Bernd Witscherkowsky

Kreative versus City-Tristesse

Bad Liebenwerda. Der einstigen Flanier- und Einkaufsstraße soll wieder Charme verliehen werden.

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Kunststube in Beschlag genommen: Peter Brückner (Maler), Mandy Schultz (Keramik), Irmgard Hering ( Malerin), Vereinschef Wolfgang Eckelmann und Textilgestalterin Bärbel Tanneberger (v.l.).

Kunststube in Beschlag genommen: Peter Brückner (Maler), Mandy Schultz (Keramik), Irmgard Hering ( Malerin), Vereinschef Wolfgang Eckelmann und Textilgestalterin Bärbel Tanneberger (v.l.).

Foto: wit

Trostlose Ladenzeilen wo einst Leben pulsierte, sind besonders für eine Kurstadt kein schönes Aushängeschild. Mit zehn leblosen Schaufenstern konzentriert sich der allgemeine Leerstand von Geschäften derzeit besonders in der Bahnhofstraße. Der einstigen Flanier- und Einkaufsstraße vom Rossmarkt bis zum Bahnhof wieder etwas verlorenen Charme zu verleihen, hat sich der Verein für Stadtmarketing und Wirtschaft auf die sprichwörtlichen Fahnen geschrieben. Mit Kreativität und kühnen Ideen wollen Wolfgang Eckelmann und seine Mitstreiter den historischen Flanierpfad wieder schick machen.

Wider dem Vergessen

Auch wenn es dem Vereinsvorsitzenden lieber wäre, wenn hinter beleuchteten Fassaden wieder Geschäftsleute ihrem Tagwerk frönen würden, wollen sie nicht länger auf mutige Einzelhändler warten – eher sofort etwas gegen die Tristesse tun. »Gemeinsam mit den Bürgern der Stadt und unseren Mitgliedern sind wir dabei, aus der ziemlich vergessenen Einkaufsstraße einen bunten Kunst- und Tradition-Boulevard zu machen«, so Eckelmann letzte Woche im Eckhaus in der Bahnhofstraße 7. Hier hat der Verein als Startprojekt schon mal ein Kreativzentrum für Amateur- und Hobbykünstler eingerichtet. Selbige haben die neue »Kunststube« bereits dankend in Beschlag genommen, stellen ihre Werke aus, produzieren vor Ort und lassen sich dabei auch gern über die Schultern schauen. Unter ihnen der Landschaftsmaler Peter Brückner aus Dobra, der Holzkünstler Toni Büttner aus Zeischa, Mandy Schultz aus Hohenleipisch (Glas und Keramik), die Kurstädterinnen Irmgard Hering (Malerei und kreatives Gestalten) und die Textilkünstlerin Bärbel Tanneberger.

Lust auf Kreatives?

Wer den Protagonisten beim Werkeln zuschauen oder sich vielleicht selbst einmal ausprobieren möchte, kann dies immer dienstags und freitags zwischen 9 Uhr und 13 Uhr oder samstags von 14 Uhr bis 16 Uhr tun.

 

Eckelmann dazu:

»Geplant sind bei Bedarf auch Workshops

für Einsteiger und Fortgeschrittene,

insbesondere natürlich für Kinder und Jugendliche.

Wer Lust auf Kunst hat, kann sich gern bei uns in der Kunststube melden.«

 

Das Folge-Projekt hat der Marketing-Mann auch schon vor Augen. Als nächstes Haus soll das in der Bahnhofstraße 51 dran sein. »Hier wollen wir ein Ausstellungs- und Verkaufszentrum zur Geschichte und Tradition Ostdeutschlands entstehen lassen. Ein Großbildschirm wird über das Leben in den ehemaligen Ostbezirken berichten und es werden jede Menge beliebte Produkte aus der ehemaligen DDR zum Verkauf angeboten«, freut sich Eckelmann. Nicht die letzte Idee die noch auf dem Plan steht. Demnächst soll auch die Nord-Fassade der »Hafenschänke« farbig gestaltet werden und in der Baulücke von Nummer 46 ein kleiner »Park der Generationen« entstehen.

Und noch ein Projekt, welches in Deutschland bereits zahlreiche Fans hat, schwebt den Akteuren vor. So soll eines der leerstehenden Geschäfte genutzt werden, der Wegwerfmentalität deutlich Paroli zu bieten. Ein Reparaturstützpunk für Fahrräder, Küchengeräte und Elektroartikel soll die ostdeutsche »Reparaturkultur« wieder ins Bewusstsein rufen, alles auf Basis gegenseitiger Nachbarschaftshilfe. Hierfür sollen speziel Fachleute im Ruhestand und begabte Hobbyhandwerker gewonnen werden. Für Vorschläge aus der Bürgerschaft ist Eckelmann dankbar. 

• Kontakt unter Telefon (035341) 62 377 oder unter Funk (0171) 6 92 83 93