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Eggerts Ostwind – Gärig

Sachsen. Zugegeben – ich wollte schon immer mal nachlesen, was es bedeutet, wenn ein Bier ein „obergäriges" ist. Aber stets kam was dazwischen.

Doch am Montag nach der Bundestagswahl musste es dann sein: Frauke Petry, die in ihrem sächsischen Wahlkreis deutschlandweit das beste AfD-Ergebnis eingefahren hatte, erklärte vor versammelter Berliner Journalisten-Runde, sie wolle konstruktive Politik betreiben, weshalb sie nicht der künftigen Bundestagsfraktion ihrer Partei beitreten könne. Was ihren AfD-Kollegen auf dem Podium die Sprache verschlug – bis Alexander Gauland sie wiederfand und erklärte, die AfD sei eben eine gärige Truppe, und manche seien da auch obergärig.

Obergärig also: Da wird dem künftigen Bier eine Hefe beigemischt, deren Zellen während des Gärvorgangs verbunden bleiben und durch Kohlensäure, ja – einfach nach oben getrieben werden, während untergärige Hefe zerfällt und nach unten sinkt. Obergärig sei Kölsch oder Alt, untergärig Pils, wobei die obergärige Brauerei Wärme brauche und untergärige Kälte und damit erst seit der Erfindung von Kältemaschinen möglich sei. Also alles klar, was da so bei der AfD gärt?

Nicht wirklich, denn für „gären" nennt der Duden unter anderem auch Synonyme wie „sich zersetzen", und „kriseln". Und das wird der Herr Gauland mit Blick auf die AfD nun doch nicht gemeint haben. Schließlich hatte er zuvor verkündet, die alte neue Kanzlerin jagen zu wollen, was das Zeug hält.

Ihr Hans Eggert

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