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Die mit dem Eis baden

Senftenberg. Im Winter vergraben sich die Menschen oft in ihren Jacken. Nicht die Eisbader. Für sie fängt der Spaß jetzt erst an. Dazu im WochenKurier-Interview Sabine Türschmann, Sprecherin der Senftenberger Pirrlliepausen.

Hallo Frau Türschmann, wie lange ist hier letztes Bad im Senftenberger See her?

Sabine Türschmann: »Das letzte Bad fand am 2. Dezember bei einer Wassertemperatur von vier Grad Celsius statt. Wir gehen gemeinsam zwei- bis dreimal hintereinander für jeweils ein bis zwei Minuten ins Wasser.«

Eine optimale Wassertemperatur liegt um die 25 Grad Celsius. Wie kalt empfinden Sie das Baden im Moment?

Türschmann: »Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass es warm ist. Eine Rolle spielt natürlich hierbei auch die Umgebungstemperatur. Bei minus zehn Grad Celsius Lufttemperatur ist das Wasser mit plus einem Grad Celsius vergleichsweise warm, wogegen es bei lus acht Grad Celisus und Regen gefühlt kälter ist.«

Warum gehen Sie trotz dieser Kühlschrank-Temperatur ins Wasser?

Türschmann: »Am Anfang war es nur das etwas Verrückte an der Sache. Ich habe aber bald gemerkt, dass sich das eigene Temperaturempfinden verändert hat. Ich benötige nicht mehr solch hohe Raumtemperaturen und ich bin natürlich auch weniger empfindlich Erkältungskrankheiten gegenüber.«

Können Sie uns kurz erklären, warum das Winterbaden für den Körper gut ist?

Türschmann: »Das Eisbaden hat den gleichen Effekt wie das Saunieren. Es stärkt das Immunsystem und die Abwehrkräfte. Außerdem wird die Durchblutung angeregt. Nach dem Baden wird der Körper richtig rot und schön warm. Für alle Frauen, es ist gut für die Haut. Sie wird gestrafft, aber das ist meine persönliche und nicht wissenschaftlich belegte Meinung.«

Was sollte man beim Eisbaden unbedingt beachten und ab welchem Alter ist das Eisbaden geeignet?

Türschmann: »Das Eisbaden ist für jedes Alter geeignet, genau wie das Saunieren. Letzteres ist mit dem Winterbaden vergleichbar, nur das Temperaturniveau ist niedriger. Trotzdem sollte man sich darauf vorbereiten, in dem man sich etwa morgens kalt abduscht oder wie wir mit der Winterbadesaison bereits im Herbst beginnen. So gewöhnt sich der Körper an die fallenden Temperaturen. Totale Anfänger sollten nicht allein sondern in der Gruppe zum Winterbaden gehen. Herzkranke und Menschen mit Bluthochdruck sollten darauf verzichten.«

Wie würden Sie den typischen Eisbader in Ihrem Verein beschreiben?

Türschmann: »Wir sind alle gesellige und lustige Menschen, die dem Sport in der einen oder anderen Weise verbunden sind. Es gibt viele Läufer unter uns.«

Haben Winterbader auch im sommerlichen Wasser Spaß?

Türschmann: »Ja natürlich.«

Die Senftenberger Pirrliepausen sind in diesem Jahr in ihre 30. Saison gestartet. Wie hat sich das Winterbaden in den drei Jahrzehnten verändert?

Türschmann: »Geändert hat sich die Zusammensetzung des Vereins. Wir werden älter und finden nur wenig Nachwuchs. Der See ist natürlich rundherum sehr schön geworden. Und man hat heute Neoprenschuhe, die ein Segen für die Füße im Wasser sind.«

Ihre »Badewanne« betreten Sie über den Buchwalder Strand neben dem Hafen in Senftenberg. Warum ist dieser Ort für das Winterbaden so gut geeignet?

Türschmann: »Ganz optimal ist es nicht. Wegen der Bootssaison können wir erst ab November das Winterbaden starten. Dafür haben wir einen schön beheizten Umkleideraum. Der Weg zum Strand ist weit und wenn wir mittwochs um 17 Uhr ins Wasser steigen ist es schon dunkel. Da genügt das Licht nicht. Also müssen wir uns mit Stirnlampen behelfen. Also nicht ganz perfekt. Der Hafen war auch nur als Übergangslösung gedacht, da wir ursprünglich unser Domizil im Kinderferienlager »Am alten Wehr« hatten. Wann und ob wir dort wieder rein können ist noch unklar.«

Die Senftenberger Eisbader treffen sich jeden Samstag und Mittwoch zum gemeinsamen Baden. Wie reagieren die Leute um Sie herum?

Türschmann: »Die Leute freuen sich, uns zu sehen. Viele schütteln sich nur und vergraben sich in ihren Jacken. Wir laden sie immer herzlich ein.«

Die Saison der Pirrlliepausen geht von November bis Ende März. Dabei treffen Sie sich auch am 23. Dezember zum Weihnachtsbaden und am 31. Dezember zum Silvesterbaden. Inwiefern gehören diese Termine für Sie unbedingt zu den klassischen Feierlichkeiten dieser beiden Tage dazu?

Türschmann: »Diese Termine sind schon von Beginn an Tradition und das wissen die Senftenberger. Der Eine oder Andere schaut immer wieder vorbei. Am 23. Dezember  werden wir um 10.30 Uhr ins Wasser steigen und am 31. Dezember um 11 Uhr. Offizielles Eisbadersaisonende ist 2018 eine Woche vor Ostern.«

Gibt es für Sie persönlich Grenzen hinsichtlich Luft- und Wassertemperatur sowie Örtlichkeiten, bei denen Sie als Winterbaderin niemals ins Wasser gehen würden?

Türschmann: »Nein, ich habe mein Winterbaden vor 15 Jahren mit minus 20 Grad Celsius begonnen. Wir waren in Waltersdorf und haben uns in einem Waldsee ein Loch in die Eisdecke geschlagen und sind dort baden gegangen. Es war toll. Wir kannten aber auch den Teich. Bei treibenden Eisschollen würde ich nicht baden gehen. Wir waren an der Ostsee zum Valentinsbaden nach Ahlbeck eingeladen. In jenem Jahr trieben auf der Ostsee Eisschollen. Das war ein Grund nicht ins Wasser zu gehen, weil es doch gefährlich ist.«

Die folgende Frage liegt auf der Hand: Wie sind Sie zu Ihrem Vereinsnamen gekommen – und was bedeutet er?

Türschmann: »Der Name kommt aus dem Altdeutschen und bedeutet ›Eiszapfen‹. Der ehemalige Fotograf Heinz Herzog aus Brieske hat uns diesen Namen vorgeschlagen, der wohl allgemeine Zustimmung fand. Er wird mit zwei ll und zwei rr geschrieben ›Pirrllipausen‹.«

Wer kann sich den Senftenberger Pirrlliepausen anschließen?

Türschmann: »Interessierte können mittwochs ab 16.45 Uhr oder samstags ab 10.15 Uhr zum Hafen kommen. Auf der Internetseite der Stadt Senftenberg findet man unter Sportvereine  unsere Kontaktdaten.«

Ihr letztes Wort…?

Türschmann: »Ich möchte mich mit ›Pirrllipausen – eiskalt‹ für das Interview bedanken. Ich wünsche allen eine schöne Adventszeit  und würde mich über das eine oder andere neue Mitglied im Verein freuen.«

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