André Schramm

Kontrastprogramm im Oktagon

Dresden. Brutal, gewaltverherrlichend und hat nichts mit Sport zu tun: Bei Mixed Martial Arts (MMA) sehen manche lieber weg als hin. Am 28. Oktober ist der Kampfsport in der Messe zu Gast und der Dresdner Mike Lehmann (45) mittendrin.

 Herr Lehmann, Ihre Gegner sind im Schnitt 20 Jahre jünger als Sie. Wie kommt man bitte schön mit Anfang 40 auf die Idee, plötzlich ins Oktagon steigen zu müssen?
Ich war früher im Judo-Sport aktiv. Danach war eine ganze Weile Ruhe. Vor meinem geistigen Auge habe ich den Mike mit 65 Jahren gesehen – auf der Couch, einem Bier und der Chips-Tüte in der Hand (lacht). Das wollte ich nicht. Ich hatte das Gefühl, ich verpasse etwas, wenn ich es nicht wenigstens einmal ausprobiere. 

Und hätten Sie etwas verpasst?
Ja.

Was?
Einen Sport, dessen Reiz in den vielen verschiedenen Kampfsportdisziplinen liegt, die er vereint.

Für viele hat das nix mit Sport zu tun...
...ich weiß. Boxen an sich ist O.K.. Judo oder Ringen sind für sich auch in Ordnung. Brazilian Jiu-Jitsu – kein Problem. Werden alle Disziplinen auf einmal zum Sport, ist das auf einmal ein Problem.  

Vielleicht stoßen sich die Menschen daran, dass auch am Boden liegende Gegner beim MMA noch traktiert werden?
Für jeden Angriff gibt es auch eine Abwehrmaßnahme. Man muss wissen, dass das Reglement diesbezüglich, aber auch generell sehr streng ist – strenger als im Boxsport. Ist der Unterlegene am Ende, kann er das durch das Klatschen auf die Matte signalisieren. Letztlich ist ja der Ringrichter auch noch da.

Es gibt angeblich eine Art Intelligenztest vor dem Kampf. Stimmt das?
Ja. Neben einem medizinischen Check gehört auch ein kognitiver Test mit Aufgaben usw. zum Prozedere. Damit soll sichergestellt werden, dass die Kämpfer bei Verstand sind.

Warum wird in einem Käfig gefightet?
Der Cage ist weniger Show, vielmehr eine Sicherheitsmaßnahme. So ist beispielsweise auch das Werfen des Gegners erlaubt. Ein herkömmlicher Boxring wäre für MMA daher sehr ungeeignet und viel zu gefährlich.

Die Pufferzone ihrer Open Hands (Handschuhe) ist nicht sehr komfortabel. Wie fühlt sich ein Schlag im schlimmsten Fall an?
Als würde ein Zug durchs Gesicht fahren. (lacht)

Hegen Sie Groll auf ihren Gegner nach einem verlorenen Kampf?
Nein. Die Szene ist sehr kollegial und fair. Außerhalb des Oktagons hilft man sich. Viele Kontrahenten bleiben danach in Kontakt, beispielsweise über soziale Netzwerke.  

Haben Sie mal geschaut, wer im Publikum sitzt?
Na klar. Ehrlich gesagt war  ich sehr überrascht. Statt einschlägiger Typen, ist alles vertreten. Selbst Opis, die sich einfach mal ein Bild machen wollen.

Was machen Sie beruflich?
Ich bin Manager in einem Pharmakonzern.

Verträgt sich das?
Eben nicht oder vielleicht gerade doch. MMA ist das absolute Kontrastprogramm zu Schlips und Anzug.

Was sagt die Frau?
Sie war sehr skeptisch. Ich hatte das Gefühl, dass sie nach ihrem ersten MMA-Besuch erleichtert war. 

Infos/Tickets: www.welovemma.de

Tickets gibt es auch beim WochenKurier Dresden, am Wettiner Platz 10.

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