Achtung, Neu-Hausbesitzer: Diese 5 Fallen warten auch noch nach dem Einzug

Das Haus ist endlich gebaut oder kernsaniert, alle Möbel sind katastrophenfrei drin. Jetzt kann doch eigentlich nichts mehr schiefgehen, oder? Oh doch, denn die Liste an möglichen Fauxpas oder sogar noch gröberen Fehlern endet längst nicht mit dem Einzug. Daher gilt es, nicht die Übersicht zu verlieren, im Instandhaltungs- und Absicherungs-Dschungel.

Für die meisten Neu-Hausbesitzer ist es ein echter Freudentag, der Einzug. Man nimmt sich frei und hängt nicht selten ein paar Tage dran, damit man in Ruhe im neuen Heim ankommen kann. Da schmilzt der ganze (Um-) Bau-Ärger wie Eis in der Sommersonne dahin – Sorgen sind meilenweit entfernt. Natürlich, man soll sich ja auch an seinen neuen vier Wänden erfreuen. Aber allzu sorglos sollte man nicht vorgehen, nur weil der Bau abgeschlossen ist. Denn es lauern noch einige Fettnäpfchen, vor denen man sich in Acht nehmen muss.

1. Fehlende Motivation - Auf der faulen Haut im Außenbereich?

Wer einen Hausbau oder eine nicht minder aufwendige Kernsanierung in den Knochen hat, ist erst einmal froh, dass das Haus an sich bewohnbar ist. Alles andere, so ist man oft geneigt, hat später in diesem oder nächsten Jahr Zeit. Dies kann jedoch nicht minder schwere Auswirkungen haben.  

Nun stelle man sich ein solches Haus vor: Innen und außen mehr oder weniger fertig, aber drum herum Bauwüste. Wo dereinst der Vorgarten zieren soll, bedecken noch Paletten und leere Big-Bags den Schlamm. Die Treppe zum Eingangsbereich ist nicht mehr als lose aufeinandergelegte Mauersteine. Und wie es hinter dem Häuschen aussieht, muss man gar nicht erst weiterspinnen. Außer, dass man Gummistiefel benötigt, um zur Mülltonne zu gelangen.

Das Schlimme daran ist, dass mit jedem Tag, den dieser Zustand anhält, eine Gewöhnung der Hausbesitzer eintritt. Das Unfertige wird Normalität und so schrumpft die Motivation zum Weitermachen Tag für Tag. Die einzige Möglichkeit, diesen Zustand abzuändern, ist konsequentes am-Ball-bleiben. Man muss ja nicht mit der gleichen Schlagzahl weitermachen wie zu Hausbauzeiten. Aber jeden Tag nach Feierabend nur eine halbe Stunde in das „Aufklaren“ des Grundstücks zu investieren, summiert sich schon nach wenigen Wochen massiv.

2. Falsche Versicherung - wer billig versichert, zahlt drauf

Gerade wer erstmalig ein Eigenheim bezogen hat, tut sich oft sehr schwer damit, den Preis des Ganzen zu beziffern. Klar, den Wert des Hauses an sich kennt man durch die saftigen Rechnungen der jüngsten Vergangenheit ziemlich genau.

Wenn Pech und Unglück mit Unterversicherung kollidieren, wird es nicht nur teuer, sondern wirklich existenzbedrohend.

Aber wenn es darum geht, Dinge wie die Einrichtung mit einzuberechnen, neigen viele Hausbesitzer dazu, zu tief zu schätzen. Das Resultat ist dann eine Unterversicherung – man gibt etwa einen Gesamtwert der Einrichtung von 25000 Euro an, obwohl es in Wirklichkeit fast das Doppelte davon ist. Im Schadensfall besteht dann das beträchtliche Risiko der Unterversicherung, das heißt, es wird nur die Hälfte der Versicherungssumme ausbezahlt. Die Lösung ist indes einfach: Sich einen Tag nehmen und einfach alle Quittungen für die Einrichtung (die man ja hoffentlich gesammelt hat) aufaddieren und mit den Hauskosten zusammenlegen. So bekommt man einen ziemlich genauen Überblick. Der muss dann nur noch per Einschreiben der Versicherung mitgeteilt werden und das neue Heim samt Einrichtung ist mit dem korrekten Wert abgesichert.

3. Die Heizung – Schlecht gespart heißt doppelt gezahlt

Dieser Punkt richtet sich vor allem an Besitzer von neuerbauten Massivhäusern, an denen ohne Winterpause auch durch die kalte Jahreszeit hinweg gewerkelt wurde – durch moderne Baumaterialien mittlerweile Usus.

Schwitzende Fenster sind das höchste Alarmsignal, das sich im Haus zu viel Wasser befindet, das nun raus muss – und zwar schnell.

Allerdings birgt diese Vorgehensweise, so sehr sie auch einer schnelleren Fertigstellung entgegenkommt, Risiken, die man konkret vermeiden muss.

Bei einem Massivhaus werden pro 100 m² Fläche gut 9000 Liter Wasser verbaut – zum Anmischen von Mörtel, für Estrich usw., usf. Dabei ist Regenwasser, das in den offenen Rohbau gelangte, gar nicht mitgerechnet. Früher, als im Winter Baustopp angesagt war, hatte dieses Wasser ausreichend Zeit, aus leeren Fensterhöhlen zu entweichen. Heute hingegen ist das Haus schon bezugsfertig, bevor auch nur ein Bruchteil dieser Wassermassen verdunstet ist.

Die Folge: Feuchtigkeit bis hin zu Schimmel. Und das große Problem daran ist, dass viele Neubaubesitzer aus falsch verstandener Sparsamkeit es mit dem Heizen nicht so genau nehmen. Da bleiben leerstehende Räume kalt und alle Vorzeichen von Nässe werden ignoriert:

  • Muffiger Geruch
  • Nässe an Fenster-Innenseiten
  • Feuchte Stellen an Wänden
  • Stockflecken

Und wenn sich dann erste schwarzgrüne Schimmelflecken zeigen, ist die Panik groß. Man flucht auf die Wärmedämmung (wegen ihrer angeblichen Luftdichtigkeit) und hat schon den Bauunternehmer am Telefon. Dabei ist das Vermeiden einfach:

  • Keinen Raum des Hauses unbeheizt lassen. Feuchtigkeit kondensiert nur an kalten Oberflächen (weshalb eine Wanddämmung auch Schimmel eher verhindert als fördert)
  • Sechsmal täglich für fünf Minuten stoßlüften – in jedem Raum, bei jedem Wetter und mit weit geöffneten Fenstern
  • Kein Trocknen von Wäsche im Haus
  • Beim Kochen und Duschen die Türe(n) schließen und ein Fenster kippen
  • Alle Innenraumtüren geöffnet lassen, um kein Zimmer zu isolieren
  • Möbel fünf Zentimeter von der Wand wegziehen

Damit bekommt man die Feuchtigkeit nach und nach aus dem Haus. Natürlich wird das im ersten Jahr für eine horrende Heizungsrechnung sorgen. Doch ist die immer noch billiger, als sich mit den gesundheitlichen Risiken von Schimmel (nicht zu vergessen den finanziellen) herumzuplagen.

4. Die Sicherheit – Noch immer oft vernachlässigt

Wer bislang in einer Mietwohnung lebte, für den war Sicherheit etwas, um das sich der Vermieter zu kümmern hatte und mit Befehlen wie „Ab 22 Uhr muss die Haustür abgeschlossen sein“ auch durchsetzte. Doch im eigenen Haus ist man sein eigener Sicherheitsinspektor – und wird gerade in der Anfangsphase zu oft von falschen Gedanken geblendet:

  • Türen und Fenster sind ja nagelneu – die sind sicher (sie sind es nicht)
  • Das Haustürschloss war teuer genug (ist aber binnen Sekunden überwindbar)
  • Ich bohre doch keine Löcher für Bewegungsmelder in die Außenwände (Einbrecher bedanken sich, sie lieben Dunkelheit)

Zudem glaubt man auch noch gern, dass Einbrecher sich ja sowieso nicht für ein Neubaugebiet interessieren würden – weil da ja immer jemand zuhause sei.

Jedes Fenster lässt sich aufhebeln. Unbemerkt geht das aber nur, wenn auf der Fensterbank nichts lautstark umkippen kann.

Doch auch das ist grundfalsch. Denn Einbrecher wissen, dass in Neubaugebieten, eben weil sich dort noch keine Nachbarschaft etablieren konnte und überall gebaut wird, ein neutraler Van und Menschen, die ums Haus schleichen, keinem weiter auffallen.

Normalerweise würde man Hausbesitzern raten, zumindest die Fensterbänke im Erdgeschoss durch das Aufstellen von Blumentöpfen zu sichern – sodass man die Fenster nicht aufhebeln kann, ohne Radau zu machen. Weil aber (siehe Kapitel 3) die Fenster jeden Tag voll geöffnet werden müssen, ist dieser Weg verwehrt. Was man deshalb als Neu-Hausbesitzer mindestens tun sollte:

  • Außen vor die Hintertüre(n) etwas stellen, das beim Wegräumen Geräusche verursacht (etwa ein Wäscheständer)
  • Pappbecher oder Kaffeetassen mit etwas Besteck darin innen direkt vor die Parterre-Fenster stellen (lassen sich zum Lüften leicht entfernen und fallen beim Aufhebeln um und erzeugen Krach)
  • An der Innenseite der Haustür eine massive Riegelkette installieren (hält die Tür auch dann noch geschlossen, wenn das Schloss geknackt wurde)
  • Niemals das Haus bei gekippten Fenstern verlassen

Wer dann auch noch bei Abwesenheit die Rollläden der von der Straße aus nicht einsehbaren Parterre-Fenstern und -Türen herablässt, erzeugt schon viel Sicherheit, ohne dass er viel ausgeben muss. Allerdings sind das nur Provisorien, die man zügig durch angepasste Sicherheitsmaßnahmen ergänzen sollte.

5. Die Übervorsicht – Das Musterhaus-Problem

Die meisten Menschen haben einen gewissen Respekt vor allem, was neu ist und vergleichsweise teuer war. Man behandelt die neue Kamera wie ein rohes Ei, gibt dem neuen Auto nie die Sporen – das Neue soll ja nicht so schnell abgenutzt werden. Kein Wunder also, dass sich diese Mentalität nahtlos auch ins neue Haus überträgt. Und gerade weil das „wertig-halten“ auch offensichtlich kein Fettnäpfchen ist, tappen viele Hausbesitzer dort hinein.

Ein Neubau nüchtern wie ein Operationssaal. Bei allem Verständnis für schonende Behandlung kann hier ob der Unpersönlichkeit keine Heimeligkeit aufkommen.

Da lässt man aus Angst, Löcher zu bohren, die Wände kahl, putzt die Fenster nach jedem Regenschauer und beäugt sogar tierische Familienmitglieder kritisch, weil die ja durch Haare und Kratzer etwas abnutzen könnten.

Die Folge ist, dass man das verhindert, was im ersten Punkt dieses Texts noch ein Nachteil war, nämlich Gewöhnung. Man bewohnt das Haus so, als wäre man nur auf Besuch dort, lebt darin wie in einer Ferienwohnung. Und hier kommt das Problem daran: Es verhindert nämlich, dass man eine Bindung zu den neuen vier Wänden aufbaut. Keine Bindung, wie man sie zu einem Menschen hat, nein, sondern eine, die es dem menschlichen Gehirn – einem Organ, das Heimeligkeit direkt mit Gewöhnung assoziiert – ermöglicht, das neue Zuhause als „Heim“ anzusehen, nicht nur als vorübergehender Wohnort.

Die Folge ist, dass man zwar in seinem eigenen Haus lebt, aber durch die Ehrfurcht davor sehr lange benötigt, bis man darin wirklich angekommen ist, bis man es als Heim ansieht, in dem man glückliche Stunden verbringt. Es bleibt eine nüchterne Behausung, fast ein Musterhaus.

Die Lösung ist indes einfach: Natürlich darf man das neue Eigenheim schonen. Aber man sollte es nicht übertreiben. Fotos von Familie, Freunden und Co. gehören an die Wand – ganz egal wie abschreckend neu der Putz auf auch Hammer und Nägel wirken mag. Und eine Küche ist erst komplett, wenn die Gewürze und Arbeitsutensilien bereitstehen. Gleiches gilt für ein Badezimmer: Natürlich sieht das nüchtern-leer sehr viel besser aus. „Sein“ Badezimmer wird es jedoch erst, wenn auf der Ablage Deo und Haarspray stehen und der Badewannenrand von Shampoo und Co. gesäumt wird.

Fazit

Nach dem Einzug ist vor dem nächsten Fettnäpfchen. Nur weil die (Um-) Bauphase überstanden ist, ist man noch längst nicht aus dem Gröbsten raus. Bloß dass jetzt keine Fremdfehler wie Baupfusch mehr lauern, sondern die Malheure meist eigener Herstellung sind. Nur wer sie vermeidet, sorgt auch langfristig dafür, dass er sich in dem neuen Haus so wohl fühlt, wie es nur möglich ist.

 

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