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Nicht jeden traf es gleich hart

Unsere Aktion »Reporter auf Vereinsvisite“ geht weiter. Diesmal geht es um die Freude über eine neue Turnhalle, Existenzängste im Vereinssportzentrum und die Suche nach Vereinsnachwuchs.
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Wir waren wieder bei Vereinen im Landkreis zu Gast und haben mit Akteuren darüber gesprochen, wie sie bisher durch die Pandemie gekommen sind, welche Sorgen sie haben und was für die Zukunft geplant ist. Diesmal dabei sind die SG Kreba-Neudorf, die HSG Turbine Zittau und der VdK-Ortsverband Löbau-Zittau.

Trainieren in der neuen Turnhalle

Bei der SG Kreba-Neudorf hätte man im vergangenen Jahr auch ohne Corona beim Training kreativ werden müssen. Die alte Sporthalle hatte ausgedient und wurde durch einen Neubau ersetzt. Wann immer es ging, wurde andernorts trainiert, beispielsweise im Haus der Vereine und auf dem Sportplatz in See. Doch irgendwann war kompletter Stillstand. Bei unserem Besuch am 15. Juni hatten die Erwachsenen das Training wieder aufgenommen. Beim Nachwuchsfußball lief gerade noch die »Bestandaufnahme«, wie es die Vereinsvorsitzende Antje Wierick nennt. Nach der langen Pause müsse man erstmal schauen, wer noch kommt und wer das Interesse verloren hat. Die Gruppen trainieren in Klitten, Reichwalde und Kreba. Bis da alles wieder anläuft, dauert es ein bisschen. Mitglieder hat die SG durch Corona keine Verloren und auch finanziell ist der Verein nicht in Schieflage geraten. Es wurde sogar investiert.  In der neuen Turnhalle, die seit Juni endlich genutzt werden kann, gibt es einen Vereinsraum. Dort wurde eine vierstellige Summe in die Ausstattung gesteckt. Und dann ist da noch die Spiegelwand. »Wir sind ein tanzfreudiger Verein«, sagt Antje Wierick. Also wurden in der neuen Halle an einer Wand Spiegel installiert, die sich aus- und einklappen lassen. Das hat den Verein 25.000 Euro gekostet. Auch in den Sportplatz wurde investiert. Der ist jetzt begradigt und bekam neue Drainage und neue Rasenfläche spendiert. Auch dort hat die SG viel Geld und reichlich Arbeitsstunden investiert. Zusätzlich gab‘s dafür Geld von der Gemeinde und Förderung von der SAB. Für den Vereinsraum hat man sich eine Besonderheit einfallen lassen. Aus der alten Turnhalle wurden eine Sprossenwand und ein Stück Hallenboden gerettet. »Die werden jetzt aufgearbeitet«, verrät die Vereinsvorsitzende. Aus der Sprossenwand wird eine Garderobe, aus dem Hallenboden ein Regal für die Pokale. Das große Sport- und Parkfest musste vergangenes Jahr ausfallen und wird auch 2021 nicht in seiner normalen Form stattfinden. »Es soll aber eine kleinere Version geben«, erzählt Antje Wierick. Was genau am letzten Juli-Wochenende geboten wird, steht noch nicht fest. Die Planungen laufen noch.

Vereinssportzentrum büßt 140 Mitglieder ein

Hart getroffen hat Corona auch das Vereinssportzentrum der HSG Turbine Zittau. So hart sogar, dass es im Frühjahr 2021 existenzbedrohend wurde. Im Vereinssportzentrum, wo sich alles um Fitness, Reha- und Gesundheitssport und Kampfsport dreht, öffneten sich erst am 1. Juni die Türen wieder, nach über sieben Monaten Stillstand. Anders als bei anderen Vereinen, wo die Mitglieder ehrenamtlich arbeiten, traf es hier sieben Mitarbeiter in Fest- bzw. Teilzeitanstellung. Die Mitarbeiter mussten wie schon im März und April 2020 mit Beginn des Lockdowns im Spätherbst komplett in Kurzarbeit. Die Schließung des Sportzentrums führte besonders im Bereich Rehasport zu massivem Mitgliederverlusten. »Wir haben rund 120 Rehasportler und 20 Fitnesssportler eingebüßt«, sagt Dorit Hasheider, die die meisten unter ihrem Spitznamen Maja kennen. Mit den Mitgliedsbeiträgen ist man während der Schließung auf einen Mindestbeitrag heruntergegangen. Laufende Kosten blieben. Neben Fixkosten zahlen die Abteilungen des VSZ auch eine monatliche Pauschale pro Mitglied an den Gesamtverein. Da Einnahmen ausblieben, musste man an Rücklagen ran und den Gesamtverein um eine vorübergehende Reduktion der »Abgaben« bitten. Coronahilfen gab es bis Ende 2020 keine. »Die Rücklagen sind eigentlich für Investitionen ins Vereinssportzentrum gedacht«, sagt Dorit Hasheider. Es gab Überlegungen, das Sportzentrum durch einen Anbau zu vergrößern und eine Solaranlage zu installieren. Alles noch keine konkreten Pläne, aber durch Corona noch stärker in weite Ferne gerückt. Jetzt geht es vor allem darum, den Betrieb wieder zum Laufen zu bringen, damit Geld in die Kasse kommt. Aktuell wird wieder trainiert, jedoch aufgrund des Hygienekonzeptes mit geringeren Teilnehmerzahlen, ohne Getränkeverkauf und Saunanutzung. Die Mitarbeiter sind immer noch in Kurzarbeit, wenn auch logischerweise anders als während der Schließung nicht zu einhundert Prozent. Bei stabil niedrigen Inzidenzzahlen soll es ab Juli wieder aus eigener Kraft, also ohne Kurzarbeitergeld, weitergehen.

Endlich wieder persönliche Gespräche

Der VdK-Ortsverband Löbau-Zittau wollte vergangenes Jahr eigentlich feiern. Denn der Verband wurde 30 Jahre alt. Die Feier fiel aus, wird irgendwann sicher nachgeholt, ein Termin gibt es noch nicht. Denn die ausgefallene Feier war nur eine Nebensache, vielmehr Sorgen bereitete die Tatsache, dass lange nicht im persönlichen Gespräch beraten werden konnte. Die Beratungen zu sozialrechtlichen Fragen und Problemen finden eigentlich in Zittau, Oybin und Ebersbach-Neugersdorf statt. Doch durch Corona war plötzlich nur noch das Telefongespräch möglich. „Damit lässt sich vieles aber nicht richtig klären, auch weil man oft Akteneinsicht braucht, um wirklich helfen zu können“, sagt die Vorstandvorsitzende Elke Träger. Die Beratung kann aber für Menschen existenziell sein. Wer beispielsweise schwer krank wird und nicht mehr arbeiten kann, der braucht finanzielle Unterstützung. „Doch viele Menschen wissen gar nicht, wie und wo sie beispielsweise den Antrag auf Erwerbsminderungsrente oder den Antrag auf Schwerbehinderung stellen“, sagt Elke Träger. Hier kann der VdK als größter Interessenvertreter für behinderte, chronisch kranke und ältere Menschen helfen, erstellt einen „Fahrplan“ und vermittelt an die richtigen Stellen. Dazu muss man übrigens nicht Mitglied sein. Nur die Rechtsberatung, die ein Anwalt übernimmt, gibt’s nur für Mitglieder. Ab 1. Juli laufen die Beratungen wieder, doch an andere Stelle drückt nach wie vor (und nicht erst durch Corona) der Schuh. Der Ortsverband sucht Vereinsnachwuchs. „Die meisten, die sich hier ehrenamtlich engagieren, haben selbst irgendwann mal beim VdK Hilfe gesucht“, sagt Schriftführer Peter Vogt. Inzwischen beraten viele selbst. „Wir beraten aus der eigenen Lebenserfahrung heraus. Die Menschen kommen mit einem Problem zu mir und ich sage ihnen dann, was ich in der Situation machen würde“, so Vogt. Natürlich braucht es Hintergrundwissen, aber da könne man sich reinarbeiten und es gibt auch Hilfe von den Kollegen und vom Landesverband. Bei den ersten Beratungsgesprächen sitzt außerdem ein erfahrener Berater dabei und unterstützt.  Und natürlich besteht das Ehrenamt beim VdK nicht nur aus Arbeit. Regelmäßig stehen Informationsveranstaltungen, gemeinsame Nachmittage und Tagesfahrten auf dem Programm, so dass auch die Geselligkeit nicht zu kurz kommt.

Beratung

  • Der VdK öffnet ab 1. Juli seine Geschäftsstellen in Zittau, Oststraße 16, Ebersbach im Treff 47 und Oybin wieder.
  • Die Sprechstunden in Zittau finden donnerstags von 9 bis 14 Uhr statt. In Ebersbach wird jeden zweiten und vierten Dienstag von 9 bis 12 Uhr beraten. In Oybin wenden sich Ratsuchende unter 035844/70473 an Frau Gläsel.
Im ersten Teil unserer Vereinsvisite im Landkreis Görlitz sprachen wir mit dem SSV Stahl Rietschen, dem Förderverein zur Erhaltung der Ev.-Luth. Kirche zu Walddorf und dem ASV Vorwärts Rothenburg. Weiter ging es mit dem Kultur- und Sportverein Georgewitz, der Eintracht aus Niesky und dem Lückendorfer Förderverein.Auch beim SV Ludwigsdorf 48 waren wir im Rahmen der Aktion zu Gast.