André Schramm

HTW erfindet Pflege-Roboter

Dresden. Werden pflegebedürftige Menschen bald von einer Maschine betreut? Wenn es nach der Hochschule für Wirtschaft und Technik (HTW) geht, ist diese Frage gar nicht so abwegig. Wissenschaftler haben dort nun die Prototypen eines Pflegeroboters der Öffentlichkeit vorgestellt. Erste Praxistests verliefen vielversprechend.

  „Willkommen in der HTW“, sagt August der Smarte als Sozialministerin Barbara Klepsch den Saal betritt. Die Augen des Bots schweifen der Ministerin hinterher. Sie ist so ziemlich die einzige, die an diesem Nachmittag von dem etwa 160 Zentimeter hohen Roboter begrüßt wird. Möglicherweise weiß die Maschine schon, was Frau Klepsch in ihrer Tasche hat: Förderbescheide über 800.000 Euro für eben jenes Teil mit Kulleraugen und einer Kinect* auf dem Kopf.

August der Smarte ist das Ergebnis mehrjähriger Forschung und Entwicklung an der HTW zusammen mit weiteren Partnern, darunter der Universität Erlangen, der TU Dresden und der Cultus gGmbH. „Im Mittelpunkt stand und steht dabei die Frage, wie Roboter Pflegekräfte künftig entlasten und die Lebensqualität der Patienten möglichst lange auf einem Niveau halten können“, sagt Prof. Dr. Hans-Joachim Böhme von der HTW. Alte Leute zu bespaßen sei nicht das primäre Ziel. Vielmehr sind es demente Menschen, die von der Entwicklung profitieren sollen, heißt es weiter.   

Was hat er drauf?

Als »Nachtwächter« war August der Smarte bereits in Dresdner Pflegeheimen im Einsatz und patrouillierte über die Gänge. „Er kann interagieren, Fragen beantworten und verirrte  Patienten auf´s Zimmer zurückbegleiten“, erzählt Prof. Dr. Böhme weiter. In einem Notfall alarmiert August sogar „echtes“ Pflegepersonal.

Die Forscher stehen mit ihrer Entwicklung noch ganz am Anfang. „Am Ende könnte der Einsatz im privaten Wohnumfeld von pflegebedürftigen Menschen stehen“, erzählt Prof. Dr. Böhme weiter. Der denkbaren Anwendungen seien dabei, mal abgesehen vom Datenschutz, keine Grenzen gesetzt. »Gerade bei dementen Menschen spielt zum Beispiel die eigene Vita eine wichtige Rolle. Der Roboter könnte mit dem Lebenslauf der Senioren und Seniorinnen gefüttert werden oder sich eben merken, wer, was erzählt“, sagt der Experte. Bisher ist die Lernfunktion lediglich auf die Umgebung beschränkt, in der sich der Roboter bewegt.

Die ersten Praxistests hat August dem Vernehmen nach gut gemeistert. „Widererwarten gab es bei den älteren Menschen überwiegend positive Reaktionen“, erzählt Böhme weiter. Neben einer Machbarkeitsstudie steht auch die Akzeptanz auf dem Fahrplan der nächsten Monate. Um ein Thema kommt die Entwicklung nicht herum: den Datenschutz. „Immerhin kommt der Pflegeroboter, der auf eine Verbindung zum Internet angewiesen ist,  u.U. in den Besitzt von sensiblen, personengebundenen Krankendaten der Patienten. Übrigens: August hat noch ein weibliches Pendant, das auf den Namen Anna Constantia hört.

Kinect* ist ein Sensor, der von Microsoft erfunden wurde und bei der Spielekonsole Xbox zum Einsatz kommt.
        

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