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»Dreckscher Löffel« ist Geschichte

Dresden. Vom ehemaligen Schnellrestaurant »pick-nick« am Straßburger Platz ist fast nichts mehr übrig. Es weicht einem neuen Wohn- und Geschäftshaus.

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Stück für Stück graben sich die Bagger in die Gemäuer des Dresdner Kultrestaurants »Dreckscher Löffel« am Straßburger Platz. Auf dem Areal soll ein  Wohn- und Geschäftshaus entstehen.

Stück für Stück graben sich die Bagger in die Gemäuer des Dresdner Kultrestaurants »Dreckscher Löffel« am Straßburger Platz. Auf dem Areal soll ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen.

Foto: Mike Schiller

Seit letzter Woche fressen sich Bagger in die Mauern des ehemaligen Schnellrestaurants »pick-nick« am Straßburger Platz. Der Abriss ist im vollem Gange und vom »Dreckschen Löffel«, wie es im Volksmund genannt wurde, ist nur noch ein Haufen Schutt übrig. Von seiner Eröffnung 1961 bis Anfang der 1990er Jahre war es ein beliebtes Lokal bei den Dresdnern und stadtweit bekannt. Seinen Namen »Dreckschen Löffel« verdankt das ehemalige Restaurant seinem Ruf, die Hygienevorschriften nicht immer ganz eingehalten zu haben.

 

Geliebter Zweckbau

 

Das vom Architekten Günter Gruner entworfene Selbstbedienungsrestaurant sollte als zweckmäßiger Bau der Nutzung als Schnellgastronomie dienen und einen baulischen Abschluss der durch die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges entstandene Freifläche schaffen. Trotz der schlichten Gestaltung habe sich das Gebäude, des zu seiner Zeit modernsten Schnellrestaurants der DDR, in die Herzen seiner Gäste eingegraben.

Nach der Wende wurde das ehemalige »pick-nick« von einem Küchenstudio und ab im Sommer 2006 kurzzeitig für Partys genutzt. 2013 prüfte das Landesamt für Denkmalpflege eine Unterschutzstellung mit negativen Bescheid. Danach stand der Bau die längste Zeit leer.

Im Jahr 2021 war in dem Pavillonbau eine Ausstellung des Stadtmuseums zu sehen, welche die Historie des Gebäudes mit Fotografien, Modellen und der Original-Leuchtreklame »pick-nick« zeigte. Hier konnten die Besucher zum Abschied noch einmal in Erinnerungen schwelgen. Der Bau befand sich noch in einem guten Zustand, auch die Theke war noch gut erhalten.

Architekturstudenten der TU Dresden entwickelten kreative Ideen, wie man das Gebäude hätte weiternutzen können. Doch daraus wurde nichts. Nachdem das Kultrestaurant noch einmal geöffnet worden war, wurde es zunächst eingezäunt, bis nun die Bagger zur Verrichtung ihrer Arbeit anrückten.

 

Neues Wohnhaus

 

Das gesamte Areal mit dem ehemaligen »Dreckschen Löffel« und der Sportsbar wird neugestaltet. An der zentrumsnahen Lage am Verkehrsknotenpunkt Straßburger Platz wird ein Wohn- und Geschäftshaus als Sonderbau errichtet werden. Doch die Fans der Sportsbar brauchen keine Angst zu haben, denn das Kultlokal bleibt erhalten und wird in das neue Bauvorhaben integriert. Dies versichert Steffen Funk von Dresdner Niederlassungsleiter der Firma Immvest Wolf. Die Wohnungen des geplanten Achtgeschossers sollen als Miet- und Eigentumswohnungen angeboten werden. Im Erdgeschoss werden Geschäfte entstehen. Den Entwurf für das Gebäude, dessen Fassade aus grünen Blechplatten bestehen wird, haben Leinert Lorenz Architekten aus Dresden gewonnen. Auf dem bepflanzten Dach wird dann auch echtes Grün zu sehen sein.

 

Aus der Historie

 

  • Eröffnung am 14. Juli 1961
  • nach 1990 Küchenstudio mit Bistro
  • seit 2006 Leerstand
  • 2013 Denkmalschutz-Status abgelehnt
  • 2021 Ausstellung zur Geschichte
  • 2022 Abriss