"Der Staffellauf ist nicht mehr Bestandteil des Vertrages."

Die WoKu-Kolumne von Dr. Peter Lewandrowski

Cottbuser Geschichten. - Vor einem Jahr -

Warum findet der Staffel­lauf zwischen Cottbus und der Partnerstadt Zielona Gora nicht mehr statt? Den Cottbuserinnen und Cottbusern sind nach der Wende vor fast 30 Jahren einige Paukenschläge gelun­gen: Ereignisse und Veranstaltungen, über die man deutschlandweit sprach, die ohne Promirummel auskamen und bei denen die Menschen mit dem Herzen dabei waren. Das waren der Start zur kommunalen Selbstverwal­tung am Runden Tisch, die erste Bun­desgartenschau in den neuen Län­dern und der Aufstieg des FCE in die erste Bundesliga. In diese Reihe ge­hört gleichberechtigt der Staffellauf zwischen Cottbus und Zielona Gora, der Lauf von Rathaus zu Rathaus. 

Wenn heute zwischen Polen und Deutschen Feindseligkeit kein Thema mehr ist und zahlreiche Bande zwi­schen Familien, Vereinen und Schu­len bestehen, dann hat das auch mit den Frauen und Männern zu tun, die Veranstaltungen wie den Staffellauf organisierten. Die Stadtoberhäupter Roman Doganowski und Waldemar Kleinschmidt starteten 1992 erstmals das von den Cott­buser Parkläufern und dem MKKL Lubtour Zielona Góra ins Leben gerufene Rennen. Seitdem gingen unzählige Freizeitläufer jeweils am zwei­ten Samstag im Juli auf die 100 km lange Strecke zwischen beiden Städten. Beim Premierenlauf starte­ten 27 Mannschaften. Beim Lauf Nr. 25 waren es 70. Sieger wurde 2017 Favorit "Tomato Krosno".  

Die Stimmung vor dem Rathaus in Zielona Gora war großartig. Umso überraschender sechs Monate spä­ter die Mitteilung: "Die Cottbuser Parkläufer werden keinen weiteren internationalen Staffellauf Cottbus – Zielona Góra mehr organisieren." In der März-Stadtverordnetenver­sammlung wurde die Frage nach dem "Warum?" beantwortet. Der erste Teil der Antwort lautet: "Der Staffellauf ist nicht mehr Bestandteil des Part­nerschaftsvertrages ..." Das erinnert entfernt an die Begründung des Wegfalls einer beliebten Zeitschrift 1988, von der es hieß, sie sei "von der Liste des Postzeitungsvertriebs gestrichen." Die nächsten Fakten für den Wegfall des Staffellaufs sind schon schwerwiegender. Wegen der "Altersstruktur" des Vereins wären "keine Ressource(n)" mehr vorhan­den. Der zweite Fakt ist der enorme Autoverkehr auf der Strecke, der die Läufer in Gefahr bringt. Beides ganz schön logisch. Aber fragen muss man schon: War die Organisation des Laufes nicht seit einigen Jahren in jüngere Hände gelegt worden? Gab es für den symbolischen Lauf keine Hil­festellung der Verwaltung oder des Sportbundes?

Bei der Sicherheit der Läufer dürfen natürlich keine Abstriche gemacht werden. Aber hier fragt sich der bra­ve Cottbuser doch, warum für Ballspiele viertklassiger Mann­schaften ganze Hundertschaften der Polizei bereitstehen, Straßen und Autobahnen für alles Mög­liche gesperrt werden und für Weihnachtsmärkte und andere Belustigungen kostenintensive Befestigungen aufgebaut werden. Waldemar Kleinschmidt, einer der Begründer des Staffellauf, be­dauert das Ende des charmanten Wettbewerbs: "Wenn beide Sei­ten sich zusammengesetzt hätten, gäbe es wohl eine Lösung." Und auch Bodo Stecklina und Werner Erbe, zwei langjährige Staffellaufor­ganisatoren, stellen Fragen. Nach ih­rer Meinung hätte man diesen einzig­artigen Lauf nicht einfach still zu den Annalen des Sports legen sollen.

"An den 25 Läufen, die vor den Rat­häusern in Zielona Gora und Cottbus gestartet wurden, nahmen insgesamt 7 520 Sportler aus Deutschland, Po­len und anderen Ländern teil. Unter den deutschen Läufern befanden sich auch Prominente aus Politik und Wirtschaft, darunter Mitglieder der Landesregierung und der Stadtver­waltung Cottbus und Mannschaften der Polizei, Feuerwehr und Bundes­polizei, die damit das Anliegen be­wusst unterstützten. Unverständlich ist den langjährigen Organisatoren, Helfern und Sportlern die Art und Weise, wie dieser erfolgreiche Staf­fellauf 2018 sein Ende fand. Der Vor­sitzende der Cottbuser Parkläufer er­klärte Ende 2017 ohne Abstimmung mit den Vereinsmitgliedern, dass die Parkläufer für den Staffellauf nicht mehr zur Verfügung stehen. Dazu erfolgte eine Pressemitteilung der Parkläufer vom 17. Januar 2018. Eine ausführlichere Information da­nach nannte Gründe, die z. T. nicht den Tatsachen entsprachen. Unver­ständlich bleibt, dass die langjährigen polnischen Partner nicht in diese Ab­sage einbezogen wurden und das Ende des Laufes erst aus dem Internet er­fuhren."

Ob die polnischen Part­ner nicht einbezogen wurden, bleibt offen. Eine Anfrage beim stellvertre­tenden Stadtpräsidenten von Zielona Gora blieb unbeantwortet! Aber möglicherweise ist das ja eine Antwort.

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