Carmen Wolodtschenko

"Man muss richtig gut schauspielern"

KulturFunktionaler Analphabetismus: Was ist das eigentlich und wie schlagen sich Betroffene damit durchs Leben?

Herzlichen Glückwunsch ? Sie können diesen Artikel lesen. In Deutschland geht die Zahl derer, die es nicht können, in die Millionen. Vier von ihnen erzählen im WochenKurier, wie sie bisher durchs Leben kamen und sich jetzt ihrer Schwäche stellen. Nach einer Studie der Hamburger Universität gelten in Deutschland rund vier Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung, dies sind immerhin 2,3 Millionen, als Analphabeten im engeren Sinne. Sie können zwar einzelne Wörter lesend verstehen oder schreiben, nicht jedoch ganze Sätze. Mehr als drei Mal so viele Menschen ? rund 7,5 Millionen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren ? gelten als funktionale Analphabeten. Diese können zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, aber keine zusammenhängenden, auch kürzere Texte wie eine schriftliche Arbeitsanweisung verstehen. In Sachsen geht man von 200.000 funktionalen Analphabeten aus, das sind etwa fünf Prozent der Menschen, die hier leben. Geht man in unserem Landkreis von den gleichen Größenordnungen aus, wären das etwa 12.000 Menschen!Viele von ihnen blieben über Jahre unerkannt, so wie Nadine, Ilona, Christel und Renate*. Die vier Frauen besuchen, mit Unterbrechungen teilweise schon seit drei Jahren, einen Lese- und Schreibkurs beim "Internationalen Bund". Diesen bietet der Bund seit 2006 in Sachsen an. Seit Anfang des Jahres hat der IB auch in Freital, Am Glaswerk 12 eine Einrichtung, wo Alphabetisierungskurse angeboten werden. Ein Kurs umfasst in sechs Monaten rund 500 Unterrichtsstunden."Leider melden sich bei uns sehr wenige Teilnehmer, anders als in der Oberlausitz. Obwohl es auch in der Region genügend Betroffene gibt", stellt Andreas Koth vom IB fest. Jetzt im Okto- ber beginnt ein neuer Kurs.  Kontakt: 0351/2635480.  Voraussetzung ist natürlich, dass Betroffene darauf aufmerksam gemacht werden. Die Teilnehmer  eignen sich wieder  Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Alltagsrechnen an. Wieder, da sie es eigentlich in ihrer Schulzeit schon erlernt hatten, wie die 44-jährige Christel bestätigt: "Ich habe nach der 7. Klasse die Schule verlassen. Als Reinemachfrau brauchte ich nichts weiter zu lesen oder zu schreiben. Reinigungsmittel habe ich mir eingeprägt. Genau so bin ich dann auch beim Einkaufen vorgegangen." Denn vieles läuft bei Analphabeten über bildhafte Zuordnung. "Gekocht wurde zum Beispiel nach Gefühl ? oder mein Partner hat mir geholfen. Er ist einer der wenigen Menschen, der weiß, dass ich ein funktionaler Analphabet bin."

Vor lauter Scham finden diese fast immer eine Ausrede, um von ihrer Schwäche abzulenken. "Man muss richtig gut schauspielern können. Mal hatte ich angeblich die Brille vergessen, konnte die kleine Schrift nicht lesen oder nahm das Formular mit heim und habe es von meinem Partner ausfüllen lassen", erzählt die 50-jährige Renate. Ähnlich erging es Ilona: "Aber irgendwann konnte ich es nicht mehr verheimlichen. Meine Tochter hatte mir oft geholfen, aber immer war sie auch nicht da. Auf dem Arbeitsamt konnte ich dann ein Formular nicht ausfüllen. Dies fiel der Bearbeiterin auf und sie hat mir sofort diesen Analphabeten-Kurs empfohlen", ergänzt die 52-Jährige ? mit den Tränen kämpfend, obwohl Ilona, seitdem sie diesen Kurs besucht, viel selbstbewusster auftritt, wie ihre Lehrerin Petra Eckert bestätigt."Auch wir arbeiten eng mit der Arbeitsagentur und dem Jobcenter zusammen, da die Mitarbeiter dort eine feine Antenne für solche Fälle haben", bestätigt Andreas Koth. Die Frauen aus dem Kurs vereint ein Traum: "Einen Neuanfang starten, den Führerschein machen, eine Arbeit finden und das Fachchinesisch der Formulare vom Amt verstehen", wie die 27-jährige Nadine zusammenfasst. Deshalb werden die Kursteilnehmer  auch am Computer ausgebildet und absolvieren u.a. ein Bewerbertraining."Wenn mir Renate zum Beispiel eine Mail schickt, ist das ein Erfolg und eine Riesenleistung, sich einzugestehen, dass man Analphabet ist und dann zu sagen: Helfen Sie mir bitte!", ist Petra Eckert stolz auf "ihre" Mädels. Hoffentlich finden noch mehr Menschen den Mut, gegen ihre Schwäche anzukämpfen.                  (* Name geändert) S. Hache/C. Wolodtschenko

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DEL2 hält am geplanten Saisonstart fest

Dresden. Die Deutsche Eishockey Liga 2 (DEL2) hält in Abstimmung mit den DEL2-Clubs an einem Saisonstart am 6. November mit den gültigen örtlichen Vorgaben fest. Dies bestätigten die Gesellschafter am Freitagabend im Rahmen einer Gesellschafterversammlung mittels Videokonferenz. Damit einhergehend wurde auch der Spielplan für die Saison 2020/2021 festgelegt. Das Eröffnungsspiel findet dabei beim DEL2-Hauptrundengewinner der vergangenen Spielzeit statt, wenn die Löwen Frankfurt die Kassel Huskies empfangen. Das Derby ist gleich zu Beginn ein sportliches Highlight und stellt zudem eine symbolträchtige Partie dar. Beide Mannschaften kämpfen mit den Bietigheim Steelers um den Aufstieg in die DEL. Die Schwaben treten am ersten Spieltag auswärts an und sind beim EC Bad Nauheim gefragt. Diese Spielzeit stellt mit Sicherheit jeden vor eine besondere Herausforderung. Clubs und Liga hoffen auf weitere Lockerungen für Sportveranstaltungen und bitten zudem ihre Fans die notwendigen Vorgaben und Regeln einzuhalten. Auch weiterhin haben Einschränkungen im Zuschauerbereich wirtschaftliche Auswirkungen auf die Clubs. Die Verantwortlichen hoffen daher auf die Unterstützung und volle Auslastung der möglichen Kapazitätsgrenzen. Aufgrund des verschobenen Saisonstarts wurde auch das Ende der Hauptrunde angepasst. Wie gewohnt soll es eine Doppelrunde mit insgesamt 52 Spieltagen geben. Jedoch wird diese nicht Anfang März zu Ende sein, sondern erst am 11. April 2021. Dies gibt den Clubs einen gewissen Spielraum, falls Partien verschoben werden müssen. Zudem konnten so die Belastungen an den Wochentagen gering gehalten werden. Änderungen sind jedoch vorbehalten. Die Terminierung für die Playoffs und Playdowns in der DEL2 befindet sich noch in der Absprache und wird zu gegebener Zeit veröffentlicht. René Rudorisch, DEL2-Geschäftsführer: „In erster Linie freuen wir uns, dass wir uns nun zielgerichtet auf den Saisonstart fokussieren können. Somit kommen die Aufgaben und Planungen wieder in einen normalen Rhythmus. Weit entfernt von der Normalität werden jedoch die Gegebenheiten in den Arenen sein. Umso mehr erhoffe ich mir die Unterstützung der Fans und Sponsoren, dass wir gemäß den Vorgaben der Behörden zur Pandemiebekämpfung das Optimum für die Clubs erreichen und gemeinsam dafür einstehen, dass die Clubs im Rahmen der Bedingungen überlebensfähig sind. Ein weiteres Hinauszögern der Saison stellt für uns keine Alternativ dar - weder für die Clubs, Liga, Fans und Sponsoren und natürlich die Spieler und ihre Familien. Gleichzeitig müssen weitere Lockerungen gelingen, um die Wirtschaftlichkeit der Clubs in dieser Saison sicherstellen zu können.“ Wie bereits in der Vergangenheit wird es für die Fans den Kalender-Service geben: Es können die Spielpläne für die jeweiligen elektronischen Kalender für jeden einzelnen Club heruntergeladen werden. Auch der komplette Spielplan steht als Alternative zum Download bereit. Die Datei muss zur Integration in den eigenen Kalender jeweils Lokal oder in einem Cloudlaufwerk gespeichert sein. Dies ist vor allem beim Import über mobile Endgeräte wichtig. Die Angaben sind ohne Gewähr. Spielplan: https://www.del-2.org/liga/archiv/123/spielplan/  (pm/DEL2)Die Deutsche Eishockey Liga 2 (DEL2) hält in Abstimmung mit den DEL2-Clubs an einem Saisonstart am 6. November mit den gültigen örtlichen Vorgaben fest. Dies bestätigten die Gesellschafter am Freitagabend im Rahmen einer Gesellschafterversammlung…

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