Katastrophen sind wie Windhunde

Ratgeber. Im vergangenen November machte ich Urlaub in Israel. Ein Ausflug nach Jerusalem begann mit einem Raketenalarm auf dem Bahnhof Tel Aviv. Dass so etwas dort möglich ist, wusste ich. Wenn man das aber live erlebt, ist das was anderes. Krass. Nach der Rückkehr aus Jerusalem spielte ich Klavier auf dem abendlichen Bahnhof. (Die Instrumente stehen dort frei zur Verfügung.) Früh Bedrohung, abends musizieren: Das ist Israel. Ich sagte zu meiner Frau: „Wir lassen uns von den Terroristen nicht den Urlaub verderben.“ Im Quartier dann lud ich mir eine Raketenalarm-App runter – gibt’s nur in diesem Land. Auch krass. So bereiteten wir uns auf den möglichen Fall besser vor. Ich sehe dieses Erlebnis als Metapher dafür, wie man mit der momentanen Situation hierzulande umgehen kann - sich grundsätzlich nicht die Freude nehmen lassen, dennoch aber den Tatsachen ins Auge blicken. Soweit möglich, sich auf das schlimmste Szenario nüchtern vorbereiten, aber nicht in Angst erstarren. Ein Aspekt jedoch fehlt hier aber noch. So verrückt es klingt – die App gab uns mehr Sicherheit. Die Israelis übten sich auch damit in – seit Staatsgründung stets erprobter - Krisenkommunikation. Sie informierten. Faktisch. Ohne Emotionen. In den Medien wurde auch über Gegenmaßnahmen berichtet. Aber ohne Spekulationen. Zurück ins virusbelastete Deutschland. Ich werde mich jetzt nicht in die Liste selbst von ernannten Gurus, Hintergründlern und Klugscheißern einreihen. Guter Rat ist teuer? Momentan ist er billig, weil inflationär und allzuoft nicht wirklich gut. Von Berufs wegen aber muss ich Ihnen sagen, was Sie jetzt unbedingt tun müssen: Kommunizieren! Egal, ob Sie Unternehmer, Selbstständiger, leitender Angestellter, Führungskraft in Institution und Verwaltung sind. Egal, ob coronabetroffen oder nicht. Wie kommuniziere ich in einer Krise? Das zu wissen, kann nun auch in wirtschaftlichem Sinne überlebenswichtig sein. Wer den Kopf in den Sand steckt, hat schon verloren. Die 7 Regeln der Krisenkommunikation nicht nur für Corona-Zeiten: 1.Kommunizieren Sie. Wer nicht kommuniziert, existiert gewissermaßen nicht und wird vergessen. Und umgekehrt. Schauen Sie auf die Politiker. Ich werte hier nicht die Inhalte. Aber Sie sehen schon jetzt, wer aus der Krise gestärkt hervorgehen wird. Jene, die wahrzunehmen sind. Weil sie deutlich kommunizieren. Die sich nicht lähmen lassen. Die handeln. Öffentlichkeitswirksam. Ob sie Recht hatten, wird später weniger diskutiert werden. Man wird sich vielmehr an ihre Entschlossenheit erinnern. Sie haben Führungsstärke gezeigt. Sie waren berechenbar – formell zumindest. Für die Wirtschaft gelten dieselben Maßstäbe. 2. Kommunizieren Sie noch professioneller als zu Friedenszeiten. Sie werden Federn lassen, dennoch gestärkt aus der Krise hervorgehen - weil Sie überzeugend kommunizierten. Die Gewinner der Krise sind nämlich nicht unbedingt die, die alle Probleme gelöst (zu) haben (scheinen). Sondern wie sie darüber gesprochen haben und wie sie gehört wurden. Es geht in der Krise zuallererst um Glaubwürdigkeit! 3. Kommunizieren Sie strikt zielgruppenfokussiert. Inwieweit Sie persönlich verunsichert sind, interessiert jetzt keinen. Interessieren Sie sich stattdessen dafür, worin die Unsicherheit Ihrer Kunden, Lieferanten, Geschäftspartner, Mitarbeiter oder Gläubiger besteht. Was glauben Sie, wie verunsichert Menschen sein können und worüber! Sie wissen es nicht? Dann fragen Sie danach, auf jeden Fall im Rahmen Ihrer Geschäftsbeziehungen! So bleiben Sie Ihrem Umfeld verbunden, sind im besten Sinne verbindlich. „Der oder die hat alles richtig gemacht.“ – Nein, darum geht es nicht. „Der hat gehandelt.“ - Ja, darum geht es. „Der wusste, was er tut.“ – Obere Riege. „Auf den konnte man sich verlassen.“ – Premium! 4. Kommunizieren Sie im Krisenmodus. Das bedeutet: Nur Fakten. Kein Geschwafel. Keine Versprechen. Kein Schöngerede. Aber auch keinen Teufel an die Wand malen. Sie können alles mitteilen, was so beginnt: Fakt ist, dass …. Beispiel: Fakt ist, dass wir geschlossen haben. Fakt ist, dass wir Sie sofort informieren, wenn .... Fakt ist auch, dass wir bei allen Fragen dennoch für Sie erreichbar sind über … 5. Kommunizieren Sie systematisch und kontrolliert. Legen Sie fest, wer für Ihr Unternehmens oder Ihre Institution spricht. Nur der – und kein anderer! Darüber informieren Sie vorher - auch intern. Auch das schafft Sicherheit. 6. Kommunizieren Sie aktiv. Sie informieren dann, wenn Sie es für wichtig und richtig halten und nicht erst, wenn Sie gefragt werden. Sie steuern Ihre Kommunikation! Sonst steuert das jemand anders. Das wollen Sie nicht wirklich. 7. Kommunizieren Sie auch in den Medien. Ja, Ihre Nachricht kann in den Corona-Themen untergehen. Aber wahr ist auch, dass die Medien gerade jetzt nach Informationen lechzen, die anders sind - positiv, wenigstens konstruktiv. „In der Krise werden Helden geboren“, sagte mal Deutschlands bekanntester Insolvenzverwalter Horst Piepenburg. Betreiben Sie aktive, dialogorientierte Pressearbeit! Sprechen Sie mit den Redaktionen. Was braucht Ihr? Was interessiert Euch bzw. Eure Leser? Wie passe ich dazu? Betrachten Sie die Presse als Partner. Sachlich. Mit Vorsicht natürlich! Aber lassen Sie die Feindbilder. Neben der Raketenalarm-App abonnierte ich in Israel übrigens auch den Twitteraccount des Verteidigungsministeriums und der Armee. Was dort im Zweistunden-Takt an (deeskalierenden) Propaganda-Clips durchs Netz gejagt wurde, hatte Hollywood-Qualität und war dabei natürlich sehr durchschaubar. Aber es verfehlte dennoch seine Wirkung nicht. Deutlich wurde, dass die israelischen Kommunikationsspezialisten die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe sehr genau kannten. Deshalb war die vermittelte Botschaft eindeutig: „Ja, wir werden beschossen. Ja, wir sagen Euch auch genau, wo, wann und wie. Aber wir haben alles im Griff. Und zwar deshalb ....“ Und sie hatten es im Griff. Wer es bis dahin noch nicht wusste, begann es spätestens dann zu glauben. Was mangelnde Informationen in einer Krise bewirken können, haben meine Frau und ich allerdings auch erfahren. Am Tag nach dem ersten Terroralarm lagen wir wieder am Strand von Tel Aviv. Etwas fehlte. ? Die Geräusche an- und abfliegender Flugzeuge vom Ben Gurion-Airport. Kopfkino! Horror! Thriller! Der Airport geschlossen! Wir kommen nicht mehr nach Hause! Die nächste Intifada bricht aus und wir mitten drin! Sch... ! Nun – Katastrophen sind wie Windhunde, die gute Nachricht eine Schnecke, heisst es. Nach zwei Tagen hörten wir wieder den Jet-Sound. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie wohltuend Flugzeuglärm wirken kann. Später erfuhren wir, dass der Airport keinen einzigen Tag geschlossen war. Die Maschinen waren nur vorübergehend in andere, sicherere Luftkorridore umgeleitet worden. Deshalb hörten wir sie nicht. Unser nächstes Reiseziel? Israel. Guten Gewissens wünsche ich Ihnen statt „Bleiben Sie gesund!“ lieber von Herzen: Werden Sie immun! Jörg TudykaIm vergangenen November machte ich Urlaub in Israel. Ein Ausflug nach Jerusalem begann mit einem Raketenalarm auf dem Bahnhof Tel Aviv. Dass so etwas dort möglich ist, wusste ich. Wenn man das aber live erlebt, ist das was anderes. Krass. Nach der…

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Keine Mülltrennung bei Quarantäne-Haushalten

Sachsen. Private Haushalte, in denen infizierte Personen oder begründete Verdachtsfälle von COVID-19 in häuslicher Quarantäne leben, sollen den Haushaltsmüll nicht trennen. Das heißt, neben dem Restmüll sollen auch Verpackungsabfälle (gelber Sack), und Biomüll für die Dauer der Quarantäne über die Restmülltonne entsorgt werden. Nicht in den Restmüll von Quarantänehaushalten gehören jedoch weiterhin Altpapier, Altglas, Elektroschrott und Batterien. Gegebenenfalls müssen diese aufbewahrt werden, bis sie wieder entsorgt werden können. Umweltminister Wolfram Günther erläutert hierzu: »Damit schützen wir die Müllwerker, aber auch Nachbarinnen und Nachbarn, Hausmeisterinnen und -meister. Das heißt aber auch, dass alle, die nicht betroffen sind, weiterhin ihren Müll getrennt entsorgen.« Zu den Regelungen für Quarantäne-Haushalte gehört, dass die genannten Abfälle in stabile, möglichst reißfeste Abfallsäcke gegeben und Einzelgegenstände wie Taschentücher nicht lose in Abfalltonnen geworfen werden. Abfallsäcke sind durch Verknoten oder Zubinden zu verschließen. Spitze und scharfe Gegenstände sollen in bruch- und durchstichsicheren Einwegbehältnissen verpackt werden. Müllsäcke sollen möglichst sicher verstaut werden, so dass vermieden wird, dass zum Beispiel Tiere Müllsäcke aufreißen und mit Abfall in Kontakt kommen oder dadurch Abfall verteilt wird. (pm)Private Haushalte, in denen infizierte Personen oder begründete Verdachtsfälle von COVID-19 in häuslicher Quarantäne leben, sollen den Haushaltsmüll nicht trennen. Das heißt, neben dem Restmüll sollen auch Verpackungsabfälle (gelber Sack), und…

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