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Kritische Radfahrer erobern Straßen

Sachsen. Sie beanspruchen komplette Fahrspuren und lassen sich im Konvoi auch durch rote Ampeln nicht aufhalten.

Wer kennt nicht den Dauerkonflikt zwischen Autofahrern und Radfahrern? Während motorisierte Verkehrsteilnehmer auf das Recht des Stärkeren pochen, oft mit bösen Folgen für Zweiradfahrer, glauben diese oft, dass Verkehrsregeln für sie nicht gelten.

Es ist Freitagabend. Schauplatz der Szenerie ist der Skaterpark an der Lingnerallee. Dort steht das letzte große Denkmal der DDR mit dem Namen „Proletarischer Internationalismus“. Um die Steinfiguren drehen zwei Radfahrer minutenlang ihre Runden und unterhalten sich dabei. Ein Dritter gesellt sich dazu, kurz darauf sind es schon fünf, dann zehn. Was machen die da?

„Gleich geht es los“, sagt Paul Richter, der mit seinem blauen Rennrad das ungewöhnliche Treiben beobachtet und sich ebenfalls in den fahrenden Kreisel einordnet. Punkt 19 Uhr setzt sich der auf etwa 60 Radfahrer angewachsene Pulk in Bewegung und startet in Richtung Dynamo-Stadion. Laut Bürgerumfrage fühlt sich jeder dritte Dresdner auf dem Rad in Elbflorenz nicht sicher. 71 Prozent wünschen sich zudem mehr Aktivität, um den Radverkehr in der Stadt attraktiver zu gestalten.

Einmal im Monat findet seit ein paar Jahren eine Aktionsform statt, die als Critical Mass bezeichnet wird. Übersetzt ist es eine kritische Masse, die gern mit dem Drahtesel unterwegs ist. Sie trifft sich scheinbar zufällig und unorganisiert, um mit einer Fahrt durch Innenstädte auf den Radverkehr als Form des Individualverkehrs aufmerksam zu machen.

Paul Richter fährt mit. „Es gibt zu viele Autofahrer, die glauben, dass wir weniger Rechte im Straßenverkehr haben als sie selbst“, sagt er und erklärt während der gemütlichen Fahrt am Stadion vorbei zur Wiener Straße die Regeln. „Laut Paragraph 27 der Straßenverkehrsordnung dürfen mehr als 15 Radfahrer einen geschlossenen Verband bilden und zu zweit nebeneinander die Fahrbahn nutzen.“ Diesmal sind viermal so viele Menschen dabei, die im Konvoi ganz legal unterwegs sind. Für die Gruppe gelten in diesem Moment die Verkehrsregeln eines einzelnen Fahrzeuges. Wer es innerhalb einer Grünphase nicht über die Ampel schafft, darf auch noch bei Rotlicht drüber. Autofahrer müssen warten und werden gecorkt, also freundlich blockiert, um nicht in die Gruppe hinein zu fahren. Das ist nicht verboten und sorgt für Sicherheit.

Die Polizei weiß von dem Treiben, sieht aber keinen Handlungsbedarf. „Wir beobachten das. Bislang sind uns keine verkehrsrechtlichen Verstöße oder Beschwerden bekannt“, so Sprecher Thomas Geithner zu den störungsfrei verlaufenden Ausfahrten. Mit Gejohle und Geklingel rollen die Teilnehmer der Rundfahrt durch den Tunnel unter dem Wiener Platz. Um das Verbotsschild für Radfahrer an der Zufahrt schert sich niemand. Auch nicht um das Hupen und Gestikulieren der Autofahrer, die wohl aus Wut sehr rasant und nicht ganz ungefährlich überholen.

1.402 Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern gab es im vergangenen Jahr, mehr als 1.100 wurden dabei verletzt, zwei sogar getötet. Nicht alle Autofahrer reagieren sauer, manche schmunzeln oder winken geduldig, bis die Kolonne vorbeigefahren ist. Kurz vor der Marienbrücke zeigt nur ein Porschefahrer, was er von der Aktion hält und zieht verbotenerweise über das Gleisbett der Straßenbahn davon. Damit es nicht zu Konflikten mit nervösen Autofahrern kommt, sind alle angehalten, langsam, gesittet und vorsichtig zu fahren, sowie niemanden zu provozieren. Nach einer Runde am Albertplatz, die zufällig von der Polizei begleitet wird, fährt die Gruppe weiter Richtung Pieschen.

Im Schnitt treffen sich etwa 50 Radfahrer regelmäßig zur gemeinsamen Ausfahrt. In anderen Städten sind es Hunderte oder Tausende. Einen Veranstalter gibt es nicht, weil es sich nicht um eine Demonstration handelt. Die Route ist nicht vorbestimmt. Sie ergibt sich spontan durch die ersten Radler an der Spitze des Verbandes. Mitfahren kann jeder, auf eigene Verantwortung. Nach zwei Stunden durch Dresden löst sich alles wieder auf, ganz plötzlich, so wie es auch begonnen hat.

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Kommentar von Teichmann C.
Sehr gut geschriebener Artikel zur Critical Mass Dresden.

65-jähriger Bernd E. wird vermisst

Sachsen. Die Polizei fahndete derzeit nach dem Vermissten der nach einem Besuch bei seinen Kindern in Bayern nicht wieder in Dresden ankam. Der 65-Jährige sollte am Sonntagnachmittag (13. August) mit dem Zug von Nürnberg zurück nach Dresden fahren. Hier kam er jedoch nicht an. Er konnte auch an seiner Wohnung im Dresden-Striesen nicht angetroffen werden. Am Nachmittag des 14. August gab es einen telefonischen Kontakt zu Angehörigen. Dabei gab der 65-Jährige an, dass er sich in Regensburg befindet. Sein Mobiltelefon konnte ebenfalls in Regensburg geortet werden. Seitdem ist der Gesuchte nicht mehr erreichbar. Weitere Handyortungen ergaben, dass sich das Telefon in Tschechien befand (15. August). Hinweise wo sich der 65-Jährige aktuell aufhält, gibt es jedoch nicht. Auch die Tschechische Polizei ist in die Suchmaßnahmen einbezogen, konnte den Mann jedoch auch noch nicht ausfindig machen. Der vermisste Dresdner leidet an Demenz und ist auf Medikamente angewiesen. Er ist 170 cm groß und schlank. Er hat dunkelbraune kurze Haare und trägt eine Brille mit eckigem Gestell sowie selbsttönenden Gläsern. Er ist vermutlich mit einer schwarzen Jacke sowie einem schwarzen Basecap bekleidet und dürfte mit einem schwarzen Herrenfahrrad unterwegs sein. Die Polizei fragt: Wer hat Bernd E. seit Sonntag gesehen? Wer kann Angaben zu seinem derzeitigen Aufenthaltsort machen? Zeugenhinweise nimmt die Polizeidirektion Dresden unter der Rufnummer (0351) 483 22 33 entgegen. Falls Sie den Vermissten aktuell sehen, können Sie sich auch an die örtlich zuständige Polizeidienststelle wenden. (ju) Die Polizei fahndete derzeit nach dem Vermissten der nach einem Besuch bei seinen Kindern in Bayern nicht wieder in Dresden ankam. Der 65-Jährige sollte am Sonntagnachmittag (13. August) mit dem Zug von Nürnberg zurück nach Dresden fahren. Hier kam…

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