6 aus 49 und Co - Die Kunst des Lottospielens

Auch wenn Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Schule schon ewig her ist, eins ist sicher bei jedem hängengeblieben: die Chance auf sechs Richtige beim Lotto ist extrem gering. Lotto ist ein Glücksspiel und es gibt nichts, was die Chancen dermaßen steigert, dass der Jackpot zum Greifen nahe wäre. Jedoch hat das Spielverhalten der Lottospieler Auswirkungen auf die Gewinnsumme. Während beim Roulette die Gewinnausschüttung immer abhängig von dem Einsatz ist, hängt der Gewinn bei 6 aus 49 davon ab, wie viele andere in der gleichen Gewinnklasse sind. Wer clever spielt, kann zwar nicht seine Chance, aber die potentielle Summe des Gewinns erhöhen.

Wie alles anfing


Im Jahre 2015 feierte Lotto bereits sein 60. Jubiläum. 1955 wurde es von Lothar Lammers und Peter Weiand erfunden. Ihr Ziel war es ein Glücksspiel zu entwerfen, bei dem jeder - Volljährigkeit vorausgesetzt - ohne besondere Kenntnisse teilnehmen kann, da es zu der damaligen Zeit nur das englische Fußball-Toto gab, welches wiederum Sportwissen erforderte. Lotto sollte hier Abhilfe schaffen. Die Idee war es das Lottospiel zu revolutionieren.
Als feststand, dass eine staatliche kontrollierte Lotterie eingeführt werden sollte, tüftelten Lammers und Weiand monatelang an einem Spiel, bis der studierte Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler und spätere Vorsitzende der Westdeutschen Lotterie, Lothar Lammers, die Spielformel 6 aus 49 entwickelte. Die moderne Lotterie war geboren, die regelmäßigen Fernsehausstrahlungen mussten allerdings noch gut zehn Jahre auf sich warten lassen.

Abbildung 1: Die Ziehungen der 6 aus 49 finden jeweils mittwochs und samstags statt

Kein reines Glücksspiel


Laut einer Umfrage des IfD Allensbach spielen rund 8,4 Millionen Bundesbürger regelmäßig Lotto oder Toto - eine Menge potentielle Mitgewinner. Und von denen gilt es sich abzuheben, da deren Verhalten die Gewinnsumme mitbestimmt, wodurch Lotto auch zu einem strategischen Spiel wird. Selbstverständlich bestimmt in erster Linie der Zufall, welche Zahlen gezogen werden. Und die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich die sechs Richtigen auf dem Lottoschein stehen, ist mit rund eins zu 16 Millionen vernachlässigbar gering. Soll auch noch die Superzahl stimmen, verringert sich die Wahrscheinlichkeit nochmals. Es ist also kein Wunder, dass Menschen in ihrem alltäglichen Sprachgebrauch sich bei unwahrscheinlich eintretenden Ereignissen darauf beziehen, dass sie so „wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto“ seien.

Je mehr Gewinner, desto geringer der Gewinn


Es gibt nichts, was Lottospieler tun können, um ihre Gewinnchancen merklich zu erhöhen. Auch wenn sie mit 50 vollständig ausgespielten Lottoscheinen spielen, steigt eigentlich nur die Wahrscheinlichkeit, das eingesetzte Geld komplett zu verlieren. Jedoch können sie die Quote, und folglich die Höhe des Gewinns, selbst mitbestimmen. Denn in jeder Gewinnklasse wird die gesamte zur Auszahlung bereitstehende Summe durch die Anzahl der Gewinner geteilt. Vereinfacht gesagt: je mehr Gewinner es gibt, desto weniger gewinnt jeder Einzelne.
So wie am 25. April 1984, welcher bis dato den Negativrekord im Samstagslotto markiert. Damals tippten 69 Spieler die richtigen Zahlen. Einerseits Freude über den Gewinn, aber dann wiederum Ernüchterung als ihnen jeweils nur umgerechnet 10000 Euro ausgezahlt wurden. Noch mehr Gewinner gab es bislang nur bei der dritten Ziehung im Jahre 1988, als sogar 222 Personen die richtigen Zahlen auf ihrem Schein stehen hatten. Die Gewinnzahlen 24, 25, 26, 30, 31 und 32 ergaben ein wunderschön symmetrisches Muster in der Mitte des Kastens. Davon lässt sich ableiten, keine populären Kombinationen zu verwenden. Dazu gehören die Zahlen eins bis sechs, Diagonalen im oder Ränder am Kasten sowie Muster, Primzahlen und Quadratzahlen. Wer seinen Gewinn für sich alleine haben will, sollte daher eher ungewöhnliche Zahlenkombinationen wählen.

Abbildung 2: Der Gewinn ist davon abhängig, wie viele die richtige Kombination getippt haben - Sechs Richtige garantieren noch lange keinen Millionengewinn

Waisenkinder ankreuzen


Alternativ empfiehlt es sich Waisenkinder aus all den verschiedenen Sechserkombinationen zu wählen - und davon gibt es viele. Sie zeichnen sich in erster Linie durch abweichende Muster aus. Viele Lottospieler tippen die Geburtstage von sich, Familie und Freunden, weswegen auf die Zahl 19 verzichtet werden sollte, Zahlen über 30 hingegen empfehlenswert sind. Vermeintliche Nostalgiker kreuzen nach wie vor die Gewinnzahlen der ersten bundesländerübergreifenden Lottoziehung vom 9. Oktober 1955 an. Würden diese Zahlen erneut gezogen werden, wäre die Gewinnausschüttung sicherlich lächerlich gering.
Um Waisenkinder zu finden, ist es am einfachsten den Zufall nachzuahmen. Einfach alle Zahlen zwischen eins und 49 auf Zettel schreiben und der Reihe nach ziehen - wie bei einer echten Lottoziehung. Zahlen, die die Ausschlusskriterien erfüllen, werden einfach zur Seite gelegt und erneut gezogen. Am Ende bleiben Zahlen übrig, die zwar noch nicht den Jackpot garantieren, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit eine größere Ausschüttung im Falle eines Gewinns.
Den Berechnungen eines Schweizer Statistikers zufolge, ist es sogar möglich mit dieser Strategie langfristig Gewinne zu erzielen. Allerdings sehr langfristig: Beim regelmäßigen wöchentlichen Spielen mit einer Gewinnreihe, wäre der Jackpot durchschnittlich nach mehr als 200000 Jahren geknackt. Doch wer möchte schon so lange warten, mal abgesehen davon, dass es auch niemand kann.
Eine kleine Bemerkung zum Schluss: die Tipps behalten natürlich nur ihre Gültigkeit, insofern alle anderen Lottospieler ihre Strategie nicht auch ändern. Vielleicht wäre es am Ende dann sogar doch sinnvoller wieder die Geburtstage von Mama, Papa und Oma zu tippe. Aber wer weiß das schon. Am Ende bleibt Lotto eben doch ein Glücksspiel.

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