vermeiden lassen. Am zweckmäßigsten wäre es, den Siebeneichener Schoßberg als Umgehung auszubauen, nur führt diese Straße durch ein Naturschutzgebiet. „Oft sind es gerade die Gerichtsentscheidungen, die unseren Handlungsspielraum einschränken“, fügt Wohsmann an. Die oft als Schleichwege genutzten Straßen Goldgrund und Lerchaweg im Einbahnbetrieb als Umgehung auszuweisen, stößt bei den Anwohnern auf Widerstand. Die Straßen sind sehr schmal, schon jetzt verhedderten sich irregeleitete LKW darin und obendrein führt der Schulweg so machen Kindes genau entlang dieser Route. Zusätzlich besteht noch das Problem, dass auch Rettungsfahrzeuge auf diese Wege angewiesen sind und im Falle eines Staus für diese kein Durchkommen möglich wäre. Der Plossenweg bietet sich ebenfalls nicht als Alternative, da an dessen Ende die Bahnschranke ob der zwischen Meißen und Dresden im Viertelstundentakt verkehrenden S-Bahn oft geschlossen ist. Der von den meisten vor Ort Anwesenden gewünschten Tonnagebeschränkung für den Schwerlastverkehr ist die Stadtverwaltung bisher ausgewichen, da der Plossen keine Unfallhäufungsstelle sei. Das Landesamt kann die Beschränkung nur aussprechen, wenn die Stand- oder Verkehrssicherheit nicht gewährleistet wäre, was auch nicht der Fall sei. Darüber, dass die Verkehrssituation am Plossen für alle Beteiligten unbefriedigend ist, waren sich die Anwesenden einig. Die im Raum schwebende Frage, ob erst etwas Schlimmes passieren müsse, damit sich etwas tut, sprach Stadtrat Graff offen aus. „An dieser Stelle erwarte ich mehr parteiübergreifendes Problemlösungsbewußtsein. Da haben wir alle noch Reserven, wir kämpfen noch zu oft gegen Windmühlen, wofür kein Bürger – nachvollziehbarer Weise – Verständnis hat.“ Das zwischen den Interessen der Betroffenen und dem zuständigen Landesamt eigentlich Konsens besteht, war ein überraschendes Ergebnis des Gedankenaustauschs am Plossen. Darauf lässt sich aufbauen... Michael Eckardt


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