Gesundes Wohnen - Materialien und Technik für ein optimales Raumklima

Die Räume in denen wir uns tagtäglich aufhalten, haben durch ihre Gestaltung und die Ausstattung einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Vor allem Heizung und Belüftung spielen hier eine große Rolle. Zudem kann auch die Wahl geeigneter Materialien dazu beitragen, das Raumklima zu verbessern. Moderne Technik und natürliche Baustoffe sorgen heute für ein angenehmes Zuhause.

Verschiedene Kriterien wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder die Beleuchtung wirken sich auf das Raumklima aus und können bei einer optimalen Einstellung für ein behagliches Zuhause sorgen.

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Wer heute neu baut oder Wohnräume saniert, ist mit einer Vielzahl an Möglichkeiten konfrontiert, die zu einem optimalen Raumklima beitragen können. Verschiedene innovative Heizungs- und Lüftungssysteme aber auch ökologische Materialien stehen hierbei zur Verfügung. Wir zeigen, was bei der Auswahl wichtig ist und wie ein gesundes Wohnumfeld geschaffen werden kann.  

Die wichtigsten Faktoren für ein gesundes Raumklima


Verschiedene Kriterien wirken sich auf die Qualität des gesamten Raumklimas aus. All unsere Sinne sind hier bei der Wahrnehmung beteiligt:

  • Raumtemperatur: Bei diesem Punkt wird zwischen der Lufttemperatur und der Oberflächentemperatur etwa von Wänden oder Möbeln unterschieden. Beim Temperaturempfinden spielt es eine große Rolle, ob die Luft stillsteht, oder in Bewegung ist. Letzteres kann dafür sorgen, dass sich die Umgebung deutlich kühler anfühlt. Die optimale Raumtemperatur richtet sich nach verschiedenen Punkten. Zum einen hängt sie stark vom persönlichen Empfinden ab. Zudem spielt es eine Rolle, wie die einzelnen Räume genutzt werden und ob wir uns bewegen, oder etwa nur ruhig auf dem Sofa sitzen.

  • Luftfeuchtigkeit: Die Luftfeuchtigkeit muss dabei immer in Zusammenhang mit der Raumtemperatur betrachtet werden. Je wärmer die Luft ist, umso mehr Wasserdampf kann sie aufnehmen. Vor allem zur Vorbeugung von Schimmelbildung ist hier auf ein optimales Verhältnis zu achten, denn Feuchtigkeit entsteht in einem Haushalt ständig und an den verschiedensten Stellen. Besonders in den Sanitärräumen und in der Küche herrscht oft eine hohe Luftfeuchtigkeit, was einerseits die Bildung von Schimmel begünstigt und andererseits die Gesundheit belastet.
    In zu kalten Räumen sammelt sich überschüssige Feuchtigkeit dann an Fenstern oder Wänden. Warme, feuchte Luft hingegen muss regelmäßig durch Lüften ausgetauscht werden, um eine zu hohe Luftfeuchtigkeit zu vermeiden.

  • Chemische Zusammensetzung der Raumluft: Hierunter fallen verschiedene chemische Stoffe, welche die Luft vor allem beim Geruch beinträchtigen. Bestimmte Materialien können Schadstoffe ausdünsten, die gesundheitsschädigend sind. Beim Innenausbau sollte deshalb auf unbedenkliche und geprüfte Produkte geachtet werden.

  • Beleuchtung und Farbgestaltung: Die Beleuchtung von Räumen orientiert sich ebenfalls an deren Nutzung. Für die verschiedenen Bereiche sind jeweils Regelungen entwickelt worden, die beim Bau oder einer Renovierung beachtet werden müssen. Im privaten Bereich gelten diese Vorgaben zur Mindestbeleuchtung jedoch nur als Richtlinie.
    Natürliches Licht wird vom Körper als sehr angenehm empfunden. Dabei spielt jedoch auch die Art der Sonneneinstrahlung eine Rolle. An hellen Wänden kann sich das Sonnenlicht brechen und sorgt so für eine diffuse aber gleichmäßige und indirekte Grundbeleuchtung.
    Auch die Farbtemperatur des Lichts wirkt sich auf das Wohlempfinden aus. Sie kann bei der Auswahl der Leuchtmittel bei der künstlichen Beleuchtung beeinflusst werden. Die verschiedenen Materialien und Farben in einem Raum beeinflussen mit unterschiedlichem Reflexionsvermögen ebenfalls die Lichtwirkung und deren Wahrnehmung durch den Menschen.

 

Klimaregulierung früher und heute


Schon immer wurde versucht, das Raumklima in einem Haus durch bestimmte Maßnahmen so angenehm wie möglich zu gestalten. Die Anordnung der Räume und verschiedene bauliche Strukturen sind dazu entwickelt worden. Die Wohnstube befand sich beispielsweise in Bauernhäusern oftmals angrenzend an eine Wand zum Viehstall, um von dort die abstrahlende Wärme zu nutzen. In besonders kalten Regionen zeigt sich an historischen Bauten, dass Fensterflächen sehr klein gehalten wurden, weil die Öffnungen als starke Kältebrücken wirkten.

Die moderne Technik bietet heutzutage jedoch eine Vielzahl an komfortablen Lösungen, die dazu führen, dass etwa bei den Fenstern kein Kompromiss mehr gemacht werden muss. Durch die hohe Isolationswirkung von Mehrfachverglasungen sind große Fensterflächen möglich, ohne dabei Abstriche durch Wärmeverluste in Kauf nehmen zu müssen.

Um die Luftqualität zu verbessern wurden Innenräume früher häufig mit Lehmputzen versehen. Dieses Naturmaterial ist je nach Stärke der Schicht in der Lage, größere Mengen an Feuchtigkeit aufzunehmen, zu speichern und wieder an die Umgebung abzugeben. Auf ganz natürliche Weise 3reguliert sich das Raumklima so von ganz alleine. Dabei ist der Lehm nicht anfällig für die Bildung von Schimmelpilzen.

Regelmäßiges und richtiges Lüften ist zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit sehr wichtig.

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Ein weiterer positiver Effekt ist die Fähigkeit des Materials, Schadstoffe, Rauch und andere Ausdünstungen aus der Luft zu absorbieren. Als Nachteil erweist sich manchmal, dass die Oberfläche eines Lehmputzes eine geringere Festigkeit aufweist wie verschiedene „moderne“ Wandputze mit anderen Zusammensetzungen. Auch heute wird das uralte Baumaterial wieder häufiger in Innenräumen eingesetzt, um die positiven Eigenschaften für die Optimierung des Raumklimas zu nutzen. 

Technische Möglichkeiten zur Regulierung des Raumklimas


Das Lüften ist ein wichtiges Mittel, um das Raumklima und im speziellen Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu beeinflussen. Dabei können heute verschiedene technische Systeme eingesetzt werden, die ein Lüften „von Hand“ überflüssig machen und automatisch für einen stetigen Luftaustausch sorgen:

  • Freie Lüftung: Hier strömt die Luft durch den Druckunterschied durch die Räume von einer zur anderen Gebäudeseite. Fenster können dabei durch Sensoren bei Bedarf automatisch geöffnet werden. Diese Technik kommt der manuellen Lüftung am nächsten, denn auch hier sorgt der Druckunterschied für den Luftaustausch.
    In einer erweiterten Form kann die Luft auch durch entsprechende Schächte geleitet werden. Sie sorgen für einen minimalen Unterdruck in den Räumen und bringen so den Luftaustausch in Gang.
       
  • Fenstertechnik: Zusätzliche Lüftungselemente können als Luftschlitze direkt in die Profile moderner Fenster integriert sein. Ohne dass das Fenster geöffnet oder gekippt werden muss, ist bei dieser Technik ein Luftaustausch möglich. In manchen Fällen sorgen auch hier elektronische Öffnungs- und Schließsysteme und Sensoren für ein optimales Raumklima.

  • Ventilatorgestützte Lüftung (v.a. Feuchträume): In Räumen, in denen in kurzer Zeit viel Feuchtigkeit anfällt, wie etwa in Bädern, werden häufig Ventilatoren eingesetzt, die einen schnellen Austausch der feuchten Luft gewährleisten.


Die verschiedenen technischen Lösungen können dazu beitragen, beim Lüften keine unnötige Energie zu verschwenden. Die Räume kühlen nicht übermäßig aus, die Luft wird bedarfsgerecht ausgetauscht und zu viel Feuchtigkeit automatisch nach außen transportiert. Zudem entsteht dabei in der Regel keine unangenehme Zugluft. 

Auch beim Heizen sorgen moderne Thermostate für eine individuell regulierbare Raumtemperatur. Verschiedene „smarte“ Lösungen sind heute einsetzbar, um die Gebäudetechnik automatisch und zentral zu steuern. Elektrisch betriebene Rollläden, oder smarte Thermostate können dabei auch aus der Ferne eingestellt werden. Ob als Sonnenschutz oder um bei der Abwesenheit keine unnötige Heizenergie zu verschwenden – hier liefert die innovative Technik passende Lösungen.

Nutzung regionaler Baumaterialien

 

 

Gemauerte, massive Wände können mehr Wärmeenergie speichern als Wände in Holzbauweise. Bei der Schallisolierung oder der Wärmedämmung kann jedoch Holz als Baustoff eher punkten.

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Die regional verfügbaren Rohstoffe haben über Jahrhunderte die regionale Baukultur entscheidend mitgeprägt. Früher waren im ländlichen Raum vor allem Fachwerkbauten verbreitet, da diese Bauweise gut in Eigenleistung bewerkstelligt werden konnte. Erst mit einer ersten Brandschutzverordnung wurden ab dem 17. Jahrhundert zumindest die unteren Stockwerke in Massivbauweise errichtet. Dabei wurden die regionalen Baustoffe und auch die Bauweise an die jeweiligen klimatischen Bedingungen angepasst.

Statt Ziegelsteinen wurde beispielsweise im sächsischen Raum oftmals Bruchsteine verwendet. Der leuchtendrote Porphyr taucht dabei wie ein roter Faden in der Region immer wieder auf. Auch heute kann der Baustoff verwendet werden. Geschätzt wird dabei vor allem seine hohe Festigkeit und Witterungsbeständigkeit, was den Porphyr zu einem guten Material für stabile Mauerwerke macht. Das besondere Mikrogefüge des Vulkangesteins trägt dabei ebenfalls zu einem ausgewogenen Raumklima bei.  

Holz als ökologischer Baustoff


Im Zusammenhang mit einem gesunden Raumklima wird immer häufiger auch wieder auf eine Holzbauweise zurückgegriffen. Dabei hängt es jedoch stark von der Gesamtheit der hierbei verwendeten Materialien ab, ob dabei eine bessere Umweltbilanz und ein gesundes Raumgefühl erzielt werden kann. Um eine optimale Energieausbeute zu erzielen sind mehrschichtige Wandaufbauten mit einer Dämmung dabei am häufigsten. Moderne Holzrahmenbauten sind heute mit einer durchlässigen Schicht ausgestattet, die es dem Gebäude erlauben zu „atmen“.

Da Holz weniger Wärmeenergie speichern kann, wird dies oft durch verschieden starke zusätzliche Putzschichten ausgeglichen. Die Feuchtigkeitsregulierung ist zudem abhängig von der Wandstärke oder der Art, wie die Innenwände ausgearbeitet sind. Auch hier kann ein Lehmputz zusätzlich zu einem angenehmen Raumklima beitragen.  

Pflanzen zur natürlichen Regulierung des Raumklimas


Zum Schluss soll noch eine sehr einfache und attraktive Möglichkeit genannt werden, die zu einem angenehmen Raumklima erheblich beitragen kann. Zimmerpflanzen besitzen die Fähigkeit, Schadstoffe und Staubpartikel aus der Luft zu binden und so die Qualität der Raumluft zu verbessern.

Durch die stetige Verdunstung über die Blattoberflächen wird zudem für eine angenehme Luftfeuchtigkeit gesorgt. Anstelle von künstlichen Luftbefeuchtern ist diese Methode zur Raumbefeuchtung weitaus gesünder, weil das verdunstete Wasser keimfrei ist. Daneben tragen die verschiedenen Pflanzen auch durch ihren Anblick und das beruhigende Grün zu einer angenehmen Atmosphäre bei.

Hintergrundbild: Pixabay, © Hans, CC0 Public Domain