Silke Richter

Die Frau mit der Gitarre auf dem Rücken

Bernsdorf. Die Ergotherapeutin Elisa Skottki hat das Gitarrespielen für sich und die Bewohner im ASB-Heim »Am Schmelzteich« entdeckt.

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Haben sichtlich Spaß bei den Muszierstunden mit Ergotherapeutin Elisa Skottki: Die Bewohnerinnen Marianne Mückel, Eva Sowinski und ASB-Mitarbeiter Jens Pichel vom (v.l.).

Haben sichtlich Spaß bei den Muszierstunden mit Ergotherapeutin Elisa Skottki: Die Bewohnerinnen Marianne Mückel, Eva Sowinski und ASB-Mitarbeiter Jens Pichel vom (v.l.).

Foto: Silke Richter

»Mein Hut, der hat drei Ecken, drei Ecken hat mein Hut« klingt es sangesfreudig durch den Speiseraum. Eva Sowinski und Marianne Mückel haben es sich in der Kuschelecke gemütlich gemacht. Umringt von vielen Alltagsdingen aus früheren Zeiten werden bei den älteren Damen nicht nur beim gemeinsamen Musizieren schöne Erinnerungen geweckt.

Die Kombination von Gesang und Live-Instrumentalmusik ist im ASB-Pflegeheim »Am Schmelzteich« erst seit kurzer Zeit möglich und für die Bewohner etwas ganz Besonderes. Verantwortlich dafür ist Elisa Skottki. Sie ist nicht nur Ergotherapeutin, sondern mittlerweile auch als jene Mitarbeiterin bekannt, die mit ihrer Gitarre den Bewohnern Freude und Abwechslung bringt.

 

Ein Geschenk gab den Anstoß

Den Wunsch, dieses Instrument spielen zu können, hegte sie schon länger. Den entscheidenden Impuls bekam die 34-Jährige, als sie von ihren Eltern zu Weihnachten eine Gitarre geschenkt bekam. Es sollte dennoch etwas dauern, bis das Projekt mit Leben erfüllt werden konnte. Der Alltag als Mutter von zwei kleinen Kindern ließ anfangs nicht viel persönlichen Freiraum zu. Die Zeit sei einfach zu knapp bemessen gewesen, um regelmäßig üben zu können.

Dann kam Tag X. Elisa Skottki ergriff die Initiative und probierte sich mittels Fernunterrichts bei YouTube aus. »Damit bin ich aber kläglich gescheitert«, gibt sie unumwunden zu. Sie suchte Rat bei einem Mitarbeiter aus der Musikschule Fröhlich. Und siehe da – der Unterricht konnte beginnen. Auch die Notenlehre war für Elisa Skottki ein völlig fremder Bereich. Sie fing an, Akkorde und verschiedene Grifftechniken zu üben. Schritt für Schritt, ganz individuell ihrem eigenen Lerntempo angepasst.

Beim Musizieren am Arbeitsplatz waren es die Erfahrungen, die Elisa Skottki zu diesem Schritt bewegten und die gehegten Wünsche der Senioren: »Die Bewohner hatten mich immer wieder gefragt, ob ich denn nun schon Gitarre spielen könnte. Als es dann losging, waren sie begeistert. Ich spüre jedes Mal, dass die Zuhörer sehr positiv auf Musik reagieren. Das ist ein sehr schönes Gefühl, das Freude bringt«, meint die 34-Jährige.

Gemeinsames Musizieren verbindet nicht nur, sondern kann bekanntermaßen auch Brücken bauen. So berichtet die Ergotherapeutin von einem älteren Herrn, der im Alltag kaum bis gar nicht spricht. Bis Elisa Skottki dem Senior eines Tages mit ihrer Gitarre auf dem Rücken einen Besuch in seinem Zimmer abstattete. Es dauerte nicht lange und der Mann reagierte mit einem glücklichen Lächeln und verbalen Äußerungen. Es sind jene Momente, die Elisa Skottki mittlerweile ganz besonders in ihrem Berufsalltag mag und sehr zu schätzen gelernt hat.

 

Der Spaß steht im Vordergrund

Freilich geht ihr das Musizieren noch nicht so schnell von der Hand. Aber das muss es auch nicht. Vielmehr steht der gemeinsame Spaß im Vordergrund. Und wenn mal ein schiefer Instrumententon erklingt – alles kein Problem. »Das ist so schön und macht richtig Spaß. Die meisten Lieder kenne ich noch von früher«, berichtet Marianne Mückel begeistert, bevor sie mit Eva Sowinski fröhlich schunkelnd in das Lied einstimmt: »Lustig ist das Zigeunerleben, faria, faria, ho…« In den Musikstunden lernen die Senioren aber auch gern Kinderlieder aus der heutigen Zeit. Und auch die können richtig lustig sein. Elisa Skottki plustert ihre Backen dick auf, streckt dann die Zunge raus und singt: »Dicke Backen, Zunge raus, macht der grüne Frosch am Teich…«

Den Senioren fällt es bei dem spaßigen Lied schwer mitzusingen. Es wird herzhaft gelacht, geschunkelt, gesungen und herrlich witzige Gesichtsgymnastik betrieben.

Dass die beiden älteren Damen mit den Zungenbewegungen unbewusst ihr Sprachzentrum fördern, ist ein positiver Nebeneffekt. Marianne Mückel und Eva Sowinski können es kaum erwarten, bis Elisa Skottki wieder mit ihrer Gitarre auftaucht. Die nächste Musizierstunde kommt bestimmt.