Einkaufen in Cottbus – 2. Teil

Die WochenKurier-Kolumne von Dr. Peter Lewandrowski

Cottbuser Geschichten. - Vor 30 Jahren -

Wir hatten an dieser Stelle von den Einkaufsproblemen der Cottbuser Anfang 1989 erzählt. Mit großem Gefolge besuchte Bezirksparteichef Werner Walde damals Geschäfte und Dienstleistungseinrichtungen in der Stadt. Der Parteisekretär be­endete seine Visite mit „helfenden Hinweisen“. Man müsse Konzepte entwickeln, „die der dynamischen Entwicklung der Stadt bis zum Jahr 2000 entsprechen.“ Wie können die vorhandenen Möglichkeiten noch besser für das Wohlbefinden der Ein­wohner genutzt werden? Walde regte an, die Öffnungszeiten von Geschäf­ten und Gaststätten den Wünschen der Menschen anzupassen. Er wollte kleine Gaststätten „mit intimer Atmo­sphäre“. Unbedingt verbessert wer­den sollte die Warenpräsentation.

So weit, so gut! Aber damit kamen kein Schweinefilet, kein Kindernicki und keine Fliese mehr in die Verkaufsstel­len. Die 10-seitigen Schlussfolgerun­gen des Rates der Stadt Cottbus aus dem Besuch des „Kandidaten des Po­litbüros des ZK der SED und 1. Sekre­tärs der Bezirksleitung, Gen. Walde“ zeigte dann auch die Hilflosigkeit der Han­delsverantwortlichen. Man nahm sich vor, die Hauptgeschäftsstraßen zu „profi­lieren“, beispielsweise durch „neue Baldachine, Markisen und Werbeelemente“. Die Kaufhalle Schweriner Straße sollte „Frischwa­renkaufhalle“ und damit bezirkliches Beispiel werden. Die Gaststätte „Pau­laner Bräu“ war zu eröffnen und für die Gemüse- und Obsthändler gab es ein zusätzliches Lieferfahrzeug.

Der Rest des Konzeptes war eine An­sammlung von Allgemeinplätzen. Das Schweinefilet musste weiter für DM in Westberlin verkauft werden. Für die italienischen Kindernickis fehlten die Devisen und wo manche Leute Fliesen her hatten, blieb überhaupt ein Rätsel.

Sture Preispolitik als eine Ursache des Mangels

Neben den „eingeschränkten volks­wirtschaftlichen Möglichkeiten und dem begrenzten Importvolumen“ hatte auch das sture Festhalten an den Preisen Auswirkungen auf das Warenangebot. Es durfte nichts teurer werden. Eine Regulierung über die Preise fand nicht statt. Da die Waren des Grundbedarfs so billig waren, dass im Prinzip jeder alles kaufen konnte, gab es absurde Praktiken. Mit Brot und anderen Lebensmitteln wurden die Schlachttiere gemästet. Die Aufkaufpreise für Obst und Gemüse wa­ren höher als die Abgabepreise. Hoch­wertige technische Geräte und Autos kosteten gebraucht mehr als neu. In den An- und Verkaufsläden rangelten volkseigene Betriebe um westliche Personal-Computer.

Mit den Ladenketten „Exquisit“ und „Delikat“ sollte wenigstens teilweise Abhilfe geschaffen und die Kaufkraft abgeschöpft werden. Hier konnten betuchte Bürger bessere Modear­tikel und Lebensmittel aus eigener Produktion und aus dem Ausland für überhöhte Preise kaufen. Das sogenannte Spitzenbier erlebte seine Premiere. Im Intershop, in Cottbus zunächst im Hotel Lausitz, dann in der Neustädter Straße, erhielten die DM-Besitzer westliche Produkte. Über die Genex-Kette konnten BRD-Bürger für DM ihren Ostverwandten Geschenke machen. Sonderläden sind in Mangelgesellschaften natürlich Gift für die öffentliche Meinung. Zwar hieß es von allerhöchster Stelle, dass "Delikat und Exquisit keine ständigen Begleiter des Sozialismus" wären. Aber gegen Ende der DDR wurde das System eher ausgebaut.

Eine notwendige Anmerkung zum Schluss

Das Abenteuer Einkaufen gehörte zu den unangenehmen Seiten des Lebens in der verflossenen DDR. Diese Einschätzung darf jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass der Grundbedarf (fast) immer preisgüns­tig gesichert war. Das war bei den östlichen „Bruderstaaten“ nicht der Fall. Auch daran sollte man denken, wenn in einigen Monaten die fried­liche Revolution, der Mauerfall und die Wiedervereinigung dreißigjährige Jubiläen feiern.

Aus diesem Anlass wird es sicherlich wieder zahllose Rückblicke, Chroniken und History-Sendungen in den Medien geben. Vermutlich werden auch diesmal nicht die ehemaligen DDR-Bürger und die Akteure von 1989 die Deutungsho­heit über die Ereignisse besitzen, sondern Redakteure aus Hamburg und München. In den Jahren nach der Wende hat man sich zu oft über die Menschen im Osten herablassend ge­äußert. „Herabsetzendes Nachtreten“ nannte ein ostdeutscher Schriftsteller das. Die Darstellung des Lebens in der DDR und der heutigen Situation im Osten in den Leitmedien und auch bei den Öffentlich-Rechtlichen reicht von oberflächlich über lächerlich machend bis zu beleidigend. Diese Beiträge, von denen das Sachsen-Bashing nur ein Teil ist, haben auch zum heutigen Wahlverhalten der Ostdeutschen bei­getragen.

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Sachsen und Brandenburg vertiefen Zusammenarbeit

Sachsen. Brandenburg und Sachsen geben ihrer Zusammenarbeit bei der weiteren Entwicklung der Lausitz einen festen Rahmen. Die Chefin der Brandenburger Staatskanzlei, Ministerin Kathrin Schneider, und Sachsens Staatsminister für Regionalentwicklung, Thomas Schmidt, unterzeichneten dazu heute in einer gemeinsamen Videokonferenz eine Kooperationsvereinbarung. Darin bekräftigen die Länder das Ziel, die Lausitz gemeinsam zu einer europäischen Modellregion für den Strukturwandel und zu einer nachhaltigen Energieregion zu entwickeln. Ministerin Schneider: »Mit der heutigen Unterschrift bekräftigen wir unsere gemeinsamen Ziele für die erfolgreiche Strukturentwicklung der Lausitz. Brandenburg und Sachsen folgen einem gemeinsamen Kompass. Für die Umsetzung länderüberschreitender Infrastrukturen und die Schaffung von Industriearbeitsplätzen – wie z. B. an den Industriestandorten Schwarze Pumpe und Schwarzheide/Lauchhammer – ist eine gute Abstimmung unabdingbar. Aber auch beim Aufbau neuer Forschungseinrichtungen und der Entwicklung der Gesundheitsregion Lausitz ist eine enge Kooperation für beide Seiten von Vorteil. Mit dem Ausbau des Bahnwerks in Cottbus, der Kathodenfabrik am BASF-Standort in Schwarzheide und dem Gründerzentrum Dock 3 in Schwarze Pumpe haben wir bereits wichtige Meilensteine gesetzt. Darauf bauen wir auf und gehen Projekt für Projekt unseren Weg weiter zu einer europäischen Modellregion für den Strukturwandel.« Minister Schmidt: »Die Kooperationsvereinbarung verstetigt und ordnet die enge Zusammenarbeit, die das Land Brandenburg und der Freistaat Sachsen schon seit dem Beginn der Diskussion um den Strukturwandel pflegen. Auch wenn die Landesgrenze quer durch die Lausitz geht: Es bleibt eine Region, die wir nur gemeinsam erfolgreich entwickeln können. Dafür haben wir ab heute eine weitere wichtige Grundlage. Neben der Entwicklung von großflächigen Gewerbe- und Industrieansiedlungen im Industriepark Schwarze Pumpe konnten im Freistaat Sachsen bereits die Ansiedlung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle und auch von Forschungseinrichtungen wie dem Hydrogen Lab Görlitz und dem Center for Advanced Systems Understanding, kurz CASUS, erreicht werden. Zudem haben wir bereits zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht. Darunter sind ein Großforschungszentrum in der Lausitz, das auch in der Wirtschaft zahlreiche gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen wird, das Zentrum der Kreislaufwirtschaft CIRCECON sowie Ansätze für den Einsatz batterieelektrischer oder wasserstoffbetriebener Schienenfahrzeuge, zum Beispiel in Görlitz.« Zur Frage eines vorgezogenen Ausstiegs aus der Kohleverstromung erklärten Schneider und Schmidt: »Brandenburg und Sachsen werden sich weiterhin dafür einsetzen, dass bis zum Ausstieg aus der Kohleverstromung und dem damit einhergehenden Verlust zahlreicher Arbeitsplätze in der Lausitz neue Arbeitsplätze in ausreichendem Umfang insbesondere in der Industrie geschaffen werden. Das ist eine Frage von Verlässlichkeit und Vertrauen in politische Zusicherungen.« Brandenburg und Sachsen hatten im Jahr 2017 mit dem »Großräschener Grundsatzpapier« die Weichen für eine einheitliche Strukturentwicklung der Lausitz gelegt. Dabei hatten sie sich auf die fünf Handlungsfelder verständigt: Infrastruktur und öffentliche Fürsorge,Digitalisierung, Innovation, Forschung und Wissenschaft,Wirtschaftsförderung und -entwicklung,Fachkräfteentwicklung und -sicherung,Marketing, Kultur, Kunst und Tourismus Inzwischen läuft der Prozess der Strukturentwicklung in der gesamten Lausitz und bekommt mit der heute unterzeichneten Kooperationsvereinbarung eine feste politische Struktur. Das Format der gemeinsamen Kabinettsitzungen als höchstes Gremium wird verbindlich fortgeführt. Es gibt einen regelmäßigen, quartalsweisen Austausch auf Ministerebene. Die Revierbeauftragten beider Länder stimmen sich ab und die Fördergesellschaften koordinieren gemeinsam die länderübergreifenden Projekte. Zudem werden Brandenburg und Sachsen ein Schaufenster-Format entwickeln, um die Bürgerinnen und Bürger zu informieren und einzubeziehen. Ziele der Kooperationsvereinbarung Die Lausitz soll als Region mit hoher Lebensqualität einheitlich entwickelt werden. Brandenburg und Sachsen bekräftigen in der Kooperationsvereinbarung folgende Ziele für die Lausitz: Entwicklung zu einer europäischen Modellregion für den Strukturwandel Schaffung eines zentralen, europäischen Verflechtungsraums Ausbau einer innovativen und leistungsfähigen Wirtschaftsregion Etablierung einer modernen und nachhaltigen Energieregion Stärkung als moderner Forschungs-, Innovations- und Wissenschaftsstandort und als eine Modellregion für Gesundheit Herausstellung als Region mit hoher Lebensqualität, kultureller, touristischer, sprachlicher, ethnischer sowie sportlicher Vielfalt und intakten Naturräumen. Das im vergangenen Jahr vom Bund verabschiedete Investitionsgesetz für die Kohleregionen unterstützt alle vom Braunkohleausstieg betroffenen Reviere bei der Strukturentwicklung mit insgesamt rund 40 Milliarden Euro. Für das Lausitzer Revier stellt der Bund im Rahmen von drei Förderperioden bis zum Jahr 2038 insgesamt rund 6 Milliarden Euro bereit, wovon ca. 3,6 Milliarden auf das Land Brandenburg und rund 2,4 Milliarden auf den Freistaat Sachsen entfallen. Der Bund selbst unterstützt das Lausitzer Revier noch einmal mit eigenen Maßnahmen zur Strukturentwicklung im Umfang von bis zu 11,18 Milliarden Euro.Brandenburg und Sachsen geben ihrer Zusammenarbeit bei der weiteren Entwicklung der Lausitz einen festen Rahmen. Die Chefin der Brandenburger Staatskanzlei, Ministerin Kathrin Schneider, und Sachsens Staatsminister für Regionalentwicklung, Thomas…

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Wieder kein Adventsfest in Meuro

Meuro. „Wir haben unseren traditionellen Termin mit Blick auf die sich zuspitzende Lage in unserer Region bereits vor der erneut verschärften Eindämmungsverordnung des Landes abgesagt. Wir bedauern dies sehr. Denn unser Adventsfest ist bei den Menschen nicht nur sehr beliebt, sondern symbolisiert für uns auch den Beginn der Vorweihnachtszeit. Und dazu gehört eben auch das gesellige Beieinander auf dem Weihnachtsmarkt. Dies ist zur Zeit aber nicht ratsam“, erklärt Michael Hertel als Vorsitzender des verantwortlichen Dorfclub Meuro e.V. Damit in Meuro dennoch Weihnachtsstimmung aufkam, hatten die Kita Sonnenschein und der Dorfclub die Blautanne auf dem Dorfplatz geschmückt. Die Kita-Kinder brachten dazu „Weihnachtsgeschenke“ im unteren Bereich des Baums an. Den oberen Teil säumen in das neue Jahr Baumkugeln und eine Weihnachtsbeleuchtung. „Wir wünschen allen Kindern und Erwachsenen eine gesegnete  Weihnachtszeit. Bleibt gesund und denkt an eure Mitmenschen“, meint Michael Hertel abschließend. Gleichzeitig bedankt sich der Dorfclub Meuro recht herzlich bei der Meuroer Zweigniederlassung der Palettenservice-Hamburg AG für deren Unterstützung zur Einlagerung der Verkaufshütten. Diese wollte der Verein zum Adventsfest erstmals nutzen. Nun stehen sie immerhin winterfest untergebracht in einer Lagerhalle des Unternehmens.„Wir haben unseren traditionellen Termin mit Blick auf die sich zuspitzende Lage in unserer Region bereits vor der erneut verschärften Eindämmungsverordnung des Landes abgesagt. Wir bedauern dies sehr. Denn unser Adventsfest ist bei den Menschen…

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