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Musik, die unter die Haut geht

Dresden. Großartige Aufführung von „Hoffmanns Erzählungen" an der Semperoper

 Wer kennt sie nicht, die berühmte „Barcarole" aus „Hoffmanns Erzählungen" von Jacques Offenbach? Ursprünglich für eine Operette geschrieben, verwendete sie der deutschstämmige Wahlfranzose  für seine einzige Oper, deren Uraufführung am 10. Februar 1881 begeistert gefeiert wurde. Sein ganzes Leben lang hatte der Komponist, der durch solche heute noch beliebten Operetten wie „Orpheus in der Unterwelt“, die „Schöne Helena“ oder die „Großherzogin von Gerolstein“ bekannt wurde, auf den großen Wurf in der Oper gehofft. Der war ihm mit „Hoffmanns Erzählungen“ voll und ganz gelungen.

Die fantastische Oper, die auf der abgründigen  Fantasiewelt des Dichters E. T. A. Hoffmann beruht, erlebte kürzlich an der Semperoper ebenfalls eine großartige Premiere. Leider mischten sich in den begeisterten Schlussapplaus einige frenetische Buh-Rufe für die Inszenierung, die allerdings  völlig unbegründet waren. Das Team um Johannes Erath hatte alles getan, um die beste künstlerische Umsetzung für das Absurde und Surreale in der Welt des auch als „Gespenster-Hoffmann“ bezeichneten Dichters zu finden.

Dazu nutzte Heike Scheele  den ganzen technischen Apparat des Opernhauses für das Bühnenbild, das durch mehrere Dimensionen, durchsichtige Wände, Spiegel, Lichteffekte, Videoeinblendungen u. a. faszinierte. Auch die Kostüme von Gesine Völlm, die von blendendem Weiß über gruseliges Schwarz bis zu grellen Farbtönen reichten, entsprachen ganz den Charakteren und Stimmungen. Gewiss war es manchmal schwierig, dem „roten Faden“ der etwas verworrenen Handlung zu folgen und manches erschloss sich nicht auf den ersten Blick. Man braucht eben etwas Fantasie und die innere Bereitschaft, sich auf diese „Schauerromantik“ einzulassen.

Der Titelheld, überzeugend von dem amerikanischen Tenor Eric Cutler dargestellt und gesungen, erzählt von seinen drei Liebesgeschichten, die alle tragisch enden. Zuerst verliebt er sich in die schöne Olympia, in deren Rolle die Sopranistin Tuuli Takala mit herrlichen Koloraturen glänzt. Zu spät erkennt Hoffmann, dass seine Angebetete nur eine leblose Puppe ist.

Seine zweite große Liebe ist Antonia, eine begnadete Sängerin, die ihre Leidenschaft für die Musik mit dem Tod bezahlt. Sarah-Jane Brandon stellt diese Figur zusammen mit Christa Meyer als ihre Mutter sehr ergreifend dar. Das sind Momente, in denen den Zuhörern kalte Schauer über den Rücken laufen.

Nach diesen Enttäuschungen will Hoffman eigentlich der Liebe entsagen, verfällt aber der Kurtisane Giulietta, einer schillernden Frauengestalt, die von Measha Brueggergosman auf die Bühne gezaubert wird. Mit ihren Verführungskünsten raubt sie ihm schließlich sein Spiegelbild und damit sein eigenes Ich. Hoffmanns Gegenspieler (Peter Rose) triumphiert mit diabolischem Gelächter.

Hoffmann, der in allen drei Frauen nur seine Geliebte Stella sah, bricht zusammen und wird von seiner Muse getröstet, die ihn auf seinem Weg begleitete: „Groß ist man durch die Liebe, aber größer durch den Schmerz.“ Christina Bock spielt diese Figur emotional sehr berührend. Hoffmann, der keine Erfüllung in der Liebe finden konnte, widmet sich nun ganz seiner Kunst.

Jacques Offenbach gelang es, diese Künstlertragödie in großes Theater und ergreifende Musik umzusetzen. Die  Sächsische Staatskapelle Dresden unter der musikalischen Leitung von Frédéric Chaslin, der Sächsische Staatsopernchor, die hervorragenden Solisten und das Inszenierungsteam sorgten gemeinsam dafür, dass den Besuchern (mit Ausnahme der Buh-Rufer) die dreistündige Aufführung unter die Haut ging. (gs)

Die nächsten Vorstellungen finden am: 10., 16., 19. und 23. Dezember  sowie am 2. und 7. Januar 2017 statt.

 

 

 

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