Gabriela Hesse

Veränderungen beginnen im Kleinen

Ein Kommentar von Schwester Gabriela Hesse, Äbtissin im Kloster St. Marienstern, Panschwitz-Kuckau.
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Schwester Gabriela Hesse ist Äbtissin im Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau.

Schwester Gabriela Hesse ist Äbtissin im Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau.

Foto: Jürgen Matschie

Wer kennt nicht Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, die Kinder aus Bullerbü? Die wohl berühmteste Kinderbuchautorin der Welt, Astrid Lindgren, hat diese wundervollen Werke geschrieben. Ihr letzter großer Roman war »Ronja Räubertochter«, der 1981 erschien und 1984 verfilmt wurde. Die Geschichte fasziniert mich sehr! Denn was sie dort erzählt und beschreibt, ist für unsere Zeit hochaktuell!
 
Die elfjährige Ronja lebt mit ihren Eltern Mattis und Lovis und der zwölfköpfigen Räuberbande auf der Mattisburg. Sie sind in ständigem Streit mit der Borkaräuberbande. Bei einem Streifzug durch den Wald trifft Ronja auf Birk, den gleichaltrigen Sohn des Erzfeindes Borka. Es ist für beide Kinder nicht ganz einfach. Es dauert eine Zeit, bis sie in einer tiefen Freundschaft zueinander finden. Das gefällt ihren Eltern nun aber überhaupt nicht. Ronja und Birk verlassen ihre Eltern und ziehen in eine Bärenhöhle im Wald. Durch ihre Entschlossenheit und ihre Liebe gelingt es ihnen zuletzt sogar, die Differenzen der Erwachsenen zu überwinden. Die sind dickköpfiger als ihre Kinder. Sie brauchen viel länger, um zu begreifen, dass sie gemeinsam stärker sind, um gegen noch mächtigere Feinde zu kämpfen.
 
Astrid Lindgren geht es um Freiheit, Emanzipation, Treue, Respekt, Freundschaft und Liebe. Sie beschreibt aber auch Vorurteile, Konkurrenzdenken, Gewalt und Tod. All das begegnet auch uns tagtäglich in unserem Alltag. Es fängt ja immer ganz klein an. Zum Beispiel in meinem Umgang mit den Menschen, die mir am Nächsten stehen, die mir vertraut sind. Wie begegne ich ihnen, wie spreche ich mit ihnen? Kann ich Vertrauen schenken und ganz konkrete Hilfe?
 
Den Kreis kann ich immer größer ziehen. Wir haben vielleicht nur Einfluss auf einen begrenzten Raum und nur kleine Möglichkeiten. Aber wenn ich nicht im Kleinen anfange, wie soll es sich im Großen fortsetzen? Das erleben wir jetzt auf grausame Weise.
 
Schreckliche Nachrichten des Krieges überschütten uns förmlich und können lähmen, uns niederdrücken und mutlos machen. Manche Menschen werden dadurch aber extra angespornt und entwickeln Ideen zu helfen und tatkräftig zu sein. Ronja und Birk, die beiden Kinder, zeigen den Erwachsenen friedliche und gewaltlose Möglichkeiten, Konflikte und Auseinandersetzungen zu beenden. Es ist mir bewusst, dass das im großen Weltgeschehen nicht so einfach ist. Aber Jede und Jeder von uns kann sofort an seinem Platz damit beginnen. Vielleicht dauert es seine Zeit– aber wir werden staunen, was dann alles geschehen kann!
 
Das passende Video gibt‘s auch im LAUSITZWELLE Fernsehen in der Drehscheibe Lausitz: im Livestream unter www.lausitzwelle.de, auf youtube.com/LAUSITZWELLE, im Kabelfernsehen sowie via DVB-T2 (Kanal 27) und MagentaTV ab 18 Uhr sowie im Satellitenprogramm bei SachsenEins ab 18.30 Uhr.