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Autobahndreieck Nossen: Solarstrom hilft beim Lärmproblem

Seit 15 Jahren kämpfen die Anwohner im Autobahndreieck Nossen um einen vernünftigen Lärmschutz. Ein Radebeuler hat nun die Lösung für das Problem, zumindest entlang der A 14.
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Eine Lärmschutzwand und gleichzeitig günstigen Solarstrom für die Anlieger – das klingt zu schön, um wahr zu sein. Genau das aber hat Dr. Edelbert Schwarze vom Dresdner Unternehmen Cygnus Energies in Deutschenbora vor. Die Firma ist seit einiger Zeit im Bereich der regenerativen Energien unterwegs, rüstet beispielsweise Kommunen auf grünen Strom um und hat auch mit Solarpaneelen bestückte Schallschutzwände im Portfolio. „Dabei handelt es sich um eine relativ preiswerte Stahlbaukonstruktion, auf der eine Sandwichpaneele sitzt. Diese wird wiederum mit Solarmodulen bestückt“, erklärte Dr. Schwarze kürzlich vor interessierten Anwohnern. Die Anlage soll direkt neben der Autobahn auf einer Länge von 700 Meter errichtet werden. Ihre Höhe beträgt acht bis neun Meter. „Die Solarpaneelen werden dabei zur Sonne ausgerichtet, was im konkreten Fall bedeutet, dass sie in Richtung der Wohnsiedlung zeigen“, so Dr. Schwarze weiter. Die Kosten für die 1,5 Megawatt starke Solarwand belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Euro. Die hiesige Bürgerinitiative (Bi) geht davon aus, dass der tatsächliche Lärmpegel dadurch um drei bis fünf Dezibel reduziert werden kann. Mancher Anwohner hatte allerdings mit wesentlich mehr gerechnet. 10 oder gar 15 Dezibel seien unrealistisch. Selbst eine herkömmliche Schallschutzwand bringe nur etwa fünf Dezibel, sagte Christian Wirth von der Bi. Für ihn ist das Projekt die einzige und auch die letzte Chance, das Lärmproblem, das die Menschen im Ort seit über 15 Jahren umtreibt, aus der Welt zu schaffen. Der Stadt Nossen fehlt bekanntermaßen das Geld für ein Vorhaben in dieser Größenordnung.
Ein mögliches Finanzierungskonstrukt könnte so aussehen: Kleinanleger kaufen die Solaranlage. Diese wird anschließend von einer Genossenschaft zurückgepachtet. Sie ist dann für den Vertrieb des Ökostroms zuständig. „Für die Anleger springt eine Rendite von bis zu acht Prozent raus“, so Schwarze weiter. Haushalte, die sich im Umkreis von acht Kilometern befinden, könnten den Strom von der Autobahn dann für 21,5 Cent pro Kilowattstunde kaufen. Unternehmen in dem Radius zahlten sogar nur 15 Cent, müssten aber an den entsprechenden Verteiler per Stromleitung angeschlossen werden. Für sonnenarme Tage bzw. nächtliche Stunden würde fehlender Strom an der Strombörse hinzugekauft. Die Stadt Nossen ließ bereits mitteilen, dass sie das Vorhaben nach ihren Möglichkeiten unterstützen will. Derzeit befinde man sich in Verhandlung um die entsprechenden Grundstücke (Pacht/Erwerb). Danach müsste ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Zügigkeit ist bei dem Vorhaben geboten, denn die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind derzeit offenbar ideal. „Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass dieses Zeitfenster meist nur drei bis fünf Jahre hält“, sagte Schwarze. Bisher müssten Anlagen dieser Art in Autobahnnähe (noch) nicht öffentlich ausgeschrieben werden. Im Idealfall könnte der Strom Ende 2016 fließen. Die reine Bauzeit betrage nur etwa zwei Monate.  Rechterhand von der A14 könnte die Anlage künftig stehen. Foto: Archiv