Vom Blumenstrauß der Woche zum Cottbuser des Jahres

Die WochenKurier-Kolumne von Dr. Peter Lewandrowski

Cottbuser Geschichten. - Vor 50 Jahren -

„Ein Zungenbrecher ist eine bestimmte Wortfolge, deren schnelle, wiederholte Aussprache selbst Mutter­sprachlern schwerfällt.“ So steht es im Lexikon. Die beiden bekanntesten Zungenbrecher sind der von Fischers Fritze und eben jener, der mit Cottbus zu tun hat. In der heimatgeschichtlichen Literatur gibt es immer wieder Versuche, die Herkunft des Spruches vom putzen­den Postkutscher zu erklären. Das war bisher erfolglos. Eines ist fast sicher: Aus der Kutschenzeit ist er nicht. Erste bekannte Quellen sind Bildpostkarten aus den Jahren vor dem I. Weltkrieg. Verbürgt ist, dass unter Oberbürgermeister Dr. Erich Kreutz das Sprüchlein „Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten“ gezielt zur Stadt­werbung eingesetzt wurde. Und wo ein Spruch ist, kommt bald ein zweiter dazu: „Den Wagen putz ich nimmer, / die Rösser haben Ruh; / doch Wacht halt ich noch immer / und schau den Zeiten zu.“

Und seit es das Cottbuser Verkehrsamt in den Zwanzigern gab, tauchte der reinliche Geselle auf Andenken, Bierdeckeln und Firmenlogos auf. Man glaubt deshalb auch, dass der Cottbuser Postkutscher eine Erfindung von frühen Stadt­marketingstrategen war und keinen historischen Ursprung wie Fritze Bollmann aus Brandenburg oder der Spremberger Räuber Lauer­mann besitzt.

Schöner unsere Städte und Gemeinden

Der Postkutscher putzt seinen Wagen. Seit 1969 nutzten die Cottbuser Stadt­väter diese Tätigkeit der Symbolfigur. Im Neuen Deutschland las es vor 50 Jahren die ganze DDR: „Seit Ende März fährt der Cottbuser Postkutscher wieder mit ›geputztem Postkutsch­kasten‹ von zwei Apfelschimmeln ge­zogen, durch die Bezirksstadt. Er hält wöchentlich einmal vor einem Haus oder einem Betrieb, um den fleißigs­ten Bürgern und Kollektiven den Blu­menstrauß der Woche zu überbringen. In einer Gemeinschaftsaktion zur Ver­schönerung der Stadt, in der die Frage gestellt wird ›Und wer putzt Cottbus heute?‹ wurden durch den Rat der Stadt, den Kreisausschuss der Natio­nalen Front und die Cottbuser Zeitun­gen bisher mehrere Brigaden für ihre Leistungen beim Bau des Cottbuser Stadtzentrums sowie fleißige Helfer in der Bewegung ›Schöner unsere Städte und Gemeinden - Mach mit!‹ geehrt.“

Die Lausitzer Rundschau war genauer. Sie erzählte ihren Lesern, dass die Tischlerbrigade Kassner von der Bau­stelle Hochhaus Roßstraße (Hochhaus neben der Wohnscheibe Stadtprome­nade) als erste den Besuch des Post­kutschers erhielt. Eine Woche später war es die Brigade Vorwärts des VEB Baumechanik. Fortan dankte der Cott­buser Postkutscher Woche für Woche Hausgemeinschaften, die ihr Wohn­umfeld pflegten und Arbeitskollekti­ven, die sich um eine saubere Stadt bemühten. Ausgezeichnet wurden Schulen und Altersheime, städtische Betriebe und Kultureinrichtungen.

Die Aktion „Schöner unsere Städte und Gemeinden - Mach mit!“ galt in der DDR als größte „volkswirtschaft­liche Masseninitiative“. Sie löste das „Nationale Aufbauwerk“ ab, mit dem die größten Kriegsschäden beseitigt worden waren. In Cottbus säuberten die Hausgemeinschaften das Wohn­gebiet, reparierten Spielplätze und gestalteten Vorgärten. Hier erledigten Bürger Sachen, für die staatliche Mit­tel nicht vorhanden waren. Die Cott­buser Idee, den Postmann mit dem Bemühen um eine gepflegte Stadt zu verbinden, kam bei den Einwohnern durchaus an und wurde viele Jahre fortgeführt.

Postkutscher als Stadtführer

Zum Stadtjubiläum 2006 gab es ei­ne Postkutscher-Renaissance. Das Postkutschentreffen auf dem Berliner Platz war ein echter Höhepunkt. Seit der 850-Jahrfeier besitzt die Stadt auch ein originelles Postkutscher-Denkmal. Zwischen Lindenpforte und Rathaus sehen wir den Wagenlenker. Das Denkmalensemble wurde vom Cottbuser Turmverein und seinen Sponsoren gespendet. Eine vor dem Krieg geplante Skulptur an gleicher Stelle kam nicht zustande.

Heute führen Kai-Uwe Geske und Ronne Noack als Postkutscher in Uni­form Gäste durch die Stadt, im vergan­genen Jahr immerhin 257 Gruppen. Stadtführungen mit ihnen kann man beim Cottbus-Service am Berliner Platz buchen. Einheimische und Gäste drehen sich um, wenn Kai-Uwe Geske in der Altstadt das Posthorn erschallen lässt. Und Ronne Noack wählten die Leser die­ser Zeitung in der vergange­nen Woche zum Cottbuser des Jahres. Der Blumenstrauß der Woche geht also diesmal an ihn. Und geputzt wird heute auch! In bester Tradition er­öffnet der Cottbuser Postkut­scher bei einer Säuberungsak­tion des Teehäuschens am 13. April um 9 Uhr den diesjäh­rigen Frühjahrsputz. Machen Sie mit, dann wird Cottbus schöner!

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Sachsen und Brandenburg vertiefen Zusammenarbeit

Sachsen. Brandenburg und Sachsen geben ihrer Zusammenarbeit bei der weiteren Entwicklung der Lausitz einen festen Rahmen. Die Chefin der Brandenburger Staatskanzlei, Ministerin Kathrin Schneider, und Sachsens Staatsminister für Regionalentwicklung, Thomas Schmidt, unterzeichneten dazu heute in einer gemeinsamen Videokonferenz eine Kooperationsvereinbarung. Darin bekräftigen die Länder das Ziel, die Lausitz gemeinsam zu einer europäischen Modellregion für den Strukturwandel und zu einer nachhaltigen Energieregion zu entwickeln. Ministerin Schneider: »Mit der heutigen Unterschrift bekräftigen wir unsere gemeinsamen Ziele für die erfolgreiche Strukturentwicklung der Lausitz. Brandenburg und Sachsen folgen einem gemeinsamen Kompass. Für die Umsetzung länderüberschreitender Infrastrukturen und die Schaffung von Industriearbeitsplätzen – wie z. B. an den Industriestandorten Schwarze Pumpe und Schwarzheide/Lauchhammer – ist eine gute Abstimmung unabdingbar. Aber auch beim Aufbau neuer Forschungseinrichtungen und der Entwicklung der Gesundheitsregion Lausitz ist eine enge Kooperation für beide Seiten von Vorteil. Mit dem Ausbau des Bahnwerks in Cottbus, der Kathodenfabrik am BASF-Standort in Schwarzheide und dem Gründerzentrum Dock 3 in Schwarze Pumpe haben wir bereits wichtige Meilensteine gesetzt. Darauf bauen wir auf und gehen Projekt für Projekt unseren Weg weiter zu einer europäischen Modellregion für den Strukturwandel.« Minister Schmidt: »Die Kooperationsvereinbarung verstetigt und ordnet die enge Zusammenarbeit, die das Land Brandenburg und der Freistaat Sachsen schon seit dem Beginn der Diskussion um den Strukturwandel pflegen. Auch wenn die Landesgrenze quer durch die Lausitz geht: Es bleibt eine Region, die wir nur gemeinsam erfolgreich entwickeln können. Dafür haben wir ab heute eine weitere wichtige Grundlage. Neben der Entwicklung von großflächigen Gewerbe- und Industrieansiedlungen im Industriepark Schwarze Pumpe konnten im Freistaat Sachsen bereits die Ansiedlung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle und auch von Forschungseinrichtungen wie dem Hydrogen Lab Görlitz und dem Center for Advanced Systems Understanding, kurz CASUS, erreicht werden. Zudem haben wir bereits zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht. Darunter sind ein Großforschungszentrum in der Lausitz, das auch in der Wirtschaft zahlreiche gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen wird, das Zentrum der Kreislaufwirtschaft CIRCECON sowie Ansätze für den Einsatz batterieelektrischer oder wasserstoffbetriebener Schienenfahrzeuge, zum Beispiel in Görlitz.« Zur Frage eines vorgezogenen Ausstiegs aus der Kohleverstromung erklärten Schneider und Schmidt: »Brandenburg und Sachsen werden sich weiterhin dafür einsetzen, dass bis zum Ausstieg aus der Kohleverstromung und dem damit einhergehenden Verlust zahlreicher Arbeitsplätze in der Lausitz neue Arbeitsplätze in ausreichendem Umfang insbesondere in der Industrie geschaffen werden. Das ist eine Frage von Verlässlichkeit und Vertrauen in politische Zusicherungen.« Brandenburg und Sachsen hatten im Jahr 2017 mit dem »Großräschener Grundsatzpapier« die Weichen für eine einheitliche Strukturentwicklung der Lausitz gelegt. Dabei hatten sie sich auf die fünf Handlungsfelder verständigt: Infrastruktur und öffentliche Fürsorge,Digitalisierung, Innovation, Forschung und Wissenschaft,Wirtschaftsförderung und -entwicklung,Fachkräfteentwicklung und -sicherung,Marketing, Kultur, Kunst und Tourismus Inzwischen läuft der Prozess der Strukturentwicklung in der gesamten Lausitz und bekommt mit der heute unterzeichneten Kooperationsvereinbarung eine feste politische Struktur. Das Format der gemeinsamen Kabinettsitzungen als höchstes Gremium wird verbindlich fortgeführt. Es gibt einen regelmäßigen, quartalsweisen Austausch auf Ministerebene. Die Revierbeauftragten beider Länder stimmen sich ab und die Fördergesellschaften koordinieren gemeinsam die länderübergreifenden Projekte. Zudem werden Brandenburg und Sachsen ein Schaufenster-Format entwickeln, um die Bürgerinnen und Bürger zu informieren und einzubeziehen. Ziele der Kooperationsvereinbarung Die Lausitz soll als Region mit hoher Lebensqualität einheitlich entwickelt werden. Brandenburg und Sachsen bekräftigen in der Kooperationsvereinbarung folgende Ziele für die Lausitz: Entwicklung zu einer europäischen Modellregion für den Strukturwandel Schaffung eines zentralen, europäischen Verflechtungsraums Ausbau einer innovativen und leistungsfähigen Wirtschaftsregion Etablierung einer modernen und nachhaltigen Energieregion Stärkung als moderner Forschungs-, Innovations- und Wissenschaftsstandort und als eine Modellregion für Gesundheit Herausstellung als Region mit hoher Lebensqualität, kultureller, touristischer, sprachlicher, ethnischer sowie sportlicher Vielfalt und intakten Naturräumen. Das im vergangenen Jahr vom Bund verabschiedete Investitionsgesetz für die Kohleregionen unterstützt alle vom Braunkohleausstieg betroffenen Reviere bei der Strukturentwicklung mit insgesamt rund 40 Milliarden Euro. Für das Lausitzer Revier stellt der Bund im Rahmen von drei Förderperioden bis zum Jahr 2038 insgesamt rund 6 Milliarden Euro bereit, wovon ca. 3,6 Milliarden auf das Land Brandenburg und rund 2,4 Milliarden auf den Freistaat Sachsen entfallen. Der Bund selbst unterstützt das Lausitzer Revier noch einmal mit eigenen Maßnahmen zur Strukturentwicklung im Umfang von bis zu 11,18 Milliarden Euro.Brandenburg und Sachsen geben ihrer Zusammenarbeit bei der weiteren Entwicklung der Lausitz einen festen Rahmen. Die Chefin der Brandenburger Staatskanzlei, Ministerin Kathrin Schneider, und Sachsens Staatsminister für Regionalentwicklung, Thomas…

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Wieder kein Adventsfest in Meuro

Meuro. „Wir haben unseren traditionellen Termin mit Blick auf die sich zuspitzende Lage in unserer Region bereits vor der erneut verschärften Eindämmungsverordnung des Landes abgesagt. Wir bedauern dies sehr. Denn unser Adventsfest ist bei den Menschen nicht nur sehr beliebt, sondern symbolisiert für uns auch den Beginn der Vorweihnachtszeit. Und dazu gehört eben auch das gesellige Beieinander auf dem Weihnachtsmarkt. Dies ist zur Zeit aber nicht ratsam“, erklärt Michael Hertel als Vorsitzender des verantwortlichen Dorfclub Meuro e.V. Damit in Meuro dennoch Weihnachtsstimmung aufkam, hatten die Kita Sonnenschein und der Dorfclub die Blautanne auf dem Dorfplatz geschmückt. Die Kita-Kinder brachten dazu „Weihnachtsgeschenke“ im unteren Bereich des Baums an. Den oberen Teil säumen in das neue Jahr Baumkugeln und eine Weihnachtsbeleuchtung. „Wir wünschen allen Kindern und Erwachsenen eine gesegnete  Weihnachtszeit. Bleibt gesund und denkt an eure Mitmenschen“, meint Michael Hertel abschließend. Gleichzeitig bedankt sich der Dorfclub Meuro recht herzlich bei der Meuroer Zweigniederlassung der Palettenservice-Hamburg AG für deren Unterstützung zur Einlagerung der Verkaufshütten. Diese wollte der Verein zum Adventsfest erstmals nutzen. Nun stehen sie immerhin winterfest untergebracht in einer Lagerhalle des Unternehmens.„Wir haben unseren traditionellen Termin mit Blick auf die sich zuspitzende Lage in unserer Region bereits vor der erneut verschärften Eindämmungsverordnung des Landes abgesagt. Wir bedauern dies sehr. Denn unser Adventsfest ist bei den Menschen…

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