C. M. Schwab

Strukturwandel geht nur gemeinsam

Neuland ist etwas Unbekanntes. Wie man es nutzen kann, lässt sich erst herausfinden, wenn man sich auf den Weg macht. Nur wenn die Herausforderung angenommen wird, kann Neuland erobert werden und der Neuanfang erfolgreich sein. Mit dieser Sicht lässt sich auch der Strukturwandel betrachten. In der Serie »Lausitzer Neuland« werden Menschen vorgestellt, die bereit sind, »Neuland« zu betreten und den Strukturwandel zwar kritisch, aber vor allem als Chance betrachten, die es zu nutzen gilt.
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Sarah Stötzner ist neu im Team der Stadtverwaltung Hoyerswerda und kümmert sich dort als Projektmanagerin um den Strukturwandel. Dafür kehrte die 32-jährige Hoyerswerdaerin in die Lausitz zurück.

Sarah Stötzner ist neu im Team der Stadtverwaltung Hoyerswerda und kümmert sich dort als Projektmanagerin um den Strukturwandel. Dafür kehrte die 32-jährige Hoyerswerdaerin in die Lausitz zurück.

Foto: Anne-Sophie Lösche

Lausitz. Sarah Stötzner ist seit Dezember 2021 Projektmanagerin Strukturwandel für den Bereich Stadtmarketing bei der Stadt Hoyerswerda. Zuvor verbrachte sie sechs Jahre im Nahen Osten und setzte dort vielfältige Projekte um. Nun will sich die 32-Jährige in ihrer Heimat einbringen.
1989, kurz vor der Wende, in Hoyerswerda geboren und bis zum Abitur 2009 dort aufgewachsen, ist Sarah Stötzner nach zwölf Jahren in die Lausitz zurückgekehrt. Nach dem Abitur habe sie keine andere Option gesehen, als von hier erst einmal wegzuziehen, erzählte die damals 20-Jährige bereits dem Magazin »Spiegel«, das zu diesem Zeitpunkt eine Reportage unter dem Titel »Wendekind Sarah verlässt die schrumpfende Stadt« veröffentlichte. Der Beitrag thematisierte die Perspektivlosigkeit junger Menschen im Osten Deutschlands. Was hat Sarah Stötzner dazu bewegt, wieder nach Hoyerswerda zurückzukehren?
Nach ihrem Abitur absolvierte Sarah Stötzner ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland und studierte danach Interkulturelles Management, Kommunikations- und Politikwissenschaften. Bereits da bemerkte sie: »Mir fehlt die Lausitz.« Dennoch ging es erst einmal wieder in die Welt. Im Westjordanland arbeitete Sarah Stötzner u.a. mit Akteuren der palästinensischen Frauenbewegung. »Das hat nur funktioniert, wenn alle zusammengearbeitet haben. Das nehme ich auch mit für die Herausforderungen des Strukturwandels. Es geht nur gemeinsam.« Nach zwölf Jahren, davon sechs Jahre im Nahen Osten, kehrte sie wieder nach Hoyerswerda zurück. »Egal, wo ich bin, ich versuche mein Umfeld zunächst zu verstehen, um dann meine Fähigkeiten und Ideen so einzubringen, dass sie etwas Positives bewirken können. Dabei wurde der Wunsch immer größer, das in der Heimat zu machen.«

Wir können hier etwas Gutes schaffen

In ihrem persönlichen Umfeld habe sie beim Strukturbruch in den 90er Jahren mitbekommen, was es heißt, »nicht auf der Gewinnerseite zu sein. Anders als damals ist der jetzige Wandel aber absehbar und kann Schritt für Schritt geplant werden.« Was manchen Menschen hier Angst macht, sei der unbestimmte Ausgang, die anstehenden Veränderungen, meint sie. Doch Hoyerswerda habe jetzt die Chance, Pionierarbeit zu leisten, beispielsweise bei Themen wie der Nachhaltigkeit.
»Nicht alle werden beim Strukturwandel gewinnen«, meint sie und ergänzt: »Aber alle, die mitmachen, können davon profitieren.« Sarah Stötzner registriert erfreut, dass es bereits viele Initiativen gibt, die etwas bewegen wollen. »Ich habe die Hoffnung, dass wir hier etwas Gutes schaffen«, sagt die Projektmanagerin. Schließlich sei sie nicht zurückgekommen, um nach zwei bis drei Jahren wieder zu gehen, betont sie. »Wir brauchen freilich einen langen Atem.«


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