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Eggerts Ostwind – Kein Tatort

Sachsen. Ich weiß nicht, wie Sie, liebe Leserinnen und Leser, am ersten Sonntagabend im September reagiert haben.

Mir fehlte der Tatort. Etwa der Münster-Tatort, in dem der leicht uneitle Rechtsmediziner Prof. Dr. Karl Friedrich Boerne alias Jan Josef Liefers regelmäßig den St. Pauli-Fan und Kriminalhauptkommissar Thiel alias Axel Prahl nervt, am Ende aber mit überraschenden Eingebungen zur Lösung komplizierter Fälle beiträgt.

Stattdessen gab es „Das TV-Duell". Mit Angela Merkel und Martin Schulz in den Rollen der „Kanzlerkandidaten" von CDU/CSU und SPD – die übrigen Parteien haben ja solche Rollen gar nicht erst verteilt. Da war an Überraschung und Tatort-Spannung wenig drin.

Denn beide Akteure sprachen, wie hätte es anders sein können, vor allem Texte, die wir aus vielen Alltags-erklärungen, aus Interviews, mit ein wenig mehr Mühe aus langen Reden kennen oder kennen könnten. Und wenn die fragenden Journalisten auch versicherten, ihre Fragen seien den Gefragten zuvor nicht bekannt gewesen – überraschend, gar neu wirkten auch die nicht.

Wie auch das Geschehen nach dem TV-Treffen – ein Duell war das nun wirklich nicht – Vorhersehbares bot: Das Merkel-Lager rief Angela Merkel zur Siegerin aus, nach Meinung der Schulz-Unterstützer hatte der die Nase leicht vorn. Und diverse Talkshows halfen da auch nicht weiter.

Weshalb ich mich frage, warum wir Wähler auf den Tatort verzichten mussten. Nur: Die Einschaltquoten waren dennoch ziemlich hoch.

Ihr Hans Eggert

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