Goldene Hausnummer

Der WochenKurier vergibt die Goldene Hausnummer!

Gibt es noch Hausgemeinschaften wie früher? Ja, es gibt sie! Im Juli 2017 startete der WochenKurier die Aktion "Goldene Hausnummer". Die Leser, insbesondere die Bewohner von Mehrfamilienhäusern waren aufgerufen, vom nachbarschaftlichen Miteinander zu berichten. Unzählige Bewerbungen gingen daraufhin in der Redaktion ein. Wo sich geholfen und zusammen gefeiert wird, kann man hier sehen.

Großschönau: Im Bachbett gegründet

GH - Sachsen. Aus Großschönau erreichte uns eine Bewerbung, die eigentlich nicht ganz den Anforderungen entsprich, wie Ralf Gruner selbst in seiner Bewerbungsmail schrieb: „Wir sind hier in Großschönau eine Gemeinschaft, die nicht in einem Haus wohnt - ich hoffe, dass wir dennoch eine Chance haben. Schon seit langem trifft sich eine Gruppe aus der Nachbarschaft regelmäßig, etwa am Feuer oder zum Grillen oder im Winter in einer Schneebude. Ein größeres Ereignis war 2003 der Bau der Lausurmauer an einem Grundstück, bei dem viele Leute mitgeholfen haben. (So ein Mauerbau in der Art, wie ihn die Gemeinden machen, ist ja privat kaum zu finanzieren, und so haben nach und nach alle mitgeholfen.). Irgendwann hat es dabei sogar eine Feier im Bachbett (!) gegeben, weil das Wetter passte und die Lausur nur aus einem Rinnsal bestand. Das war in gewissem Maße die Initialzündung und seitdem hat sich die Nachbarschaftshilfe fest etabliert. Wir haben allerdings auch Leute mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten, die fast alles abdecken, was man so braucht, und das ergänzt sich prima. Darunter ist Feinmechanik (und Restauration historischer Musikboxen), alles, was man am Bauhof der Gemeinde so macht, Hausarbeit, Feuerwehr, Musterdesign und Grafik, Tischlereiarbeiten, organisatorische und rhetorische Fähigkeiten (wie man sie als Personalchef entwickelt), Gartenarbeit, Betreuung Schwererziehbarer, Computertechnik/Elektronik und Bestattungswesen. Vor reichlich zehn Jahren sind wir das erste Mal auf die Idee gekommen, ein Straßenfest zu veranstalten. Da die damaligen Initiatoren alle An der Sense wohnen und es auch dort stattfindet, bekam dieses Straßenfest den Namen Sensenfest. Dieses Sensenfest hat es inzwischen zehn Mal gegeben, zum Jubiläum hatten wir sogar die tschechische Country-Band Malvas engagiert. Und es kommen nahezu alle Anwohner aus der Nähe, so dass wir manchmal sogar zwei  Zelte brauchen. Dieses Fest beginnt nachmittags mit Kaffetrinken und mitgebrachtem Kuchen, setzt sich - je nach Alter der anwesenden Kinder - mit diversen Spielen wie etwa Bootsrennen fort, und endet spät abends, nachdem es noch einen Lampionumzug durchs Dorf gegeben hat. Besondere Höhepunkte in der Nachbarschaft sind naturgemäß die runden Geburtstage. Besonders originell war dabei wohl der leicht makabre Monatskalender, den wir dem Bestatter (professionell gedruckt und mit Spiralbindung) geschenkt haben, oder die Wegweiser, die jetzt gelegentlich vorbeikommende Urlauber irritieren (denn man versteht sie nur mit dem passenden Insiderwissen). Ich persönlich habe von der Nachbarschaftshilfe auch schon profitiert - da ich letztes Jahr längere Zeit ins Krankenhaus musste, ist der für damals geplante Zaunanstrich durch eine Zaunstreichparty erledigt worden. Für den 26. August ist unser nächstes Sensenfest geplant, und als die Nachbarin jetzt mit Ihrem Artikel kam und gesagt hat ‚Schreib mal was, du hast doch Zeit, konnte ich mich natürlich nicht weigern. Abschließend möchte ich noch über das Schicksal der Brücke, die früher mal Teil des Gässchens von der Sense zur Hauptstraße war, berichten. Die Brücke ist beim Hochwasser 2010 leicht beschädigt worden - das Geländer war ziemlich verbogen. Unsere Appelle an die Gemeindeverwaltung, das reparieren zu lassen, sind leider erfolglos geblieben, und die Brücke hat das Schicksal einiger anderer kleiner Brücken im Ort erlitten und ist abgerissen worden. Das hatte zwei Folgen: Beim Sensenfest nach dem Abriss hatten wir gleich die passende Nachmittagsbeschäftigung mit einer historischen Konstruktion von Leonardo da Vinci (wobei später auch die Kids ihre technischen Fähigkeiten demonstrieren konnten). Und der verbliebene Rest der kleinen Gasse von der Sense bis zur ehemaligen Brücke hat von uns den Namen des Bürgermeisters erhalten, und irgendwer hat diesen Namen bei OpenStreetMap eingetragen, von wo er auch den Weg in kommerzielle Navigationssysteme gefunden hat, so dass man sich jetzt von seinem Navi auch zu Peukers Sackgasse führen lassen kann.“Aus Großschönau erreichte uns eine Bewerbung, die eigentlich nicht ganz den Anforderungen entsprich, wie Ralf Gruner selbst in seiner Bewerbungsmail schrieb: „Wir sind hier in Großschönau eine Gemeinschaft, die nicht in einem Haus wohnt - ich hoffe,…

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Görlitz: "Wer Hilfe braucht fragt einfach"

GH - Sachsen. „Wir wohnen zu zehnt in einem Mietshaus der WGG und ja, es gibt sie noch, die Hausgemeinschaft, die sich gut versteht“ heißt in der Bewerbung von Yvonne Baier, die die Hausgemeinschaft auf der Schlesischen Straße 59 in Görlitz für die Goldene Hausnummer vorschlägt. „In unserem Haus kann man sich noch Mehl oder Eier beim Nachbarn holen, das habe ich auch schon gemacht. Man hat vielleicht nicht gleich Glück an der Tür gegenüber, dann aber ein Stockwerk weiter unten oder oben.“ Ein Nachbar habe bei ihr einmal nach einer Zitronenpresse gefragt, mit sie aber nicht aushelfen konnte. Aber kein Problem: Einfach an der nächsten Tür geklingelt und schon war eine Zitronenpresse zur Hand. Der kurze Schwatz vor oder im Haus sei immer möglich, schreibt Yvonne Baier und im Keller werde auch mal zusammen ein Bierchen getrunken. „Wer Hilfe braucht fragt einfach, ob beim Sperrmüll runter tragen oder beim Aufbau neuer Möbel. Selbst einen gut gespielten Weihnachtsmann bekommt man hier. Im Winter ist es ganz selbstverständlich, wer als letztes kommt, der schnappt sich den Besen hinter der Eingangstür und befreit die Treppe vom Schnee.Unser Beet vorm Haus ist auch neu angelegt und wird immer gepflegt. Bevor sich auf die Firma verlassen wird, zupfe ich lieber das Unkraut. Die untere Etage gießt an heißen Tagen vom Balkon aus auch schon mal die Blumen.“ Und auch vierbeinige Mitbewohner sind kein Problem, im Gegenteil: „Vor kurzem ist die letzte freie Wohnung bezogen worden. Eine Familie mit Hund, das freut die Kinder im Haus, da sie knuddeln können.“ Durch die gute Nachbarschaft fühlt man sich auch sicher, wenn man mal den Schlüssel außen im Schloss vergisst. Man kann sagen, bei uns im Haus kommt nichts weg. Wenn mal wieder Straßenreinigung ist, wird geklingelt, da man ja weiß, wessen Auto noch steht. Die Schuhschränke im Haus werden zu Ostern und Weihnachten immer sehr schön dekoriert. Auch vor dem Haus werden die Sträucher zu Ostern geschmückt, egal wie das Wetter auch ist.“ Und auf der Schlesischen Straße hätte die Goldene Hausnummer nicht nur einen ideellen Wert: „Wir haben die einzige Haustür, die nur eine mini Nummer hat. Wir würden uns sehr freuen, eine richtige Hausnummer zu bekommen.“„Wir wohnen zu zehnt in einem Mietshaus der WGG und ja, es gibt sie noch, die Hausgemeinschaft, die sich gut versteht“ heißt in der Bewerbung von Yvonne Baier, die die Hausgemeinschaft auf der Schlesischen Straße 59 in Görlitz für die Goldene…

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Weißwasser: Haus bucht Ostsee

GH - Sachsen. Aus Weißwasser erreichte uns eine Bewerbung von Jana Heilscher, die die Bewohner des Hauses auf der Straße der Einheit 23 für die Goldene Hausnummer vorschlägt. Darin heißt es: „Liebes Team vom Wochenkurier, am Wochenende habe ich euren Artikel zur Goldenen Hausnummer gelesen und sofort gedacht, das wäre was für unsere Hausgemeinschaft. Aber da werden sich so viele bewerben, sicher keine Chance. Nachdem nun aber Bekannte und Arbeitskollegen mir zugeredet haben und gesagt haben ‚so eine tolle Hausgemeinschaft wie ihr es seit, ist in der heutigen Zeit ganz selten, bewerbt euch“, werde ich nun doch heimlich eine Bewerbung losschicken. Eine goldene Hausnummer hat nicht jeder und eine gesponserte Hausparty wäre ja schließlich auch was Tolles. Wir wohnen in Weißwasser, in der Straße der Einheit 23. Unsere Hausgemeinschaft gibt es seit 2006. Bis dahin stand das Mehrfamilienhaus sehr lange leer und wurde dann saniert. Wir, das sind Kinder und Erwachsene von inzwischen 5 bis 50 Jahren. Auch Familien, die inzwischen verzogen sind, kommen immer wieder gerne zu uns auf den Hof und zu unseren Events.Viele von uns sind Kinder der DDR und kennen noch selbst solche Hausgemeinschaften, wie ihr sie in eurem Artikel beschreibt. Gemeinschaftsgeist wird bei uns auch heute noch ganz groß geschrieben. Das fängt beim Aushelfen von Lebensmitteln an, geht mit Hilfe beim Reparieren und Renovieren weiter und auch wenn einer mal länger arbeiten muss, werden schnell die Kinder in der Kita oder beim Training abgeholt und betreut.Seit Jahren wird von uns auch fleißig Altpapier gesammelt. Damit wurde der Hof verschönert, Spielgeräte für die Kinder angeschafft oder z. B. eine gemeinsame Eiszeit im Eisstadion gemietet. Gemeinsame Ausflüge finden auch immer wieder statt. So waren wir schon ein verlängertes Wochenende an der Ostsee oder im Elbsandsteingebirge. Der letzte Ausflug z. B. Anfang Juli ging mit ca. 25 Personen in den Berliner Tierpark, natürlich alles mit unseren Haus-T-Shirt ‚Einheit 23, E23‘. Jedes Jahr findet eine Bootstour auf der Neiße statt. Hier gönnen sich die Eltern mal einen Spaß ohne Kinder. Dafür sind auch hier viele ‚Ehemalige‘ dabei. Feiern können wir natürlich auch. Ob Geburtstage, Hexenbrennen, Halloween, Silvester etc., einen Grund findet man immer. Für runde Geburtstage oder Hochzeiten haben wir auch schon heimlich (was nicht einfach war) über Monate Tanzchoreographien einstudiert und die Betroffenen zu Tränen gerührt. Im vergangenen Jahr wurde auch unser ‚Zehnjähriges‘ groß gefeiert. Wir hatten tolle Staffelspiele vorbereitet und Fotos aus den letzten Jahren angeschaut. Ich würde schon sagen, unsere Hausgemeinschaft hat es ganz doll verdient die goldene Hausnummer zu bekommen und es wäre für uns eine tolle Bestätigung, wenn ihr uns dafür auswählen würdet.“ Aus Weißwasser erreichte uns eine Bewerbung von Jana Heilscher, die die Bewohner des Hauses auf der Straße der Einheit 23 für die Goldene Hausnummer vorschlägt. Darin heißt es: „Liebes Team vom Wochenkurier, am Wochenende habe ich euren Artikel zur…

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Görlitz: Schon zu DDR-Zeiten vorbildlich

GH - Sachsen. Für die Dresdener Straße 28 in Görlitz hat Wolfgang Stiller eine ausführliche Bewerbung an uns geschickt. In der sind unter anderem Urkunden zu sehen, die die Auszeichnung zur „Vorbildlichen Hausgemeinschaft“ in den Jahren 1984, 1986 und 1988 zeigen. Nach der Wende zogen zunächst einige Mieter aus und neue Mieter ein, der Gemeinschaft tat das aber keinen Abbruch. „Durch die Kontaktfreudigkeit der älteren Mieter gelang es schnell, Vertrauen untereinander aufzubauen. Beginnend mit einem Schwätzchen im Treppenhaus entwickelte sich so nach und nach eine Gemeinschaft“, schreib Wolfgang Stiller. „Vor circa zehn Jahren zog in unser Grundstück eine Familie aus den alten Bundesländern ein. Da es meiner Frau zu dieser Zeit nicht gut ging und sie später zum Pflegefall wurde, hat meine Nachbarin due Hausordnung übernommen. Da meine Frau 2012 verstorben ist, bot mir die Frau an, die Hausordnung für mich weiter durchzuführen. So ist es noch heute. Ihr Ehegatte verlegte in meiner Wohnung neuen Laminat-Fußbodenbelag, ein anderer Mieter renovierte mir ein Zimmer. Im Bedarfsfall werden von den Mietern auch Fahrten übernommen, zum Beispiel zu Familienfeiern oder zum Flugplatz bei Urlaubsaufenthalten.“ Besonders beliebt seien die Grillabende im Hof, zu Geburtstagen wird gratuliert, bei runden Geburtstagen gibt es auch mal ein Geschenk, schreibt Wolfgang Stiller weiter. Natürlich könne man sich auch mal Mehl, Zucker oder Salz leihen. Enrico Herzog, der ebenfalls im Haus an der Dresdener Straße wohnt, ergänzt: „Wir gehen nicht einfach stumpf aneinander vorbei.“ Man rede miteinander und helfe sich untereinander. Für die Dresdener Straße 28 in Görlitz hat Wolfgang Stiller eine ausführliche Bewerbung an uns geschickt. In der sind unter anderem Urkunden zu sehen, die die Auszeichnung zur „Vorbildlichen Hausgemeinschaft“ in den Jahren 1984, 1986 und 1988 zeigen.…

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