Elisa Thaute

Sechs Nominierte aber 40 Gewinner

WirtschaftJuroren der Wirtschaftsinitiative Lausitz sind von den Kandidaten für den LEX-Preis 2012 überzeugt

Schon wer nominiert ist,  hat gewonnen! Das gilt offenbar nicht nur für Oscar-Kandidaten der glamourösen Unterhaltungsindustrie, auch für potenzielle Mittelständler in Brandenburg und Sachsen.

Besonders für jene, die lange mit ihren Ideen "schwanger" gehen und sich nicht sicher sind, ob sie ihre Handabdrücke  im kühlen Beton des Boulevards "Marktwirtschaft"  hinterlassen sollen. Ihnen bei der Umsetzung  zu helfen, war einer der Gründe, weshalb 2004  eine Gruppe erfahrener Unternehmer länderübergreifend die Wirtschaftsinitiative Lausitz (WiL) ins Leben rief. Die namhaftesten Firmen der Region gehören inzwischen dazu, wie  auch der seit 2009 jährlich ausgeschriebene Lausitzer Existenzgründer Wettbewerb (LEX) unter Regie der WiL. Inzwischen insgesamt  die neunte Auflage bei der die besten Gründungsideen mit jeweils   5000, 3000 oder 2000 Euro honoriert werden. Sechs Kandidaten von insgesamt  40 Bewerbern, die nach Jurymeinung in die engere Wahl kamen, konnten ihre Projekte am vergangenen Freitag in der Ortrander Eisenhütte noch einmal  vorstellen. Gastgeber Bernd H. Williams-Boock, Geschäftsführer der Ortrander Eisenhütte GmbH und selbst Mitglied der Initiative, dazu: "Ich habe mich über die bisherigen Nominierten und Preisträger des LEX informiert und bin erfreut, dass es in diesem Jahr viele Teilnehmer gibt, deren Geschäftsideen ganz konkret und somit umgesetzt werden können bzw. schon umgesetzt worden sind. Wir brauchen Gründerinnen und Gründer, die die Region voran bringen. Bei den vorgestellten Geschäftsplänen habe ich in diesem Zusammenhang ein gutes Gefühl." Was auch die sechs Nominierten mit dem was sie präsentierten durchaus haben dürfen, wenngleich nur drei von ihnen am 19. November den Preis aus den Händen von Ministerpräsident Matthias Platzeck in Empfang nehmen werden. Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen hatten  im Vorfeld ihre inhaltlichen Bewertungen zu den 33 Plänen aus Brandenburg und 7 Plänen aus Sachsen abgegeben. Übrig blieben dabei sechs Ideen,  Geschäftspläne und ihre Macher. So plant die Cottbuser GS-Baugesellschaft mbH (i.G.), vertreten durch Stefan Giebler und Tim Hannewald die Herstellung, den Vertrieb samt Montage von Produkten aus Hochleistungsbeton. Heike Struthoff (Leuchtturm Gastro GmbH Hoyerswerda)  will das Lausitzer Seenland mit einem maritimen Erlebniskomplex bereichern und um Erlebnisse geht es auch bei der Idee von Jeanine Schaar  von der "PiPaPo - Spiel, Spaß- und Sport GmbH". Die junge Frau möchte  für Cottbuser  Familien und Touristen einen ganzjährig geöffneten  Hallenspielplatz betreiben. Die Senftenberger Eierlikörproduzenten Heiko Tänzer und Danilo Trasper sind offenbar auf ein altes Geheimrezept gestoßen und planen ihre Produktion in den Räumlichkeiten der Bäckerei Busch zu  erweitern. Eine weitere Cottbuserin,  Annet Müller, eröffnete im August in  der ehemaligen Bezirksstadt eine Modeboutique für Damenoberbekleidung der Größen 40 bis 54. Sie möchte, dass das Einkaufen mehr und mehr  zum Wohlfühlerlebnis  wird und will das ihren Kundinnen durch immer neue Ideen auch bieten. Die letzten im Bunde der Kandidaten sind  Rico Witschas und Oliver Jurke, Sports ToolBox. Die beiden Cottbuser programmieren eine Software,  die onlinebasiert Trainern von Fitnessstudios oder Sportvereinen die Arbeit erleichtern soll. Die drei Sieger stehen zwar jetzt schon fest, werden aber erst am 19. November in der Rosenstadt Forst bekannt gegeben. Fest steht aber auch: Gewinner sind alle! Und auch der Wettbewerb als solcher:  Dr. Hermann Borghorst, WiL-Vorsitzender und Vorsitzender der LEX-Jury, verspricht: "Wir werden auch in Zukunft alles tun, Gründungswillige auf ihrem Weg in die Selbständigkeit zu unterstützen. Die Qualität ist erneut ein Markenzeichen für den LEX. Jede Förderung, jedes Sponsoring und jede Unterstützung für Existenzgründer und Jungunternehmer ist eine gute und lohnende Investition in die Lausitz."

Foto: Gastgeber Bernd H. Williams-Bock mit Dr. Hermann Borghorst, Dr. Wilfried Müller, Andrea Rudolph, Stefan Giebler, Jeanine Schaar, Tim Hannewald, Heike Struthoff, Rico Witschas, Anett Müller, Danilo Trasper, Heiko Tänzer, Siegurd Heinze und  Dr. Hubert Lerche (v.l.).

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Pulver der Königin – einst gepriesen, heute verpönt

Doberlug-Kirchhain. Zwei Nichtraucher huldigen noch bis Anfang Januar den Raucherutensilien im Weißgerber-Museum in Doberlug-Kirchhain. Museumsleiter Dr. Andreas Hanslok und der Doberluger Sammler Frank Mende haben mit der Sonderausstellung »Der blaue Dunst – Entstehen und Vergehen des Tabakrauchs« ein sozialgeschichtliches Phänomen der Menschheit in die Museumsräume gebracht. Natürlich musste die Ausstellung wegen der Corona-Auflagen ohne offizielle Eröffnung vor einigen Wochen starten. Bis zum Ausstellungsschluss erhofft sich der Museumschef entsprechend der jeweiligen Zugangsregelung interessierte Besucher. Verliebt in Rauchverzehrer Seit geraumer Zeit treibt den Nichtraucher Andreas Hanslok die Idee für diese Ausstellung um. Mit dem Doberluger Sammler Frank Mende, ebenfalls passionierter Nichtraucher, hat er einen engagierten Partner bei der Gestaltung dieser Schau gefunden. Frank Mende ist glücklich, dass er durch die Ausstellung seine Sammlungsbestände, die bei ihm zu Hause zumeist in Schränken, Kisten und Schachteln aufbewahrt sind, für Besucher präsentieren konnte. »Ich habe meine Sammlungsgegenstände hier neu kennengelernt.« Das betrifft vor allem die vielen so genannten Rauchverzehrer in den unterschiedlichsten Dekors und Gestaltungen vom bellenden Hund bis zum Porzellanliebespärchen. »Irgendwann habe ich mich in die Rauchverzehrer verliebt, die über Jahrzehnte in ziemlich jeder bürgerlichen Familie als Schmuckaccessoires die Wohnzimmer schmückten.« Dazu haben sich im Laufe der Jahre viele andere Utensilien zum Rauchen sowie Werbematerial aller Art für das Rauchen zu seiner Sammlung gesellt. „Es war nicht leicht, die richtige Auswahl von besonderen Gegenständen vom Streichholz bis zum Instrumentarium für das Pfeifenrauchern auszuwählen. »Dafür hatte ich Dr. Hanslok an meiner Seite.« Seit 45 Jahren ist Frank Mende von der Sammelleidenschaft infiziert. Für ihn ist das Sammeln Lebensinhalt und lässt ihn seine seit Jahrzehnten vorhandene Lungenkrankheit besser bewältigen. Die habe nichts mit dem Rauchen zu tun, denn er habe nie im Leben geraucht. Allerdings werden in der Ausstellung zahlreiche Besucher an die eigene Leidenschaft des Rauchens erinnert, die bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts sozial akzeptiert war und zum gesellschaftlichen Leben dazu gehörte und durch Werbung der Tabak- und Zigarettenproduzenten zum Style hochgejubelt wurde. »Natürlich wollen wir mit der Ausstellung keine Werbung für das Rauchen machen, zumal es inzwischen weitestgehend aus dem offiziellen öffentlichen Leben verschwunden ist«, betont Andreas Hanslok. Aber als sozialgeschichtliches Phänomen habe es die gesamte Welt über Jahrhundert geprägt. So führen Texte und Bilder in der Ausstellung durch einen Teil der Kulturgeschichte von den Anfängen in indianischen Kulturen Amerikas über die Griechen, Römer und Germanen. Kolumbus wird zugeschrieben, dass er den Tabak mit nach Europa gebracht habe. Den Siegeszug des Tabaks in Europa beförderte mit der französischen Regentin Katharina von Medici (1519 – 1589) eine Frau, die liebend gern Tabak als »Pulver der Königin« schnupfte. Später wird das Zigarrenrauchen zum Symbol für Reichtum aber auch für Revolution. Für den Schriftsteller Erich Kästner war »Kreativität ohne Rauch nicht denkbar«. Die Tabakpfeife sorgte noch besser dafür, den blauen Dunst lange dampfen zu lassen. Das Rauchen, erfahren Ausstellungsbesucher, war bis ins 20. Jahrhundert Domäne der Männer, erst dann verstanden Frauen wie Marlene Dietrich es als Mittel der Emanzipation. Auch Belege für die Zigarrenproduktion in Doberlug-Kirchhain fehlen in der Ausstellung nicht. Natürlich zeigt die Schau auch die Schädlichkeit des Rauchens und wie sich das Bewusstsein in der Gesellschaft zum Thema Rauchen verändert hat.Zwei Nichtraucher huldigen noch bis Anfang Januar den Raucherutensilien im Weißgerber-Museum in Doberlug-Kirchhain. Museumsleiter Dr. Andreas Hanslok und der Doberluger Sammler Frank Mende haben mit der Sonderausstellung »Der blaue Dunst – Entstehen…

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